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Dachau:Musik für den Widerstand

Konzertabend in der Gedenkstätte erinnert an KZ-Häftlinge

Beim Konzertabend "Lieder von Verfolgten - ein Abend mit Liedgut aus der Zeit des Nationalsozialismus" an diesem Donnerstag, 9. Juli, um 19.30 Uhr wird in der Evangelische Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte auch das im KZ Dachau entstandene "Dachaulied" von Jura Soyfer und Herbert Zipper erklingen. Die beiden linksorientierten NS-Gegner stammten aus jüdischen Familien und wurden 1938 aus Wien nach Dachau verschleppt. Herbert Zipper berichtete, wie das Lied damals entstanden ist: "Jura Soyfer und ich mussten eine ganze Woche lang einen Lastwagen mit Zementstücken beladen ... Eines Tages ... sagte ich zu Jura, der an derselben Stange wie ich gezogen hat: Weißt Du, diese Aufschrift über dem Tor 'Arbeit macht frei' ist wirklich ein Hohn. Wir müssen unbedingt ein Widerstandslied machen, unseren Mitgefangenen ein bisschen Mut geben." Drei Tage später habe Jura Soyfer ihm den Text vorgetragen, denn aufschreiben konnte man ihn unter diesen Umständen natürlich nicht. Zipper lernte den Text auswendig und vertonte ihn.

Die SS verlegt die beiden Künstler wenig später ins KZ Buchenwald. Herbert Zipper wird 1939 entlassen und flieht über Paris auf die Philippinen. Jura Soyfer stirbt in Buchenwald im Alter von 26 Jahren an den mörderischen Haftbedingungen. Die von ihm in der letzten Liedstrophe ersehnte Befreiung erlebt er nicht mehr. Herbert Zipper stirbt in den USA 1997 wenige Tage vor seinem 93. Geburtstag.

Gestaltet wird der Konzertabend von den beiden Studenten Tassilo Rinecker(Gesang, Gitarre, Bass, Geige und Kazoo) sowie Jonas Höltig (Gesang, Gitarre, Bass und Cajon. Der Liederabend findet im Freien statt, so dass die aktuellen Hygieneregeln eingehalten werden können. Auch bei schlechtem Wetter wird in der Kirche und im Gesprächsraum genügend Platz sein. Der Eintritt ist frei. Der Zugang erfolgt über das Kloster Karmel.

© SZ vom 09.07.2020 / SZ

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