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Ex-Polizist als Bordellbetreiber:Polizeikarriere endet vor Gericht

In seinem Buch will Ittner schildern, wie er die Karriereleiter des Polizeipräsidiums München rasant nach oben geklettert ist: angefangen bei der Einsatzhundertschaft, dann als verdeckter Ermittler bei der Kripo, als Fahndungsgruppenleiter und schließlich als Dienstgruppenleiter bei der Reiterstaffel. "Mein höchster Dienstrang bei der Bayerischen Polizei war Polizeioberkommissar", sagt er.

Ittner will aber auch erzählen, wie er sich nach einer schweren psychischen Erkrankung von seinen Kollegen und Vorgesetzten im Stich gelassen und gemobbt gefühlt hat - bis er schließlich sein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit freiwillig kündigte. Das Münchner Polizeipräsidium bestätigt auf Anfrage, dass es zu Gerichtsprozessen gekommen sei, die Uwe Ittner letztlich in oberster Instanz beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gewonnen habe.

Zuvor hatte das Polizeipräsidium München gegen Ittner ein Disziplinarverfahren geführt, mit dem Ziel, ihn "aus dem Dienst zu entfernen". Der Verwaltungsgerichtshof aber gab nach einem jahrelangen Rechtsstreit seiner Berufung statt. In der Stellungnahme des Polizeipräsidiums heißt es weiter, man könne "zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Herrn Ittner" keine weiteren Auskünfte "zu Details seiner vorangegangenen Dienstzeit" erteilen.

Wie der Cop und die Prostituierte ein Paar wurden

2005 kündigte Ittner, hielt sich anschließend drei Jahre als Importeur von alkoholischen Getränken über Wasser und wurde 2008 Bordellbesitzer. Doch schon in den letzten Jahren seiner Polizeilaufbahn beginnt seine Erzählung, romantisch zu werden. Denn sie handelt von einem bürgerlichen Mann, der sich in eine Prostituierte verliebt. Mit der Besonderheit, dass die Frau nicht aus dem Milieu gerettet wird, wie man es erwarten würde, sondern der Mann ins Rotlichtgeschäft einsteigt. Kennen gelernt hatte Ittner die Prostituierte über eine Bekannte - und schon bald waren der Cop und die Prostituierte ein Paar.

Anfangs funktioniert das, mit zunehmender Dauer aber kommt Ittner mit dem Beruf seiner Freundin nicht mehr klar: "Ich war eifersüchtig und wollte, dass sie aufhört." Schließlich kommt seiner damaligen Gefährtin die Idee, nicht mehr selbst anzuschaffen, sondern ein Bordell zu betreiben. Also nutzt sie ihre Erfahrung, um im Jahr 2004 in Dachau den Salon Patrice zu eröffnen. Die Beziehung funktioniert von nun an wieder. Vier Jahre lang. Dann trennt sich Ittner - und seine Freundin gibt das Etablissement auf und gründet mit einem anderen Mann eine Familie. Von da an ist der ehemalige Polizist der alleinige Betreiber des Salon Patrice.

Das Bordell, versteckt im Hinterhof eines Reifenhändlers, ist ein sogenanntes Terminhaus. Das bedeutet, dass die jeweiligen Frauen - im Salon Patrice sind es permanent zwischen vier und fünf - die Räume für jeweils eine Woche nutzen dürfen und dafür 40 Prozent von ihrem Umsatz abführen müssen. Für eine Stunde käuflichen Sex werden 150 Euro berechnet.

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