Unterwasser-Fotos:Pool Dance

Eine Stange, knapp bekleidete Damen, aufdringliche Erotik. Das ist das Stripclub-Klischee von Pole Dancing. Der australische Fotograf Brett Stanley schafft ein neues Bild - unter Wasser.

Von Johanna Bruckner

1 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Harte Elektrobeats, zwei Stangen, eine junge blonde Frau im schwarzen Bikini. Sie zieht sich an den Stangen empor, windet sich kunstvoll um sie, spielt mit der Schwerkraft, als wäre es ein Leichtes, sich kopfüber in der Vertikalen zu halten. Ihre Darbietung erinnert nur noch fern an das erotiklastige Stripclub-Klischee von Pole Dancing. Alleine schon, weil dieses Video von den "European Pole Sport Championships" in einer Turnhalle in Prag aufgenommen wurde. Der Stangentanz ist also eigentlich schon weg vom Schmuddelseximage, wird heute auch als Sportart betrieben, in der es um Athletik, Akrobatik und Eleganz geht. Dennoch bringen die Aufnahmen von Brett Stanley die Tänzerinnen noch einmal in eine ganz andere Sphäre - die der Schwerelosigkeit unter Wasser.

2 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Der gebürtige Australier, der heute in Los Angeles lebt, arbeitet als Werbefotograf. In Zusammenarbeit mit X-Pole, einem Hersteller von Pole-Dance-Stangen, entstand die Serie "Underwater Pole Fitness". "Ich war schon immer vom Wasser fasziniert", erzählt der 39-Jährige, "als ich aufgewachsen bin, habe ich vermutlich mehr Zeit in unserem Familien-Pool verbracht als außerhalb." Die Idee für das Pole-Dance-Projekt kam ihm aber nicht beim Schwimmen - sondern bei einer Flugschau. "Ich wollte sehen, was sich verändert, wenn wir den Akt unter die Oberfläche bringen. Würde er immer noch aussehen wie zuvor? Verändert sich die Art und Weise, wie er ausgeführt wird?"

3 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Die athletischen Tänzerinnen wirken unter Wasser zart, fast ätherisch. Stanley sagt, er habe zeigen wollen, wie elegant dieser Sport sei - "weit entfernt von der aufdringlichen Erotik eines Männerclubs".

4 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Auch hinter Bildern wie diesem steckt harte körperliche Arbeit - für den Fotografen und die Sportlerinnen. Brett Stanley taucht seit er 16 Jahre alt ist, er hat sich auf Unterwasser-Aufnahmen spezialisiert. "Ich benutze keine Sauerstofftanks, wenn ich mit den Tänzerinnen shoote. Ich halte meine Luft so lange an, wie es die Tänzerin kann." Mit seinen Modellen vereinbart er vor dem Abtauchen Zeichen, um sie unter Wasser dirigieren zu können. "Viele Leute denken, weil man treibt, seien die Posen einfacher. Aber in Wirklichkeit macht es das härter, weil es keine Schwerkraft gibt, um sie in Position zu drücken oder zu ziehen."

5 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Anfangs seien die Frauen skeptisch gewesen, ob das Projekt klappen könne. "Als die Tänzerinnen die Bilder gesehen haben, haben sie sie geliebt. Aber sie haben auch Dinge entdeckt, die sie auf der Stelle ändern würden: Zehen, die nicht voll gestreckt sind, ein Gesichtsausdruck, der nicht ganz entspannt ist."

6 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Auch der Fotograf musste sich erst auf das Element einstellen. Die größte Herausforderung, so erzählt er, war die Technik, die unter Wasser anders funktioniert. "Die physikalischen Gegebenheiten sind ganz anders." Über die Jahre hat sich Stanley eigenes Equipment gebaut, "das macht es einfacher".

7 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Das Ergebnis entschädigt für die Mühen: Das Spiel von Licht und Schatten, die gedimmten Farben verwandeln die Pole Dancerinnen in kleine Meerjungfrauen - trotz strassbesetzem BH und Tattoo unter der Brust.

8 / 8
(Foto: Brett Stanley)

Die Arbeit mit den Tänzerinnen hat Stanley inspiriert. In Zukunft würde er gerne mit den "Stars des Cirque du Soleil" zusammenarbeiten - natürlich unter Wasser. Und noch eine Sportart kann sich der Fotograf vorstellen: "Ich habe viel Feedback von Betrachtern bekommen, die sich Männer in der Serie wünschen, das werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen. Unterwasser-Fußball könnte interessant sein." Mehr Arbeiten von Brett Stanley gibt es auf seiner Webseite brettstanleyphoto.com zu sehen.

© SZ.de - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: