Kultur in Dachau:Kleine marschierende Maschinen

Kultur in Dachau: Gut gedrillt: Liesl (Carla Riegler), Friedrich (Thilo Oehler), Louisa (Loise Ramatchandirane), Kurt (Maximilian Piontek), Brigitta (Delia Layouni), Marta (Donia Layouni) und Gretl, die Jüngste (Lena Hollfelder).

Gut gedrillt: Liesl (Carla Riegler), Friedrich (Thilo Oehler), Louisa (Loise Ramatchandirane), Kurt (Maximilian Piontek), Brigitta (Delia Layouni), Marta (Donia Layouni) und Gretl, die Jüngste (Lena Hollfelder).

(Foto: Toni Heigl)

Das Junge Ensemble des AVS Dachau spielt und singt "The Sound of Music" mit Taktgefühl und Witz

Von Jana Rick, Dachau

Maria ist der "Zappelphilipp und Clown" des Frauenstifts Nonnberg in Österreich: Sie singt im Garten des Klosters, verlässt nachts das Stift und wandert durch die umliegenden Berge. Aus Ratlosigkeit schickt die Mutter Oberin die junge Postulantin als Kindermädchen zum verwitweten Kapitän Georg von Trapp. "Es gibt da eine Familie mit sieben Kindern." So beginnt Marias Auftrag und damit das Musical "The Sound of Music", auf der Bühne des Theaters am Stadtwald.

Die Leiterin des Jungen Ensembles, Daniela Rothe, trifft also als Maria mit Koffer und Gitarre bei der Familie des Barons ein, voller Tatendrang und Energie. Doch sie steht sieben geschniegelten und streng erzogenen Kindern gegenüber in weißen Kniestrümpfen, dem Alter nach aufgereiht wie die Orgelpfeifen: Liesl, Friedrich, Louisa, Kurt, Brigitta, Marta und Gretl. Jedes der Kinder hört auf einen bestimmten Ton der Trillerpfeife des Vaters, denn im Hause Trapps herrsche "Disziplin". Marias Aufgabe sei es, "für Anstand zu sorgen".

Man muss einfach schmunzeln, wenn Alexander Langer in der Rolle des Kapitäns mit strenger Miene nach seinen Kindern pfeift wie nach einer Schiffsmannschaft. Doch die junge Gouvernante findet das gar nicht lustig, verzichtet auf die Pfeife und bringt den Kindern stattdessen nach und nach die Musik näher. "Do re mi fa sol la ti do!" schallt es bald durchs ganze Haus, und es dauert nicht lange, dann hat Maria die "kleinen marschierenden Maschinen", wie sie es nennt, in einen entzückenden Kinderchor verwandelt. Egal ob nachts während eines Gewitters oder vor den ehrenhaften Gästen des Vaters: Die sieben jungen Trapps bringen wieder Musik in die Familie, sodass der eigene Vater es kaum glauben kann: "Meine Kinder singen?!"

Und wie! Die Kinder und Jugendlichen des Jungen Ensembles beweisen, dass sie nicht nur Schauspieltalent haben: Egal ob in beeindruckenden Soli oder im Chor, jedes Lied sitzt und entführt das Publikum in das Hause Trapp hoch in die österreichischen Berge zur Zeit der 1930er-Jahre. Dazu braucht es nicht viel; die mit großem Aufwand gestalteten Kulissen zeigen mal die edel eingerichtete Stube der Trapp Familie, mal die großzügige Terrasse vor dem Haus oder Marias einfaches Schlafzimmer. Diese verzaubert mit ihrer positiven und lieben Art allerdings nicht nur die Kinder. Auch der anfangs so kalte Herr Baron wird von Lied zu Lied weicher und scheint es zu genießen, die stets gut gelaunte musikalische Maria im Haus zu haben.

Doch da gibt es auch noch Elsa Schrader, die den Herrn Baron anhimmelt und die wohl die neue Mutter der Kinder werden soll. Es bahnt sich ein Liebesdrama an, mit dem die junge Maria bei ihrer Ankunft im Hause Trapp nicht gerechnet hatte. Gleichzeitig schweben die historischen Geschehnisse wie ein Schatten über dem harmonischen Leben der Familie und die Realität holt spätestens auch die Zuschauer ein, als der junge Bote den Herrn Baron mit "Heil!" begrüßt. "Ich bin Österreicher!" erwidert daraufhin der Kapitän und Gegner der Nazis lautstark und erzürnt. Die Lage spitzt sich zu, als sich die 16-jährige Liesl, die älteste der sieben Kinder, in den Boten verliebt. Und als Maria bei einem Tanz mit dem Vater der Kinder realisiert, was zwischen ihr und dem Kapitän geschieht.

Die mehr als zwanzig Darstellerinnen und Darsteller des ASV-Theaters schaffen es, die Geschichte der berühmten österreichischen Familie mit viel Engagement und Gefühl auf der Bühne lebendig werden zu lassen. Das Stück macht dabei Lust auf Musik, Berge und Österreich. Neben vielen witzigen Dialogen inszenieren die Kleinsten und Ältesten der Dachauer Theaterfamilie auch ernste Passagen, die zum Nachdenken anregen. Nur so viel sei schon verraten: Es bleibt bis zum Schluss spannend und natürlich musikalisch. Ohne einen Ohrwurm verlässt gewiss niemand den Theatersaal.

Die letzte Aufführung in der ASV-Halle gibt es an diesem Samstag, 2. Oktober. Die Vorführung beginnt um 19 Uhr. Einlass ist von 18.30 Uhr an. Karten für zehn Euro gibt es an der Abendkasse. Einlass nur nach Vorlage eines 3G-Nachweises.

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