Haimhausen:"Würdet ihr regieren, wäre die Welt ein besserer Ort"

Lesezeit: 2 min

Haimhausen: Die "Weltspiegel"-Moderatorin und Korrespondentin Natalie Amiri zu Gast in der Bavarian International School in Haimhausen.

Die "Weltspiegel"-Moderatorin und Korrespondentin Natalie Amiri zu Gast in der Bavarian International School in Haimhausen.

(Foto: Niels. P. Jørgensen)

Die Auslandskorrespondentin Natalie Amiri diskutiert mit Haimhauser Schülern über Afghanistan.

Von Shafia Khawaja, Haimhausen

Das Auditorium der Bavarian International School (BIS) in Haimhausen füllt sich. Natalie Amiri spricht mit der siebten Klassenstufe über die Lage in Afghanistan. Als Journalistin und Auslandskorrespondentin hat sie bereits aus Syrien, Iran, Afganistan und der Türkei berichtet. Seit 2014 moderiert sie den "ARD-Weltspiegel" und das TV-Magazin "Euroblick". Nun steht sie auf dem Podium und schaut in gespannte Gesichter: "Wenn ihr an Afghanistan denkt, was fällt euch dann als Erstes ein?" Sie spricht Englisch, die BIS ist schließlich international. Die Schülerinnen und Schüler murmeln "Bürgerkrieg", "Taliban" und "Menschenrechte".

Im Schulunterricht haben die Kinder bereits das Buch "The Breadwinner" von Deborah Ellis gelesen. Darin geht es um das elfjährige Mädchen Parvana, das sich den Taliban widersetzen muss, um Brot für die Familie zu verdienen. "Mir ist es wichtig, dass die Kinder ein besseres Verständnis für die Lage bekommen. Es ist keine Fiktion, sondern Realität", betont die Englischlehrerin Natasha Jones.

Amiri möchte positive Geschichten erzählen

Das möchte Natalie Amiri auch mit ihrem Gastvortrag erreichen: "Die Menschen wollen nicht nur Geflüchtete oder Immigranten sein." Amiri wollte deshalb positive Geschichten über Afghanistan erzählen. In Venedig habe sie Hamed Ahmadi getroffen, der als afghanischer Geflüchteter in Italien drei Restaurants eröffnet hat. Amiri wollte mit ihm eigentlich über Rezepte sprechen, erzählt sie in Haimhausen. Doch als zwei Tage darauf die Taliban die Macht in Afghanistan übernahmen, sei es vor allem um Ahmadis Schwester Sahar gegangen, die noch in Afghanistan war. Natalie Amiri zeigt einen kurzen Film über Sahars Flucht.

Ende November ist Amiri erneut nach Afghanistan gereist: "Wenn ich eine Mission habe, dann ziehe ich das durch." Ihren Eltern habe sie gesagt, dass sie in einem "Detox Spa" in Italien sei und deshalb nicht an ihr Handy gehen könne. Während ihrer Recherche hat sie mit ihrem Mobiltelefon gefilmt. Natalie Amiri zeigt einen Clip aus ihrem Videotagebuch "Afghan Diary": Bärtige Männern mit Kalaschnikows sind zu sehen - eine Drehgenehmigung hatte sie zuvor von den Taliban eingeholt.

"Was würdet ihr tun, wenn ihr in der Politik wärt?", fragt Amiri. Ein paar Finger schnellen in die Luft, die Kinder haben klare Antworten: Sie würden mit den Taliban reden und ihnen sagen, dass die Menschen verhungern. "Wenn ihr die Welt regieren würdet, wäre die Welt wahrscheinlich ein besserer Ort", meint Amiri schmunzelnd. Sie ermutigt die Kinder im Anschluss, auf die Bühne zu kommen und ihre Ideen mitzuteilen: "Ich werde das dann in meiner Instagram-Story posten. Vielleicht hören ein paar Politiker und Politikerinnen ja eure Ideen."

"Viele afghanische Frauen haben das Gefühl, man habe sie vergessen"

Im Anschluss ist Zeit für eine Fragerunde. Mindestens zwanzig Kinder melden sich, das Mikrofon wird durch die Stuhlreihen gereicht: "Ich habe gehört, die Menschen graben Knochen aus und verkaufen die dann, stimmt das?", "Was ist das Ziel der Taliban? Ich verstehe nicht, warum sie die Frauen wegsperren" und "Was können wir in Deutschland tun, um etwas gegen die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan zu erreichen?". Amiri appelliert an die Schülerinnen und Schüler, afghanischen Frauen und Aktivistinnen auf den sozialen Medien zu folgen: "Jede Stimme ist wichtig und ermutigend. Viele afghanische Frauen haben das Gefühl, man habe sie vergessen", betont Amiri.

Nach dem Vortrag ertönt tosender Applaus. Auch die Englischlehrerin Natasha Jones ist begeistert: "Die Kinder waren so engagiert und interessiert." Zehn bis zwölf von ihnen gehen vor zur Bühne, um ihre Meinung zur aktuellen Lage für das Social-Media-Video kundzutun.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB