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Brauchtum im Landkreis:Symbol des Lichts

Die Burschenvereine im Landkreis pflegen die Tradition des Osterfeuers. Die Holzhaufen, wie hier auf einem Hügel bei Kreuzholzhausen, sollten außerhalb geschlossener Ortschaften errichtet werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag lodern im gesamten Landkreis wieder viele Osterfeuer. In den großen Holzhaufen quartieren sich häufig Tiere ein - sie sollten nicht schon Tage vorher aufgetürmt werden

Das Holz knackst leise, lodernd lecken die Flammen an den großen Holzhaufen, die für diesen Anlass im ganzen Landkreis aufgeschichtet wurden. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag richten viele Vereine wieder Osterfeuer aus. Aber auch einige Privatpersonen laden zu diesem alten Brauchtum ein. Aus vorchristlichen Traditionen heraus hat sich der Brauch des Osterfeuers, auch Judasfeuer genannt, über Jahrhunderte im Christentum verankert.

Die großen Holzhaufen sind aber auch ein willkommener Unterschlupf für viele kleinere Tiere. Igel übernachten in den aufgeschichteten Zweigen. Vögel beginnen, ihre Nester dort zu bauen. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) warnt deshalb davor, die Feuer unbedacht zu entfachen. Besser sollten die Schutthaufen zuvor vorsichtig umgeschichtet werden. So wird gewährleistet, dass sich keine Tiere mehr in den Haufen befinden. Einige Gemeinden raten dazu, das Reisig erst kurz vor dem Abbrennen anzuhäufen, da Igel und andere kleine Tiere so nicht dazu verleitet werden, sich in den Haufen einzuquartieren.

Auch bei der Auswahl des Brennmaterials gibt es natürlich einiges zu beachten. So dürfen nur naturbelassene Hölzer für die Osterfeuer verwendet werden. Zwar dürfen auch Paletten und Verpackungen aus Holz verbrannt werden, Voraussetzung ist jedoch auch hier, dass sie unbehandelt sind. Wer sich schon fleißig der Gartenarbeit gewidmet und die eigenen Bäume und Sträucher gekürzt hat, der darf sich freuen: Auch Baum- und Schnittgut ist für die großen Feuer geeignet, allerdings nur in geringen Mengen. Beim Judasfeuer des Burschenvereins Hebertshausen hat jeder die Möglichkeit, sein Schnittgut bis 15 Uhr abzugeben. Abfälle jeglicher Art und gestrichenes, lackiertes oder imprägniertes Holz dürfen nicht verbrannt werden. Auch flüssige Brennstoffe dürfen keinesfalls zum Anzünden verwendet werden.

Fast im gesamten Landkreis brennen am Samstagabend bei Einbruch der Dämmerung die Judasfeuer. "Feuer ist ein Zeichen der Veränderung, des Wandels. Natürlich ist nun der Übergang vom Winter zum Frühling", sagt die Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter. Gleichzeitig sei das Feuer aber auch ein Symbol des Lichts. "Jesus Christus ist im Christentum das Licht." Bei Osterfeuern müsse man ein wenig unterscheiden. Zunächst sei es Bestandteil der Liturgie. Die entzündete Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen. Mit der Zeit habe sich die Ausrichtung des Osterfeuers verändert. Sie wurden nach draußen verlagert. Traditionell sammeln dann die Burschenvereine das Holz, schichten es ein wenig außerhalb der Ortschaft auf und überwachen die großen Haufen, erklärt sie.

In der Stadt Dachau organisiert der Burschenverein in der Nähe der Ziegelei das große Feuer. Auch in Röhrmoos, Arnbach und Odelzhausen richten die Burschenvereine die Osterfeuer aus. In der Gemeinde Vierkirchen gibt es gleich mehrere Veranstaltungen: Neben dem Burschenverein Pasenbach errichten auch der Sportclub in der Nähe des Sportheims und eine Privatperson große Brauchtumsfeuer. In Weichs, Petershausen und Markt Indersdorf gibt es etwas außerhalb der Gemeinden ebenfalls Osterfeuer. Die Burschenvereine Eisenhofen und Unterweikertshofen veranstalten auch Judasfeuer; genauso wie Großberghofen, Kleinberghofen und Welshofen. Der Burschenverein Sulzemoos lädt ebenfalls zu seinem großen Brauchtumsfeuer ein. Auch die Feuerwehren sind an den Veranstaltungen beteiligt; die Freiwillige Feuerwehr Ebertshausen veranstaltet sogar ihr eigenes Osterfeuer. Es wird bei allen Judasfeuern darum gebeten, die Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsdienste freizuhalten.

© SZ vom 29.03.2018

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