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S-Bahn:Zeitraubender Anschluss

Warten, bis die S-Bahn kommt: Busfahrgäste aus dem Gemeindebereich Markt Indersdorf müssen längere Umsteigezeiten einplanen.

(Foto: Toni Heigl)

Wer mit dem Bus zu einer Station der S 2 Altomünster fährt und anschließend in die S-Bahn umsteigen will, muss häufig lange warten. Die ÖDP fordert in einem Antrag, die Fahrpläne besser abzustimmen.

Die Kreistagsfraktion der ÖDP will die S 2 Altomünster für Fahrgäste attraktiver machen. Sie fordert eine bessere Busanbindung an die S-Bahn. Die Buslinien sind nach Ansicht der Partei kaum oder gar nicht mit dem Fahrplan der S 2 Altomünster abgestimmt. "Das derzeit vorliegende Angebot kann auch durch die Ergänzung des Ruftaxis kaum neue Kunden vom Umstieg auf den ÖPNV überzeugen", kritisiert die Fraktion in einem Antrag an Landrat Stefan Löwl (CSU). Der Landkreis erarbeitet derzeit ein Nahverkehrskonzept, dessen Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen sollen. "Bei der Linienplanung müssen viele Faktoren berücksichtigt werden", gibt Wolfgang Reichelt, der Medienbeauftragte des Landratsamts, zu bedenken. "Was machbar ist, wird umgesetzt."

Eigentlich wollte die Wählergruppe Um(welt)denken mit einem Fahrplanauszug für die neue Ruftaxi-Linie von Markt Indersdorf nach Altomünster und die Taktverdichtung der S 2 Altomünster werben. ÖDP-Kreisrat Georg Weigl sitzt als Mitglied der Gruppierung im Indersdorfer Gemeinderat. Die Um(welt)denker sahen sich dabei auch alle Busverbindungen aus den verschiedenen Ortsteilen zum S-Bahnhof in Markt Indersdorf an. Ergebnis: Bei mehr als der Hälfte der Verbindungen müssen die Fahrgäste länger als 15 Minuten auf die Ankunft der S-Bahn warten.

Als Beispiel führt Weigl den Bus der Linie 782 von Pipinsried über Wagenried, Arnzell, Eichhofen und Westerholzhausen nach Markt Indersdorf an. Der Bus kommt um 7.43 Uhr am Bahnhof an, die S-Bahn nach Dachau fährt um 8.08 Uhr ab - eine Umsteigezeit von 25 Minuten. Beim Bus der Linie 785 von Hirtlbach, der um 6.43 Uhr am Bahnhof ist, haben Fahrgäste dieselbe Wartezeit. "Wir gehen davon aus, dass dies keine Besonderheit im Bereich von Markt Indersdorf ist, sondern typisch für das komplette Busangebot im Landkreis, zumindest aber in einem Großteil der Landkreisgemeinden", schreibt Weigl in dem ÖDP-Antrag.

Deshalb fordert die Partei, das komplette Bussystem im öffentlichen Nahverkehr zu überarbeiten. Der neue Fahrplan sollte im Dezember 2015 - also bis zum Vorliegen des Nahverkehrskonzepts - eingeführt und mit einer großen Werbekampagne begleitet werden. Der ÖDP schweben folgende Ziele vor: eine Busanbindung zur S-Bahn oder zu einer überregionalen Buslinie von möglichst jedem Ort (ab hundert Einwohner), mindestens ein Stundentakt der Busse zu den Berufsverkehrszeiten, ein bestimmter Takt über den ganzen Tag hinweg und eine maximale Wartezeit auf die S-Bahn oder überregionale Busse von zehn Minuten.

Wenn jemand schon für die Fahrt zur S-Bahn-Station ein Auto braucht, ist es für ihn in vielen Fällen komfortabler, damit gleich bis zur Arbeitsstätte zu fahren, argumentiert die ÖDP. Wenn aber ein gutes flächendeckendes Zubringersystem das Auto ersetze und damit häufig einen Zweitwagen entbehrlich mache, locke das ÖPNV-Angebot zusätzliche Nutzer an. Die Ausgaben für eine Untersuchung können nach Ansicht der Partei mit den Kosten für den Bau neuer Straßen konkurrieren.

Das zuständige Sachgebiet im Landratsamt hat sich noch nicht eingehend mit dem Antrag befasst. "Der Fahrplan der Busse ist auch auf die Schulzeiten abgestimmt", erklärt Reichelt. Bei der Linienplanung müssten viele Faktoren berücksichtigt werden, etwa auch ein Puffer für Verspätungen. Man müsse alle Linien im Zusammenhang sehen. Das Landratsamt werde Anregungen in die Planung des Nahverkehrskonzepts aufnehmen. Reichelt: "Was machbar ist, wird umgesetzt."