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Bürgerbeteiligung:Herzstück mit Zukunft

Das Areal der Schlossbrauerei Haimhausen könnte zu einer neuen Ortsmitte werden. Das sind zumindest die Pläne der neuen Besitzer. Was wirklich mit dem traditionsreichen Gelände geschehen soll, sollen die Bürger entscheiden

Von Horst Kramer, Haimhausen

Als Stefan Höglmaier, Geschäftsführer des Münchner Projektentwicklers Euroboden, in der Sitzung des Gemeinderates seinen Vortrag über die Zukunft der Haimhausener Schlossbrauerei beendet hatte, brandete Beifall auf. Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU) meinte gar: "Nach fünf Jahren harter nicht-öffentlicher Arbeit habe ich heute das erste Mal das Gefühl: Jetzt geht es richtig los."

Das Münchner Unternehmen Euroboden hat im vergangenen Jahr das Areal der traditionsreichen Haimhausener Schlossbrauerei erworben. Die rund vierhundert Jahre alte Brauerei stellte vor 13 Monaten endgültig den Betrieb ein. Seitdem gibt es im Ort Spekulationen über die Käufer und ihre Pläne. Das Gelände umfasst circa 27 000 Quadratmeter und verfügt über einen alten Baumbestand. Das Sudhaus der Brauerei steht unter Denkmalschutz. Jetzt stellten die neuen Besitzer ihre groben Pläne vor. Höglmaier sprach immer wieder davon, dass auf dem Brauereigelände eine "neue Ortsmitte" entstehen könne. Er betonte, man wolle erst einmal zuhören und herausfinden, was die Einwohner Haimhausens eigentlich von dem Areal erwarten. "Wir als von außen Kommende maßen uns nicht an, Ihnen zu sagen, was das Beste für Ihren Ort ist." Die Bürgerbeteiligungsverfahren seien für seine Firma entscheidend, sagte er.

Der aus Markt Schwaben stammende 45-Jährige erzählte, er sei am Wochenende in Haimhausen spazieren gegangen und haben sich dabei gefragt, wo die Menschen eigentlich hingingen, um einmal gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Das Sudhaus könnte "Herzstück" und "Erlebnisort" des Areals werden, etwa mit einem Café als Treffpunkt. Es seien auch Ateliers oder Co-Working-Räumlichkeiten denkbar - das hänge vom Bedarf der Bevölkerung ab, die Planungshoheit liege komplett bei der Gemeinde, so der Euroboden-Chef.

Schloßbrauerei

Die Schlossbrauerei Haimhausen hat vor mehr als einem Jahr ihren Betrieb eingestellt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bürgermeister Felbermeier kündigte ein Bürgerbeteiligungsverfahren wie jüngst beim Amperberg an: Der Fragebogen, den die Gemeinde gemeinsam mit Euroboden entwerfen will, soll in der März-Ausgabe des Gemeindeblatts erscheinen. Die Auswertung kann dann im zweiten Quartal erfolgen. Von Höglmaier wollte Felbermeier in der Sitzung wissen, wann das Bauvorhaben fertig sein werde. Der Euroboden-Chef antwortete vorsichtig: "Unter optimalen Bedingungen wäre eine Fertigstellung im Laufe des Jahres 2024 denkbar." Höglmaier fügte hinzu: "Wir lassen das Grundstück nicht liegen. Wir wollen es unbedingt entwickeln, der Ort interessiert uns."

Grundsätzlich sieht das Geschäftsmodell des Unternehmens so aus: Die denkmalgeschützten Gebäude eines Projekts bleiben oft in der Hand der Münchner und werden vermietet, Wohnungen hingegen werden verkauft. Höglmaier sagte: "Wir machen keine Projekte von der Stange." Die Wohngebäude seiner Firma würden "nie so aussehen, wie es überall aussieht." Michael Kuffner (Bürgerstimme) wollte in der Diskussionsrunde Konkretes hören: "Sie können ja auch rechnen. Ihr müsst ja kalkuliert haben, was Ihr für Einnahmen braucht, damit sich Eure Investition lohnt? Zum Beispiel fünfzig Wohneinheiten?" Höglmaier verneinte, dass es derartige Überlegungen zum jetzigen Zeitpunkt gäbe und meinte stattdessen: "Wir hätten das Objekt nicht gekauft, wenn wir von dem Standort nicht überzeugt wären."

Schloßbrauerei

Das Gelände umfasst circa 27 000 Quadratmeter und verfügt über einen alten Baumbestand.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Höglmaier skizzierte den Gemeinderäte die Bauphilosophie von Euroboden: "Wir gehen an jedes Projekt architektonisch heran." Jedes der Euroboden-Bauvorhaben sei ein "ästhetisches Unikat", da jeder Standort "seine eigene Geschichte" habe - das gelte für Haimhausen im besonderen Maße. Höglmaier präsentierte einige Projekte, welche die von ihm propagierte "Architekturkultur" untermauerten und bei denen manche Gremiumsmitglieder regelrecht ins Schwärmen kamen. Etwa beim "Neuen Derzbachhof" im Münchner Süden, der älteste Bauernhof der Landeshauptstadt, oder beim "Hochbunker" in der Ungererstraße 158 in Schwabing sowie bei einem Gebäude in der Erhardtstraße 10, unweit des Deutschen Museums. Bei allen Projekten ging es laut Höglmaier um "einen Dialog" zwischen Altem und Neuen, zwischen Innovation und Tradition.

Euroboden konnte namhafte Architekten für diese Vorhaben gewinnen, etwa den Berliner Thomas Kröger für den Ungerer-Turm oder den Münchner Peter Haimerl für den Derzbachhof. Euroboden ist in der Bauszene seit mittlerweile zwanzig Jahren bestens bekannt und verfügt über einen sehr guten Ruf als ambitionierter Bauherr. Sogar der Architekturstar David Chipperfield hat schon Bauten für die Münchner entworfen. Ende November erläuterte Höglmaier das Derzbachhof-Projekt einem großen Interview mit der SZ. Dort vermietet die Firma Wohnungen mit der Richtlinie: "Wer sich einbringt, zahlt weniger."

© SZ vom 19.01.2021
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