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Dachau/München:Rückenwind für MAN-Beschäftigte

Unternehmensspitze plant, in München und Dachau 3000 Stellen zu streichen. Ministerpräsidenten wollen Standorte halten

Von Christiane Bracht, Dachau/München

Während bei den 9200 Beschäftigten im Münchner Stammwerk der MAN Angst und Wut wachsen, ringen Betriebsrat und IG Metall heftig mit der Unternehmensspitze. 3000 Stellen sollen allein in München und Dachau gestrichen werden, so der Konzernbetriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris. Das würde vermutlich auch einige der 2200 Mitarbeiter treffen, die im Landkreis Dachau leben. Zudem will der Vorstand das hiesige Logistiklager ausgliedern. Gegen beides kämpft Stimoniaris vehement. Es könne nicht sein, dass die Belegschaft für Managementfehler bluten müsse, betont der Arbeitnehmervertreter immer wieder. Dass das Unternehmen umstrukturiert werden muss, um in Zukunft bestehen zu können, steht indes für alle Beteiligten außer Frage.

Inzwischen ist der geplante Stellenabbau und die dringend nötige Restrukturierung des Lastwagenherstellers längst zu einem Politikum geworden. Rückenwind spüren die Betriebsräte aus der Politik. Bereits vergangene Woche war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Nürnberg, um dem Unternehmen seine Unterstützung zuzusichern, denn er will, dass "Bayern führender Standort für Wasserstofftechnologie" wird. Auch seine Kollegen haben MAN-Werke besucht: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will sich für Wittlich einsetzen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) will den Prozess ebenfalls begleiten und sich für den Standort Salzgitter stark machen.

Doch es gibt auch Gegenwind: Der designierte Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, fordert Mehrarbeit ohne Lohnausgleich von den MANlern. Eine starre 35-Stunden-Woche passe nicht mehr in die Zeit. Ebenso sei es mit Spätzuschlägen und Weihnachtsgeld. Beides müsse jetzt auf den Prüfstand gestellt werden. "Konstruktives Handeln im Sinne der Menschen und unserer Industrie schaut anders aus", entgegnete Stimoniaris. Die Forderungen von Wolf bezeichnete er als "unsozial" und warf ihm vor, "die Auswirkungen von Corona und der Transformation unserer Industrie auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung auszumachen".

Die Transformation des Nutzfahrzeugherstellers sei jedoch umfassender. Es gelte, Lösungsansätze zu finden, die viel "mutiger und diverser" seien, so Stimoniaris. Die Menschen, die bei MAN arbeiteten, müssten darin integriert werden. Der Betriebsratsvorsitzende mahnte, die Lebensumstände der Beschäftigen ernst zu nehmen und ihnen eine Perspektive zu bieten. Es dürfe nicht die Angst der Menschen in der Krise genutzt werden "für eine einseitige Entlastung der Arbeitgeber".

"Träumen darf jeder. Das gilt auch für den zukünftigen Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall Stefan Wolf," so Saki Stimoniaris. Doch jetzt sei es an der Zeit aufzuwachen. Die Arbeitgeberseite drängt indes auf eine schnelles Verhandlungsende bis zum Jahresende.

© SZ vom 27.10.2020
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