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CSU Dachau:Ursachenforschung

Christian Stangl tritt als CSU-Fraktionsvorsitzender im Dachauer Stadtrat zurück und nennt als Grund den Führungsstil des Kreisvorsitzenden Bernhard Seidenath. Der weist die Vorwürfe zurück.

Christian Stangl (li.) wirft nach acht Jahren den Fraktionsvorsitz hin. Dominik Härtl ist sein Nachfolger

(Foto: joergensen.com)

Nach dem Wahldebakel rumort es in der CSU: Der Dachauer Stadtrat Christian Stangl hat seinen Rückzug vom Fraktionsvorsitz bekanntgegeben. Damit reagiert Stangl, wie er sagt, auf eine innerparteiliche Entwicklung, die er nicht mittragen möchte: "Die offene und ehrliche Art bleibt zurück." Unter anderem bezieht Stangl das auf den Führungsstil des Kreisvorsitzenden Bernhard Seidenath und dessen Rolle bei der Nominierung des CSU- Landratskandidaten Stefan Löwl im Herbst 2012. Der Rechtsanwalt Christian Stangl war acht Jahre lang Fraktionssprecher und wurde mit dem zweitbesten Ergebnis seiner Partei (7567 Stimmen) wieder in den Stadtrat gewählt. Aber den Rücktritt hat Stangl schon lange vor der Kommunalwahl erwogen.

Stangl hat, wie er sagt, lange geschwiegen, weil er den Landratskandidaten seiner Partei nicht beschädigen wollte. "Stefan Löwl kann nichts dafür." Die Wahl der Partei wäre vielleicht auf ihn gefallen. Aber es geht Stangl um die Art und Weise der Kandidatenfindung. Bekanntlich waren mehrere Parteimitglieder im Gespräch: Kreisrat Josef Kaspar, der Dachauer Stadtrat Florian Schiller oder Ulrich Böger, ehemals Regierungsvizepräsident von Oberbayern. Aber die eigenen Leute sind nach Ansicht Stangls nicht intensiv genug gefragt worden. Bernhard Seidenath setzte dagegen im Alleingang, wie schon andere Parteimitglieder monierten, seinen Überraschungskandidaten Stefan Löwl durch, der nicht aus dem Landkreis stammt. Löwl wurde vom SPD-Kontrahenten Martin Güll in die Stichwahl gezwungen und gewann knapp mit einem Vorsprung von 127 Stimmen. Er, so Stangl, sei vielfach im Vorfeld der Wahlen angesprochen worden, ob denn in der CSU keiner für eine Kandidatur zu gebrauchen sei. "Nach außen haben wir ein Armutszeugnis abgegeben." Aber schwerer wiegt für den Stadtrat, der seit mehr als 20 Jahren in der Jungen Union und in der CSU Mitglied ist, der Stil in der Partei. "Ich vermisse Offenheit und Transparenz." Der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath weist die Vorwürfe Stangls zurück. "Es ist ihm unbenommen, das zu meinen. Ich sehe es anders." Löwl habe sich in allen Ortsverbänden vorgestellt und sei schließlich mit 144 von 146 Stimmen als Kandidat aufgestellt worden. "Das war ein sehr transparentes Verfahren", sagt Seidenath. Er habe, so der Kreisvorsitzende, im Übrigen keine einzige kritische Äußerung gehört, auch nicht von Christian Stangl. Dem widerspricht Stangl: Anfang 2013 habe er in einem zweistündigen Gespräch Seidenath seine Kritik erläutert. Seidenath meint, dass er jetzt lieber nach vorne blicke.

Der Kreisvorsitzende beglückwünscht Dominik Härtl zur Übernahme des Fraktionsvorsitzes im Dachauer Stadtrat. Er, so Seidenath, schätze ihn sehr und biete ihm jede Unterstützung an. "Das war eine sehr gute Entscheidung." Härtl will sich im einzelnen zu den Vorwürfen Stangls nicht äußern. Er sei da zu wenig eingebunden gewesen, habe persönlich auch keine Erfahrungen damit. Stangls Rückzug zeige aber durchaus, dass es in der CSU Gesprächsbedarf gebe. Härtl will in der Fraktionsarbeit, wie er sagt, mit großer Offenheit agieren. Gespräche müssten mit offenem Visier geführt werden. "Rumzutelefonieren ist nicht meine Art." Da lasse sich, so Härtl, an der innerparteilichen Gesprächskultur sicherlich noch einiges verbessern.

Wenige Tage zuvor hatte schon die Dachauer JU-Vorsitzende Julia Grote ein Positionspapier ihrer Vereinigung herausgegeben und zu einem Umdenken aufgerufen: "Jeder, der in der Dachauer CSU aktiv ist, muss sich einem fairen Miteinander verschreiben. Dazu gehört die Bereitschaft, sowohl Kritik an anderen im direkten Gespräch zu äußern als auch selbst Kritik anzunehmen. Ein offener und ehrlicher Umgang ist unbedingte Voraussetzung, um eine schlagkräftige Truppe zu bilden." Beispiele wollte Julia Grote im Gespräch mit der SZ nicht nennen. "Ich bin erst seit einem Jahr JU-Ortsvorsitzende." Die Junge Union störe sich an gewissen "Ablaufformen" in der demokratischen Struktur der Partei, sagte Grote. In Konflikte habe sie aber gar keinen umfassenden Einblick. "Das ist doch schon der Beweis für fehlende Transparenz." Seidenath begrüßt, wie er sagte, das Papier der JU. "Es steht nichts drin, was nicht schon gemacht wurde." Generell ziehe er es aber vor, solche Diskussionen intern zu führen.

Am Mittwochabend traf sich der CSU-Ortsverband zu einer Wahlanalyse. Oberbürgermeister Peter Bürgel wurde in der Stichwahl überraschend vom SPD-Herausforderer Florian Hartmann geschlagen. Ob es personelle Konsequenzen geben wird, ließ Härtl offen. Er und Stangl machten aber deutlich, dass niemand die Schuld an der Wahlniederlage dem Ortsvorsitzenden Peter Strauch zuschieben wolle. Dafür sind wir alle verantwortlich, sagte Stangl.