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Amtsgericht Dachau:Eine Mutter rastet aus

Amtsgericht Dachau verurteilt 30-Jährige zu Geldstrafe, weil sie einen Busfahrer attackierte und ihm das Gesicht zerkratzte.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Da ist zunächst eine Mutter, die aus Sorge um ihre Kinder überreagiert. Und dort ein Busfahrer, der unter Druck steht, seinen Zeitplan einzuhalten und die Fahrgäste zu schützen. Beide geraten aneinander, zuerst verbal, dann körperlich. Sie springt ihm an die Gurgel, zerkratzt ihm das Gesicht und zerreißt ihm das Hemd. Er beißt ihr in den Finger. Ein Fahrgast ruft die Polizei.

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Ein 18-Jähriger gerät in kriminelle Kreise und wird selbst straffällig.

(Foto: dpa)

Folgendes geschah im Sommer dieses Jahres an der Bushaltestelle Fraunhoferstraße in Dachau. Die 30-jährige Mutter steigt mit Kinderwagen und achtjährigem Sohn in den Bus. Die siebenjährige Tochter fährt noch mit dem Roller draußen herum, was der 60-jährige Busfahrer nicht sieht. Er schließt die hintere Tür. Während er vorne noch Fahrkarten verkauft, brüllt ihn die Mutter quer durch den Bus an, die Türe wieder zu öffnen. Die Mutter gerät in Rage, die Situation eskaliert. Der Busfahrer bittet die empörte Frau, gefälligst den Bus zu verlassen. Weil diese bleibt, schnappt er sich kurzerhand den Kinderwagen und schiebt ihn hinaus. Zu viel für die Frau. Sie geht auf ihn los.

Am Montag sitzen die beide Streithähne auf der Anklagebank im Amtsgericht Dachau. Beide müssen sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Beide erscheinen mit Verteidiger. Die Mutter schweigt. Der Busfahrer holt aus und berichtet von häufigen Vorfällen mit aggressiven Fahrgästen. Deswegen würden Kollegen und er regelmäßig zu Deeskalationskursen geschickt. Der Staatsanwalt lacht höhnisch und fragt, was er dabei gelernt habe, und ob man das Kinderwagenhinausschieben als "Strategie der Ablenkung" sehen solle.

Die Zeugen sprechen für den Busfahrer. Mehrmals habe der 60-Jährige die aufgebrachte Mutter zu beruhigen versucht. Weil er damit erfolglos geblieben sei, habe er sie höflich gebeten, den Bus zu verlassen. Attackiert habe dann die Frau - auch da sind sich alle Zeugen einig. Die Streithähne hätten sich gegenseitig festgehalten, der Mann habe die Frau mit dem Fuß getreten, sagt noch ein Zeugin: "Er hat sich gewehrt." Der Staatsanwalt spricht von einem trivialen Vorfall. Trotzdem möchte er beide Angeklagte bestrafen, die "offensichtlich hysterische" Mutter mit 60 Tagessätzen zu 15 Euro, den Busfahrer, der "gegen den gesunden Menschenverstand" gehandelt habe, mit 40 Tagessätzen zu 60 Euro. Beide hatten leichte Verletzungen davongetragen. Die Verteidiger fordern Freispruch.

Doch den gewährt die Vorsitzende Richterin Petra Nolte nur dem Busfahrer, der sich ihrer Ansicht nach gegen die Angriffe der Mutter verteidigt hatte. Die 30-jährige Frau, bereits dreifach vorbestraft, verurteilt Nolte zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu zehn Euro. Für die Angeklagte spreche einzig die Sorge um die Tochter, die draußen allein Roller fuhr.