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Dokumentarfilm:Verrückt nach Sankt Jakob

Goldrausch in Gaggers

Von Dieter Hentzschel stammt auch ein Film über den Goldschatz von Gaggers, der im 18. Jahrhundert gefunden wurde. 2016 hatte der Film in der Stadtbücherei Premiere.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei der Film-Uraufführung über die Kirche bleibt kein Stuhl frei

Der große Saal in der Pfarrei Sankt Jakob ist bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar Günter Strittmatter, der Initiator des Films "Im Herzen von Dachau", ist überrascht; beinahe hätte er nicht genug Stühle aufstellen lassen. Da hat er die Dachauer wohl unterschätzt und ihr Interesse an der frisch renovierten Pfarrkirche mit dem weithin sichtbaren Kirchturm. Am Ende sind sie alle begeistert, die DVD des Films findet reißenden Absatz. Strittmatter betont in seiner kurzen Ansprache, dass der Erlös zu 100 Prozent zur Tilgung des Eigenanteils in Höhe von 420 000 Euro diene, den die Pfarrei zur fast abgeschlossenen Außensanierung der Kirche aufbringen muss. Bislang sind 170 000 Euro Spenden eingenommen worden.

Als sich Strittmatter und Kameramann Alexander Gasteiger für einen Samstag im Oktober 2017 zum Drehen verabreden, scheint alles perfekt, die Sonne scheint, auf den Straßen der Altstadt herrschte reges Treiben. Es ist Markttag, und plötzlich bekommt Gasteiger kalte Füße. "Was, wenn die Drohne abstürzt und jemand verletzt wird?", sorgt sich der erst 15-Jährige Prittlbacher. Die beiden entscheiden kurzerhand, den Dreh auf den nächsten Morgen zu verschieben. "Als ich Sonntagfrüh losfuhr, waberte an der Amper dicker Nebel", erinnert sich Strittmatter. Zu diesem Zeitpunkt ist er verzweifelt. Kleingläubig, in gewisser Weise. Denn nur wenige Meter weiter oben auf der Altstadtkrone herrscht strahlender Sonnenschein. Die Luft ist klar, die Straßen fast menschenleer, nicht eine Wolke trübt das Bild. Daraus ist die beeindruckende Anfangssequenz des Films "Im Herzen von Dachau" entstanden.

Zu barocken Orgelklängen schwebt die an einer Drohne befestigte Kamera langsam den frisch renovierten Kirchturm empor, der hell strahlend die Sonne reflektiert, sie fliegt über die Dächer der pittoresken Altstadt, fängt das historische Stadtbild mit Rathaus, Schloss und Englischem Garten ein, das Dachauer Moos und das majestätische Alpenpanorama. Und landet dann sanft am Fuße der Kirche, wo bereits Günter Strittmatter wartet und die Zuschauer mitnimmt auf den Glockenturm und in die Glockenstube. Dem Himmel so nah, irgendwie passt das nicht nur zu Hollywood, sondern könnte auch das Motto der nächsten 40 Minuten sein, die dem Dachauer Wahrzeichen ein Denkmal setzen und rundum spannende Geschichte und Geschichten dokumentieren.

Darunter auch die des Hochaltars, des großen Epitaphs von Wilhelm Jocham, ehedem Kronjurist der Wittelsbacher und einem der größten Wohltäter der Stadt, dessen Spitalstiftung heute noch ein Haus für Bedürftige in der Altstadt betreibt, wie Stadtführerin Anni Härtl erklärt. Stadtarchivar Andreas Bräunling berichtet über die Entstehung der von Johann Georg Hörmann geschaffenen berühmten Sonnenuhr an der Außenfassade von Sankt Jakob. Die Kamera schaut Kirchenmusiker Christian Baumgartner beim Spiel der großen Orgel sowohl auf die Finger als auch auf die Füße, die kreuz und quer über die Pedalen sausen. Dabei schwebt die Kamera durchs Kirchenschiff und fängt jedes Detail ein. So haben die Dachauer ihre Kirche ganz bestimmt noch nie gesehen.

Nicht zuletzt kommt der Pfarrer selbst zu Wort. "Ohne Sankt Jakob könnte ich mir Dachau einfach nicht vorstellen", preist Dekan Wolfgang Borm das Gotteshaus. Als Klammer um die Interviews dient die fachkundige Moderation von Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter. Gemeinsam mit Strittmatter, dem ehemaligen Direktor der MD-Papierfabrik und fleißigen Spenden-Sammler, hat sie am Konzept des Films gefeilt. Abgesehen von den Kamerafahrten mit der Drohne stammen alle Aufnahmen, der Ton, die Beleuchtung und der Schnitt vom Dachauer Filmemacher Dieter Hentzschel.

Die DVD gibt es ist für zehn Euro bei der Buchhandlung Wittmann, Augsburger Straße 11, und bei Trachten Schiela, Konrad-Adenauer-Straße 21.

© SZ vom 16.01.2018

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