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Dachau:Nächtliches Gesamtkunstwerk

Die Lange Nacht der Offenen Türen - Was ist neu, was hat sich geändert.

Mirijam Trunk

Wenn Karin-Renate Oschmann von der Langen Nacht der Offenen Türen erzählt, sprüht sie förmlich vor Begeisterung. Auch im fünften Jahr hat die Organisatorin und Vorsitzende des "Fördervereins Dachauer Wasserturm" ihre Leidenschaft für das Kunstfestival nicht verloren. Um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich Florian Malecki, Künstler, Musiker und Inhaber der Werbeagentur dégagée. "Ich bin der Motor und Florian sitzt am Steuer", erklärt die Vorsitzende des Fördervereins diese Zusammenarbeit.

Das Bild "Holzhäuser bei Sagorsk" von Maria Huber ist in der Ausstellung in der Volksbank-Raiffeisenbank zu sehen.

(Foto: npj)

Wie jedes Jahr findet die Lange Nacht der Offenen Türen am ersten Freitag nach Schulbeginn statt. Diesmal werden 29 Künstler dabei sein, fünf mehr als 2010. "Natürlich springen auch immer einige Künstler ab", sagt Oschmann, "zum Beispiel, weil sie irgendwo anders Verpflichtungen haben oder es sich gerade einfach nicht leisten können". Dennoch kamen einige neue Teilnehmer auch von sich aus auf die Veranstalter zu. "Mundpropaganda" zwischen den Künstlern sei, so Oschmann, der beste Weg, neue Künstler auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen.

So öffnet beispielsweise die Ruckteschellvilla am Freitag erstmals nach der aufwendigen Renovierung ihre Türen für Besucher. Wieder dabei ist die Künstlervereinigung Dachau (KVD) mit ihrer Galerie in der Dachauer Kulturschranne und einer zusätzlichen Ausstellung auf dem Schloss-Platz. Auf den Straßen und Plätzen außerhalb der Galerien singt und spielt das Libertheater unter dem Motto "Sei der König Deiner selbst".

Natürlich gibt es bei der Organisation einer Veranstaltung wie der Langen Nacht auch Probleme. So ist die Zusammenarbeit mit den Künstlern oft nicht ganz einfach. "Kommunikationsprobleme", so Florian Malecki, könnten die Organisation auch anstrengend machen. Der eine oder andere Künstler verpasse auch mal eine Frist oder vergesse sich zurückzumelden. "Dann schreibt man eine E-Mail, noch eine zweite, wenn dann auf die dritte immer noch keine Antwort kommt, hängt man sich eben ans Telefon." Zudem verstehen manche Künstler nicht, dass sie ihre Türen nicht vor Ende der Veranstaltung um Mitternacht schließen dürfen. "Vor allem für Fremde, die sich nicht auskennen, ist das fatal", sagt Malecki: "Die sehen dann nur geschlossene Türen, denken die Veranstaltung ist zu Ende - und gehen nach Hause."

Außerdem sind die teilnehmenden Künstler selbst dafür verantwortlich, was sie ausstellen und anbieten - auch finanziell. Da bringt es die Natur der Sache mit sich, dass finanziell gut aufgestellte und etablierte Künstler die kleinen und eher unbekannten übertrumpfen. Hier sieht auch Karin-Renate Oschmann ein Problem: "Zu viele Magnete stoßen sich ab", sagt sie, keine Vernissage dürfe die andere übertrumpfen. Dies sei zum einen notwendig, damit auch die kleineren Aussteller angemessen gewürdigt werden, zum anderen auch, um dem Besucher eine Vielfalt zu bieten.

Das oberste Ziel der nicht-kommerziellen Veranstaltung liegt darin, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Hierbei spielt vor allem die Kulisse der Altstadt eine große Rolle, meint Florian Malecki. Die Atmosphäre und die Optik der Dachauer Altstadt, ob beim Schloss oder an der Schranne, in Verbindung mit der vielfältigen Kunst begeistere die Besucher immer wieder.

Zum Abschluss der Veranstaltung um 23.30 Uhr erwartet die Besucher heuer ein besonderer, erstmaliger Höhepunkt: Eine Bilderschau in der Schranne. Auf einer großen Leinwand werden Bilder der Besucher, Künstler und Werke gezeigt, die den ganzen Abend über gemacht werden. Ein DJ unterlegt die Präsentation mit Musik.

Auf die Frage, wie viele Besucher die Lange Nacht der Offenen Türen normalerweise anziehe, weiß weder Karin-Renate Oschmann noch Florian Malecki eine Antwort. Sie seien selbst immer so beschäftigt, dass sie gar nicht dazu kämen, die Leute zu zählen, meint der Künstler, der in vergangenen Jahren selbst ausgestellt hat. "Viele", schätzt Renate Oschmann, "und in diesem Jahr noch mehr."

© SZ vom 15.09.2011

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