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Kommunalwahl in Dachau:Aufs Gleis gesetzt

Die SPD-Landratskandidaten (v .l.) Christiane Kern, Christoph Maier, Herbert Bengler, Hubert Böck, Annette Ganssmüller-Maluche und Omid Atai sowie OB Florian Hartmann am Dachauer Bahnhof.

(Foto: Toni Heigl)

Die SPD-Landratskandidaten aus sechs Landkreisen prangern die Missstände bei der S-Bahn an

S-Bahnfahren muss zuverlässig, bequem und bezahlbar sein - das fordern die SPD-Landratskandidaten in den sechs Landkreisen Dachau, München, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Ebersberg und Freising. In einer gemeinsamen Aktion waren die Kandidaten am Dienstag einen Tag lang von Landkreis zu Landkreis unterwegs, um an den Bahnhöfen auf die Missstände vor allem im S-Bahn-System aufmerksam zu machen und ihre Forderungen nach einem leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) kundzutun. Für die SPD-Kandidaten ist das die Voraussetzung für die Verkehrswende.

Viel Überzeugungsarbeit, was die Missstände im öffentlichen Nahverkehr angeht, mussten die SPD-Landratskandidaten am Dienstag nicht leisten: Christiane Kern, Landratskandidatin aus Starnberg, kam gleich mal mit Verspätung zum Startpunkt der Aktion an den Gräfelfinger Bahnhof, Janina Preuß, SPD-Gemeinderatskandidatin in Gräfelfing, kam nur eine Station aus Lochham, ebenfalls mit Verspätung. Auf Initiative des Fürstenfeldbrucker Landratskandidaten Christoph Maier haben sich seine Mitstreiter aus den Landkreisen zusammengetan, um sich überregional für das zentrale Thema stark zu machen, das alle umtreibt: den Verkehr. Auf der Reise durch die Landkreise mit S-Bahn, Bus und Regionalexpress machten sie ihre Forderungen publik und wurden mit Infoständen von lokalen SPD-Vertretern unterstützt: in Gräfelfing von der SPD-Bürgermeisterkandidatin Anette Kitzmann-Waterloo, dem Neurieder Bürgermeister Harald Zipfel und der Planegger Bürgermeisterkandidatin Christine Berchtold.

Der Forderungskatalog der SPD liest sich wie eine Wunschliste: Unter anderem wird ein Zehn-Minuten-Takt auf allen S-Bahn-Linien gefordert, ein zweigleisiger Ausbau aller bisher eingleisigen S-Bahn-Strecken im Gesamtsystem, Langzüge in den Stoßzeiten, ein barrierefreier Ausbau aller Bahnhöfe, Querverbindungen mit Expressbussen und Seilbahnen sowie ein 365-Euro-Jahresticket für alle. "Alle internationalen Untersuchungen zeigen: erst wenn wir eine zuverlässige, bequeme und günstige Alternative zum Auto geben, steigen die Menschen zum ÖPNV um", sagte Annette Ganssmüller-Maluche, Kandidatin für den Landkreis München. Sie fordert auch die kostenfreie Nutzung aller Busse.

Die Realität sieht anders aus, davon können alle Kandidaten aus ihren Landkreisen berichten. Hubert Böck, der Dachauer Landratskandidat, klagt über den Stundentakt auf der S 2 nach Markt Indersdorf, der an Abenden, am Wochenende und teilweise auch tagsüber gelte. Christoph Maier aus Fürstenfeldbruck fährt seit 40 Jahren S-Bahn und stellt fest, dass es "immer nur schlechter" geworden sei. "Die S-Bahn muss leistungsfähig werden." Ganssmüller-Maluche führt als Beispiel für Tatenlosigkeit die jahrelang geplante U-Bahn-Haltestelle Martinsried an: Die Finanzierung stehe seit zehn Jahren, "der Spatenstich hätte vor neun Jahren sein können". Nicht nur die Technik sei zu reformieren, auch das MVV-Tarifsystem bedürfe weiterer Verbesserungen. Die aktuelle Reform habe keine Vereinfachung gebracht, sagt Christoph Maier. Ganssmüller-Maluche fordert die M-Zone für den gesamten Landkreis München und am besten noch darüber hinaus. Sie wollen den Freistaat in die Pflicht nehmen, sagen die Kandidaten. Investitionen in das S-Bahn-System seien "20 Jahre verschlafen worden", so Ganssmüller-Maluche. Dann müssen sie alle schnell aufbrechen, die S 6 in Gräfelfing soll sie um 9.49 Uhr nach Starnberg, zur nächsten Info-Station bringen - wenn sie pünktlich ist.

© SZ vom 29.01.2020
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