Amtsgericht Dachau:Geldstrafe für übergriffigen Lehrer

Amtsgericht Dachau: Das Sitzungsgebäude am Amtsgericht Dachau.

Das Sitzungsgebäude am Amtsgericht Dachau.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Juni 2022 wankt ein stark betrunkener Lehrer ins Klassenzimmer. Dort verhält er sich sexuell übergriffig gegenüber einer Schülerin, schubst andere. Nun hat ihn das Amtsgericht Dachau verurteilt.

Von Jonas Junack, Dachau

Die Verhandlung im Sitzungssaal B des Dachauer Amtsgerichts dauert etwa zwei Stunden. Zwei Stunden, in denen sich der ehemalige Lehrer anhören muss, was er im Rausch vor eineinhalb Jahren getan hat. Lange schweigt er, hört zu, während die Richterin, eine ehemalige Kollegin und schließlich auch sein Schulleiter die Ereignisse des 18. Juni 2022 schildern. Wie er morgens taumelnd, stark betrunken, mit Alkoholfahne im Klassenzimmer einer Schule im Landkreis Dachau sitzt. Eine Schülerin filmt, ihr auf den Hintern haut, zwei weitere Schüler körperlich angeht. Während er diese Schulstunde noch einmal durchlebt, schüttelt er immer wieder den Kopf. Oft schließt er die Augen. Nicht wie einer, der bestreitet, was geschehen ist, sondern wie einer, der nicht glauben kann, was er getan hat. Doch Zweifel gibt es daran keine.

Das räumt auch der Angeklagte selbst ein. Zu Beginn der Verhandlung bietet die Richterin ihm an, das Strafmaß deutlich zu mildern, sollte er gestehen. Denn vorgeladen zu werden, damit sie noch einmal erzählen, was sie auch der Polizei schon geschildert haben, das möchte die Richterin den drei mittlerweile zwölfjährigen Schülerinnen und Schülern gern ersparen. Der Angeklagte willigt ein. Sein Verteidiger verliest das Geständnis. Der Alkohol, die körperlichen Übergriffigkeiten gegenüber seinen Schülern und Schülerinnen, all das habe er getan. Doch damit bleibt ihm dieser Verhandlungstag nicht erspart.

Stichtag 18. Juni, erste Schulstunde

Eine kleine, blonde Frau betritt den Raum und nimmt Platz auf dem Stuhl für Zeuginnen und Zeugen. Sie sei ebenfalls Lehrerin, sagt sie mit fester Stimme. Am 18. Juni 2022 sei sie es gewesen, die die Klasse unterrichtet hatte, in den Stunden nach den Taten des Lehrers. "Aufgeregt" seien die Schülerinnen und Schüler gewesen. "Es ist nur so aus ihnen herausgesprudelt", nachdem sie die Klasse betreten habe, sagt sie. Die Schilderungen der Kinder decken sich mit dem, was auch die Anklageschrift festhält.

Anschließend erscheint der Schuldirektor, ein aufgeräumter Mann. Er sei umgehend informiert worden, sagt er. Anschließend habe er den Lehrer zu einem Gespräch in ein Nebenzimmer geordert. Auch ihm sei der Rauschzustand des Lehrers sofort aufgefallen, weswegen er ihm die Autoschlüssel abgenommen und ihn mit einem Taxi nach Hause geschickt habe. Ab da habe damals die Polizei übernommen.

"Oh mein Gott, was ist passiert?"

Von den zuständigen Polizeibeamten stammen auch die Protokolle mit den Aussagen der Kinder, die die Richterin nun verliest. Sie sind lang und teilweise im Wortlaut verfasst, man kann den Schock heraushören. "Oh mein Gott, was ist passiert?", zitiert sie eine der Schülerinnen. Energisch schüttelt der Angeklagte den Kopf, wenn die jugendlichen Schilderungen seiner Taten ins Detail gehen. Sie habe sich ein Bild machen können, sagt die Richterin. Doch vor der Verkündung des Urteils bekommt noch einmal der Angeklagte das Wort. Das erste Mal an diesem Verhandlungstag kommt der Mann ins Sprechen.

Er leide schon lange unter Depressionen, sei alkoholkrank, sagt er. Davon zeugen auch zwei vergangene Anzeigen wegen Trunkenheit am Steuer. Doch er sei in Behandlung und abstinent. Mehrere Klinikaufenthalte habe er hinter sich und eine Selbsthilfegruppe gegründet, der er selbst vorstehe. Heute ist er, mit einer geringen Stundenanzahl und an anderer Stelle, wieder als Lehrer tätig. Was am 18. Juni 2022 geschah, tue ihm für die Schülerinnen und Schüler leid, sagt er. Dass seine Tat mit einem sexuellen Hintergedanken geschehen sei, streitet er ab.

Diese Punkte finden Eingang in die Entscheidung der Richterin: 6000 Euro Strafe verhängt sie. Ein Berufsverbot spricht sie nicht aus. Es spreche mehr für einen Einzelfall als für notorische Übergriffigkeit.

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