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Tanzen:Mister Pole Dance aus Dachau

Pole Dancer

Pole Dance verbindet Kraft, Ästhetik und Rhythmik. Jürgen Rinelli aus Oberroth ist ein Meister dieses anspruchsvollen und akrobatischen Sports.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Jürgen Rinelli will seine Freundin überraschen, trainiert heimlich Tanzen an der Stange und ist jetzt Deutscher Meister - ohne Konkurrenz.

Ob Blumenstrauß, spontaner Kurz-Urlaub oder Candle-Light-Dinner: Um die Liebe am Laufen zu halten, gibt es viele Möglichkeiten. Für den Oberrother Jürgen Rinelli waren die genannten Aufmerksamkeiten aber zu nullachtfünfzehn. Der 46-Jährige wollte seine Partnerin mit einer Tanzeinlage an einer Stange überraschen. Heimlich fuhr er dafür dreimal pro Woche ins Pole-Dance-Studio von Janine Hollung in der Dachauer Brunngartenstraße. "Zum Geräteturnen", so erzählte er seiner Freundin. Nach nur sieben Monaten intensivem Training darf sich Rinelli nun Mister Pole Dance Germany 2016 nennen. Er erhielt den Titel bei einer nationalen Meisterschaft in Hamburg. Der klitzekleine Haken: Er war der einzige Mann, der dort antrat.

"Es war schon ein komisches Gefühl, zu wissen, dass man auf jeden Fall gewinnt", blickt Rinelli zurück. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft belegte er den zweiten Platz - "von zwei", fügt er laut lachend hinzu. Soll nicht heißen, dass der Mann nicht stolz auf sich ist. "Man muss sich das erst mal zutrauen. Ich habe nicht lange überlegt, sondern es einfach gemacht." Das überschaubare Teilnehmerfeld lässt erahnen, dass sein Sport bei Männern nicht sonderlich populär ist. Laut der Präsidentin des Deutschen Polesport-Verbands, Jeannine Wilkerling, liegt die Männerquote unter einem Prozent. Schuld daran sei ein Mangel an Aufklärung und Kursangeboten für Männer. Nicht zuletzt war Stangentanz lange mit Vorurteilen behaftet. Gerade Männer assoziierten damit knapp bekleidete Frauen, die sich mit hochhackigen Schuhen lasziv an einer Stange rekeln und dafür Dollarscheine zugesteckt bekommen. Szenen, wie sie sich in einem Striptease-Club abspielen.

Akrobatisch und anspruchsvoll

In Wahrheit aber ist Pole-Dance ein anspruchsvoller und akrobatischer Sport, der sich in Deutschland - zumindest bei Frauen - immer größerer Beliebtheit erfreut. So auch in Dachau. Janine Hollung hat dort im April 2013 ihr Pole Dance Studio eröffnet. Aus anfangs 14 Kursteilnehmern sind inzwischen 150 geworden, darunter zwei Männer. Ihnen widmen sich vier Trainerinnen. Es gibt sogar eine gut besuchte Kindergruppe. Bei den Meisterschaften in Hamburg erzielten die Dachauer Vertreter beachtliche Erfolge. Platz eins in der Kategorie Semi Professional belegte Verena Reindl aus Arnbach. Studiobetreiberin Hollung kam in der Kategorie Professional auf einen bemerkenswerten dritten Platz - bei immerhin acht Konkurrentinnen aus ganz Deutschland.

Hierzulande gilt Pole Dance immer noch als Frauensache. Trainerin Hollung schickt vorsichtshalber voraus: "Nein, der Jürgen ist nicht schwul". Rinellis Kollegen haben ihn anfangs belächelt und scherzhaft als "Stangenluder" tituliert. Inzwischen aber, darauf legt Rinelli wert, haben alle begriffen, wie viel Arbeit und sportlicher Ehrgeiz hinter seinem Sport steckt.

Am Donnerstagabend zeigt Rinelli sein Können. Er trägt eine kurze, eng anliegende Hose, sonst nichts. Kopf und Achseln hat er kahl rasiert, den Drei-Tage-Bart akkurat gestutzt. Rinelli hat definierte Muskeln, wie man so schön sagt. Er ist keiner dieser aufgeblasenen Bodybuilder, sein Bizeps und seine Bauchmuskeln zeichnen sich aber deutlich ab. Er ist ein Athlet, der offensichtlich viel an sich arbeitet. Als Autor eines Motivations- und Selbstfindungsbuches (Titel: "Alles ist möglich - glaube an Dich") ist er dafür prädestiniert.

Beim Pole Dance werden sämtliche Muskelgruppen beansprucht, man braucht Power. Trainerin Hollung sagt: "Männer tun sich teilweise leichter, weil sie mehr Kraft haben. Koordinativ aber sind sie etwas hölzerner - und sie folgen nicht so gut wie Frauen." Rinelli aber scheint einiges aufgeschnappt zu haben. Mit reiner Muskelkraft zieht er seinen Körper an der Stange hoch. Er geht in die Grätsche, schwingt sich um die eigene Achse. Danach hält er sich mit den Händen an der Stange fest und hievt seinen Körper horizontal nach oben. Einige Sekunden schwebt er in dieser Position, mit zitternden Muskeln. "Pole Dance verbindet Kraft, Ästhetik und Rhythmik. Es ist ein wunderbares Gefühl, seinen eigenen Körper zu stemmen und durch die Luft zu fliegen", sagt Rinelli. Spätestens jetzt sind alle Vorurteile widerlegt. Und Rinellis Überraschung ist gelungen. "Meine Freundin ist total begeistert, sie will jetzt auch damit anfangen." Bleibt die Hoffnung, dass er beim nächsten Wettkampf nicht mehr konkurrenzlos ist.

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Pool Dance

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