Karlsfeld Nein zum Supermarkt

An der Münchner Straße sollte ein neuer Supermarkt entstehen. Doch der Karlsfelder Gemeinderat hat dies abgelehnt - aus einem einfachen Grund.

Von Christine Heumann

Ein zugkräftiges Zentrum bestehend aus der Neuen Mitte und dem angrenzenden Standort Münchner Straße, ist im Karlsfelder Rathaus zur Herzensangelegenheit geworden. Um die Planungshoheit sicherzustellen, ist der Gemeinderat der Empfehlung des Bau- und Werkausschusses gefolgt und hat den Neubau eines Lebensmittelmarktes mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche und 116 Stellplätzen auf dem gegenüberliegenden Areal südwestlich der Münchner Straße, dem ehemaligen Ludl-Hof, verhindert. Die Entwicklung eines attraktiven Ortskerns und einer Einkaufsmeile auf der Ostseite der B304 soll nicht durch neue Konkurrenzstandorte gefährdet werden.

Ludl-Kapelle: Streit um das Gelände an der Münchner Straße in Karlsfeld.

(Foto: Toni Heigl)

Dazu erließ das Gremium eine Veränderungssperre für diesen Bereich. Danach versagte es dem Antrag der Grundstückseigner auf Vorbescheid für den Neubau des Lebensmittelmarktes auf dem ehemaligen Bauernhof das Einvernehmen. "Wir werden mit den Antragstellern nach einer anderen vernünftigen und zukunftsträchtigen Lösung suchen", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) im Bauausschuss. "Wir müssen uns die Planungshoheit sichern und gemeinsam mit der GfK-Geomarketing als fachlichem Berater unser Gesamtkonzept fortführen." Denn wie Simone Hotzan, stellvertretende Bauamtsleiterin, ausführte, widerspricht der Antrag auf Vorbescheid den Planungsabsichten, insbesondere der vorgesehenen Erschließungsplanung, und läuft den Zielen der Gemeinde entgegen.

Zumindest für einen gewissen Zeitraum solle die Gemeinde die neue Mitte stärken und Konkurrenzstandorte, insbesondere für den Lebensmitteleinzelhandel, ausschließen, sagte Hotzan. Die städtebauliche Entwicklung entlang der Münchner Straße könne nicht dem Paragrafen 34 Baugesetzbuch und somit mehr oder weniger dem Zufall überlassen werden. Ohne rechtsgültigen Bebauungsplan muss ein Antragsteller nur darauf achten, dass sich der Neubau in die nähere Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist.

Darauf konnten und wollten sich die Gemeinderäte nicht einlassen. Nach Abklärung einiger Detailfragen beschlossen sie, den seit 2004 ruhenden Bebauungsplan 90b wieder aufzunehmen, um eine Veränderungssperre als Satzung erlassen zu können.

"Es ist wichtig, dass wir Einzelhandelsflächen nicht nach dem Modell Fleckerlteppich vergeben", sagte Baureferent Günter Meikis (SPD) im Ausschuss. "Ich kann den Paragrafen 34 sowieso nicht ausstehen, der führt nur zu Beliebigkeit", fügte Bündnis-Gemeinderat Marco Brandstetter an. "Deshalb freue ich mich, dass wir das mit einem Bebauungsplan regeln."

Auch Dag Hogh-Binder (CSU) begrüßte die Wiederaufnahme des Bebauungsplans. "Im Konsens mit den Eigentümern, mit Zeit und Bedacht", solle die Entwicklung einer attraktiven Münchner Straße vorangetrieben werden. Ebenso wichtig sei ihm die Einbeziehung der GfK-Fachberater.

Nur mit deren Hilfe war es der Gemeinde gelungen, eine Kompromisslinie zu finden, um ihre zwei Großprojekte nebeneinander weiterzuverfolgen. Monatelang hatte der Gemeinderat gerungen, wie die Münchner Straße entwickelt werden könnte, ohne dass die Neue Mitte stirbt. Der Hamburger Investor HIH hatte sein 80-Millionen-Euro-Projekt vor einem Jahr gestoppt und eine Fortführung davon abhängig gemacht, was nebenan am Einzelhandelsstandort seines ehemaligen Partners HS Projektentwicklung an der Münchner Straße passiert.

Als Ergebnis haben beide Seiten näher zueinandergefunden. Jetzt bringt erst die HS Projektentwicklung die Münchner Straße voran, dann soll die HIH mit der Realisierung der neuen Mitte folgen.