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MD-Gelände:Kritische Beziehung

Das Verhältnis zwischen Planern und OB wirkt zunehmend zerrüttet.

Nimmt man die Miene des Oberbürgermeisters zum Maßstab, ist es um die Entwicklung des MD-Geländes nicht gut bestellt. Soviel demonstratives Desinteresse im Gesicht von Florian Hartmann (SPD) hat man selten gesehen in einer Sitzung des Bauausschusses. Es mag ja auch tatsächlich spannendere Themen geben als den Verlauf des Mühlbachs. Doch um diesen ging es nur an der Oberfläche. Eigentlich ging es um die Frage: Wer lügt? Und wer hat geschlampt? Die Stadt oder die Architekten? Und darüber hinaus: Hat die Zusammenarbeit der international anerkannten Architekten Klaus und Verena Trojan, die den städtebaulichen Wettbewerb zum MD-Gelände gewonnen haben, mit der Stadt noch eine Zukunft?

Anlass für Verena Trojans Vortrag im Ausschuss war eine Diskussion um den Verlauf des Mühlbachs. Dieser soll laut einem Stadtratsbeschluss vom 7. Juli nördlich über die Bahnrandstraße geführt werden. In der Bürgerbeteiligung zuvor war jedoch auf Grundlage von Plänen diskutiert worden, in denen der Bach weiter südlich unter der Bahnrandstraße hindurch führt. Die Architekten sehen den Beschluss als grundlegende Änderung ihrer bisherigen Planungen an; Teilnehmer der Bürgerbeteiligung waren aufgebracht. Die CSU hatte daraufhin darum gebeten, die Architekten noch einmal persönlich zu hören. Schon in jener Stadtratssitzung vor der Sommerpause hatte Hartmann auf dieses Ansinnen höchst ungeduldig reagiert. Die Architekten weigerten sich schlicht, die Vorgaben der Stadt umzusetzen, sagte er.

SZ-Grafik

"Wir haben eineinhalb Jahre lang mit Herrn Sagmeister und Frau Jungwirth auf Basis der Südlösung geplant", erklärte Verena Trojan. Erst am 25. Mai, zweieinhalb Wochen vor Beginn der Bürgerbeteiligung, habe sie erfahren, dass die Stadt die Nordlösung bevorzuge. "Es gibt keinen einzigen Vermerk, dass allein die Nordlösung gewünscht wird", sagte sie. Bauamtsleiter Michael Simon berief sich auf mündliche Absprachen. CSU-Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky fand es "befremdlich, dass uns die Verwaltungsvoten nicht bekannt wurden", allerdings "haben wir das ja öfters."

Architektin Trojan hatte erklärt, die Südlösung sei auf Basis eines Abstimmungsprozesses mit 17 verschiedenen Trägern der öffentlichen Belange beschlossen worden, darunter dem Wasserwirtschaftsamt, dem Denkmalschutz, der Naturschutzbehörde sowie der Deutschen Bahn. Die Süd-Variante sei überhaupt erst erfunden worden, um die unterschiedlichen Auflagen der Behörden und Ämter zu erfüllen. Innerhalb der neun Sitzungen habe sich herausgestellt, dass die Südlösung in "ökologischer, landschaftsplanerischer und atmosphärischer Hinsicht" die bessere Variante sei, sagte Trojan. Auch die Landschaftsplaner Lohrer Hochrein seien beauftragt, auf dieser Grundlage zu arbeiten.

Hier steht Aussage gegen Aussage. Architekten gegen Stadt. Die Architekten handeln im Auftrag der Stadt, denn diese hat die Planungshoheit über das Gelände, die Kosten trägt die Dachau Entwicklungsgesellschaft DEG als Eigentümer. Während die CSU-Fraktion "ausgiebig intern diskutieren" und überlegen möchte, ob sie erneut eine Abstimmung über die Mühlbachführung beantragen wird, steht die SPD-Fraktion gemeinsam mit Grünen und Bündnis hinter dem Oberbürgermeister und damit hinter der Verwaltung. Lediglich Günter Heinritz (SPD) erklärte, wenn die Südlösung auch machbar sei, dann müsse man erneut abstimmen. Verena Trojan hatte anhand mehrerer Skizzen und gesammelter Fakten erläutert, welche Auswirkung der Verlauf des Mühlbachs haben wird und dabei Vor- und Nachteile beider Lösungen dargestellt. Oberbürgermeister Hartmann berief sich auf seine Expertise als studierter Maschinenbauer mit Schwerpunkt Energie- und Umwelttechnik und kommentierte einen Teil der Erläuterungen der 70-jährigen Architektin mit den Worten: "Das ist kompletter Quatsch."

Damit ist nicht nur eine starke Meinung, sondern auch ein Ton für die weitere Debatte vorgegeben. Die Stadträte stehen vor der Abwägung, wem sie trauen wollen.