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Kultur in Dachau:Kurzer Herbststurm

Der Jazz e.V. wartet in der neuen Programmsaison wieder mit hochkarätig besetzten Ensembles auf. Allerdings spielen diese nur ein Set und die Besucher müssen sich rechtzeitig um Karten kümmern

Von Gregor Schiegl, Dachau

1/ Konzert: Das Boese Ding beim Berliner JazzFest im A-Trane, Jan Klare, sax, Wolfgang Ekholt, drums, böse, Musik, ( Ber

In dem kleinen, aber feinen Herbstprogramm des Jazz e.V. dürfen sich die Besucher u. a. auf den Musiker Jan Klare freuen.

(Foto: Imago Stock&People)

Unter schwierigen Bedingungen startet der Jazz e.V. Dachau am 31. Oktober in den Jazzherbst. Alles ist nun eine Nummer kleiner, kompakter und zugleich komplizierter. Statt fünf Konzerten umfasst das Programm nur noch drei Auftritte, um die Mindestabstände einzuhalten können, dürfen nur an 40 bis 45 Konzertbesucher Eintrittskarten vergeben werden, von allen Besuchern benötigen die Veranstalter persönliche Angaben und bitten daher vorab um eine Online-Reservierung. Keine Abstriche gibt es bei der Klasse der Künstler, auch wenn sie statt der gewohnten zwei Sets nur ein einziges, etwas längeres spielen. "Wir haben drei gigantische Konzerte im Herbstprogramm", freut sich Volker Widmann vom Vorstand des Jazz e.V. an. Bereits Ende Oktober gibt es das erste Konzert. Die Karten sollte man aber unbedingt jetzt schon bestellen.

Phillipp Gropper's Philm

Im Bundesjazzorchester spielte Philipp Gropper von 2000 bis 2002 unter Leitung von Peter Herbolzheimer und war dort Erster Tenorsaxofonist in der Konzertbesetzung. Schon seit Jahren gehört er zum festen Kern der Berliner Jazzszene und hat auch selbst einige eigene Bandprojekte am Start, so auch die Formation Philm mit Robert Landfermann am Bass, Elias Stemeseder am Piano und Oliver Steidle an den Drums. Letzterer ist für das Publikum beim Jazz e.V. schon ein alter Bekannter; zuletzt war er dort mit seinem eigenen Projekt Killing Popes zu bestaunen.

Philipp Gropper in Action.

(Foto: Toni Heigl)

Solche Allstar-Teams laufen manchmal Gefahr, sich in solistischem Schaulaufen zu verlieren, doch diese Sorge muss man bei Philm nicht haben. Die vier Musiker glänzen lieber im Kollektiv und sparen sich postmoderne Mätzchen. Hier werden die Tugenden des klassischen Jazzquartetts gepflegt. "Reine Virtuosität, reine intellektuelle Höhenflüge oder die allgegenwärtige Weichgespültheit langweilen mich", sagt Philipp Gropper, "es geht mir um Direktheit und Aura".

Landfermann und Steidle bilden eine präzise aufeinander abgestimmte Klangmaschinerie. Gropper und Stemeseder treiben sie an. Am Saxofon von Philipp Gropper klebt nicht der smoothe Schmalz vergangener Zeiten. Sein Sound ist kantig, trotzdem nie kalt, denn seine motivischen Ideen sind oft von einer sphärischen Melancholie. Elias Stemeseder hat ein Händchen für entrückte und gleichzeitig eindringliche Melodien, und ab zu streut er auch mal ein paar elektronische Einsprengsel mit ein. Das Konzert findet am Samstag, 31. Oktober statt, wie immer um 20 Uhr in der Kulturschranne Dachau.

AlasNoAxis

Bei den sommerlichen Ausflüge der Altvorderen des Jazz e.V. nach Saalfelden haben sie 2001 erstmals Jim Blacks AlasNoAxis entdecken dürfen, was das Programm des Vereins in der Folge ziemlich beeinflusst hat. Sechs mal war Jim Black seitdem mit unterschiedlichen Besetzungen in der Schranne zu Gast. Mit AlasNoAxis bisher aber noch nie. Nun, fast 20 Jahre später, ist es Zeit für eine echte Premiere in Dachau. Als AlasNoAxis 2013 seine Scheibe "Antiheroes" veröffentlichte, konnte die Band noch nicht touren, so dass die gesamte Musik auf dem Album nie außerhalb Islands aufgeführt wurde, wo sie aufgenommen wurde. "Neben vielen dieser Songs werden wir einige Hits aus den älteren Alben sowie einige nie zuvor gespielte Stücke spielen", so Jim Black. "Ich habe auch neue Musik für die Band geschrieben, die wir im Frühjahr 2020 aufnehmen werden. Erwarten Sie also auf dieser Tour einen anderen Sound einer AlasNoAxis 2.0." Das Konzert findet am Donnerstag, 19. November, statt.

Jim Black beim Musizieren.

(Foto: Imago Stock&People)

Jan Klare - Roket

Jan Klare bezeichnet sich selbst als Saxofonist, Banderfinder und Feldforscher und hat bei diesem weiten Betätigungsfeld wenig ausgelassen. Mit Luc Ex und Michael Vatcher gründete der Münsteraner 2012 ein knalliges Trio, das eine Mischung aus Jazz, Punk und Improvisationen spielt. Luc Ex' Bassspiel ist einzigartig - er war lange Zeit Mitglied der Band The Ex und hat darüber hinaus mit Four Walls oder Sol 6 getourt. Schlagzeuger Michael Vatcher ging 2017 zurück nach New York City, für ihn kam der trommelnde Shootingstar Onno Govaert dazu, der durch das Trio Cactus Truck international bekannt geworden ist. Das Konzert findet am Freitag, 27. November, statt und beginnt bereits um 19 Uhr.

Die Konzertbesucher müssen Mund-Nasenschutz mitnehmen und die Mindestabstände einhalten. Es gibt diesmal keine Abendkasse. Kartenreservierung gibt es auf der neu eingerichteten Homepage jazzev.com, die gegebenenfalls auch über kurzfristige Änderungen informiert.

© SZ vom 22.10.2020
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