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Kunst:Die Einheit liegt in der Vielfalt

Die Ausstellung der Künstlervereinigung Dachau im Verwaltungsgelände auf der MD-Industriebrache war ein Publikumserfolg. Er weist den Weg in die Zukunft. Ein Porträt der KVD

Wenn sich die Künstlervereinigung Dachau (KVD) schon für die Ausstellung der Mitglieder das Thema "Selbstporträt" gegeben hat, wäre interessant zu erfahren, wie denn ein Gesamtbild der Vereinigung für dieses Jahr ausschauen könnte. Von der Technik her gesehen, böte sich nur die Collage an, weil sich eben nicht alle Themen und Projekte zu einem großen Ganzen verknüpfen lassen. Die Einheit liegt in der Vielfalt - und in einer Perspektive hin zu zeitgenössischen Ausdruckformen.

Die Galerie der KVD präsentierte Künstler, die sich in ihrer Formensprache und Inhalten erheblich unterschieden. Da waren klassische Bilderausstellungen darunter, wie die von Günther Urban, Andreas Kreutzkam und Yoko Omomi, oder von Inge Jakobsen. Dann zeigte die KVD Raumkunst, in denen monochrome Gemälde im Raum platziert waren. Zwei Plakatausstellungen erweiterten das Repertoire der KVD-Galerie. Die Ergebnisse der Biennale des politischen Plakats aus Polen waren zu sehen. Dazu passte thematisch die Retrospektive von Bruno Schachtner, der über vier Jahrzehnte hinweg die Bildsprache zu Veranstaltungen und Kunstprojekten der Zeitgeschichte in Dachau prägte. Schließlich fiel die Installation des Dachauer Künstlerpaars Trommeter/Szabó komplett aus dem Rahmen, weil die beiden den Raum zu einer Art Totenkult-Inszenierung verdichteten.

Vor allem aber entfernte sich die zentrale Ausstellung des Jahres von der bisher gängigen Praxis. Zunächst fand sie nicht mehr im Renaissancesaal des Schlosses statt, sondern im ehemaligen Verwaltungsgebäude der MD-Papierfabrik mit dem Charme der Architektur der fünfziger und frühen sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Schon nach der Vernissage Anfang August stellte sich heraus, dass die Besucher begeistert waren und das Schloss nicht vermissten. Sie empfahlen der KVD teilweise sogar, dorthin nicht mehr zurückzukehren.

Vorsitzender Johannes Karl ist es im dritten Jahr seiner Amtszeit gemeinsam mit dem Vorstand gelungen, der KVD seinen Stempel aufzudrücken. Ers sagt: "Diese Schlossausstellung war mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung." Damit meint er eine Öffnung der KVD hin zu den vielgestaltigen Ausdrucksformen der bildenden Kunst, wie sie im Kreis der jungen Künstlergeneration in Dachau durch Karl selbst mit seinen Videoanimationen zu kunstgeschichtlichen Themen und durch SZ-Tassilopreisträgerin Agnes Jänsch mit ihren Videoporträts vertreten waren.

Johannes Karl im Selbstporträt. Im dritten Jahr seiner Amtszeit als KVD-Vorsitzender ist es ihm gelungen, die Vereinigung als Forum für neue Ausstellungsformen zu öffnen.

(Foto: Jørgensen)

Die Frage ist nur, wie die KVD diesen Erfolg im neuen Jahr fortsetzt. Sie könnte im MD-Gebäude bleiben. Aber Johannes Karl will in Dachau kein "Ersatzschloss" schaffen. Sie könnte in den Renaissancesaal zurückkehren. Aber da müsste ihr etwas Besonderes einfallen. Johannes Karl spricht von einem Gegengewicht zu Georg Baselitz, der im Juni und Juli nächsten Jahres den Raum mit raumgroßen Holzdrucken bespielt. Ein hoher Anspruch. Deshalb sagt Karl, dass die KVD sich noch in der Phase der Ideenfindung befindet. Ein Selbstporträt der Künstlervereinigung müsste also auf jeden Fall eine Perspektive ins Ungewisse enthalten und gleichzeitig eine zuversichtliche wegen des Erfolgs auf dem MD-Gelände.

Die KVD-Galerie übernimmt im neuen Jahr deren Impulse. Camilla Nicklaus-Maurer hatte mit Sinnbildern über das Nebeneinander von Schrecken und Alltag am Beispiel von Guantanamo beeindruckt. Sie sind auch auf die Dachauer Geschichte übertragbar. Im April 2016 stellt die Installationskünstlerin in der Galerie unter dem Titel "Es ist angerichtet" aus. Simone de Fabritiis Videoarbeiten waren ebenfalls in dem MD-Gebäude zu sehen. Sie präsentiert sich gemeinsam mit Heiko Klohn als neue KVD-Mitglieder. Klohn war jahrzehntelang dabei, ist ausgetreten und hat wieder den Anschluss an die Vereinigung gesucht. Mit großer Spannung darf die Einzelausstellung von Karin Schuff erwartet werden. Aus Altomünster sind Michael Krause und die Fotografin Silvia Kirchhoff vertreten. Mit Claudia Reiter stellt eine weitere Fotografin aus. Bleibt noch eine Ausstellung vakant. Sie bestreitet vermutlich ein noch nicht ausgewählter Maler aus München.

Für Johannes Karl wird das vierte Jahr seiner Amtszeit das maßgebliche. Danach will er entscheiden, ob er als Vorsitzender weitermachen will und ob ein Wechsel nicht notwendig ist. Fatal wäre es aus seiner Sicht, wenn der Eindruck entstehen würde, dass einige wenige Personen die KVD auf Jahre hinweg bestimmen wollten. Deshalb strebt er eine Diskussion an, an der sich die Mehrheit der KVD-Mitglieder beteiligen soll.

Mitgliederausstellung "Selbstporträt", Vernissage, Donnerstag, 3. November, 19.30 Uhr, KVD-Galerie.