Dachau Der schnelle Weg zur Umgehung

Wenn sich die Stadt Dachau finanziell an der Ostumfahrung beteiligt, könnte die Nordostumfahrung bald Wirklichkeit werden.

Von Gregor Schiegl

Wer den neuesten Ausbauplan für Staatsstraßen in Bayern liest, könnte auf die Idee kommen, aus der Dachauer Nordost-Umfahrung werde so schnell nichts werden: Das 12,5 Kilometer lange Nordstück steht nach wie vor nur auf Dringlichkeitsstufe 2, was in der politischen Zeitrechnung den Sankt-Nimmerleins-Tag bedeutet. Vor 2025 wäre demnach an eine Realisierung nicht zu denken. Doch das Papier ist trügerisch: Die Umfahrung könnte nach Aussage des Dachauer CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath schon in wenigen Jahren in Angriff genommen werden. "Sofern der Dachauer Stadtrat das will."

Im Stau stehen die Autofahrer in der Mittermayerstraße täglich. Eine Umfahrung würde die Situation verbessern. Foto: Jørgensen

(Foto: DAH)

Denn der Stadtrat müsste beschließen, die rund 15 Millionen Euro teure Ostumfahrung (so die Kostenschätzung des Innenministeriums) in kommunaler Eigenbaulast zu finanzieren; 75 bis 80 Prozent der Kosten würde der Freistaat zuschießen - so sei es mit dem Innenministerium vereinbart. Für die Stadt wäre das zwar immer noch kostspielig, doch sie könnte weit vor dem anvisierten Jahr 2025 mit dem Bau loslegen. Und, das ist der eigentliche Clou: Die Ostumfahrung würde durch die kommunale Eigenleistung aus dem staatlichen Ausbauplan herausfallen, die immer noch auf Dringlichkeitsstufe 2 gesetzte Nordumfahrung würde nachrücken. So könnte auch die 12,5 Millionen Euro teure Nordumfahrung doch noch zeitnah gebaut werden. Für Seidenath ist dies sehr wichtig: "Beide Routen sind inhaltlich logisch verknüpft."

Nach seiner Einschätzung ist damit der Weg zur Nordostumfahrung aufgezeigt. "Wir haben hart gerungen." Nun gebe es "ein faires Angebot, mit dem wir alle gut leben können." Dass die Nordumfahrung entgegen anderslautender Ankündigungen des Innenministeriums im neu fortgeschriebenen Ausbauplan doch nicht hochgestuft wurde, ist für den Landtagsabgeordneten unerheblich. Entscheidend seien die mit dem Ministerium getroffenen Vereinbarungen, "und davon lesen Sie nichts im Ausbauplan".

Seidenath hegt nach eigenen Worten auch "keinen Zweifel" daran, dass der Minister Wort hält und die Zusagen erfüllt. Bei den Gesprächen habe es mehrere Zeugen gegeben. Wenn er die Finanzierung platzen ließe, würde Minister Joachim Herrmann nicht nur einen profilierten Landtagskollegen düpieren, sondern auch führende Dachauer CSU-Politiker vor den Kopf stoßen: Landrat Hansjörg Christmann, Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel. Außerdem den Hebertshausener Bürgermeister Michael Kreitmeir (FW), der ebenfalls beim Termin mit dem Minister dabei war.

Ob die Stadt Dachau diesen "Plan B" auch wie skizziert weiterverfolgt und umsetzt, muss sich zeigen. Dachaus Oberbügermeister Peter Bürgel (CSU) stand bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Nicht alle dürften sich über die Aussicht auf einen baldigen Baubeginn der Nordostumfahrung freuen. Naturschützer stemmen sich vor allem gegen die Ostumfahrung östlich des Gewerbegebiets in Richtung Hebertshausen. Sie würde durch ein geschütztes FFH-Gebiet führen, in der die seltene Libellenart Helmazurjungfer beheimatet ist. Die Gegner bezweifeln zudem, dass die Umfahrungsstraße eine nennenswerte Verkehrsentlastung bringt.