Altenmarkt/Tandern:"Hauptsache der Bub lebt"

Josef Ostermair

"Wäre ich nicht so sportlich, hätte ich den Jungen nicht retten können", sagt der Tanderner Josef Ostermair.

(Foto: oh)

Josef Ostermair aus Tandern rettet einen Siebenjährigen vor dem Ertrinken. Am Mittwoch wird er dafür ausgezeichnet.

Von Benjamin Emonts, Altenmarkt/Tandern

Es war ein Ferientag im August und "das Wetter war super", so erinnert sich Josef Ostermair. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen war der Tanderner zu Besuch bei seinem Zwillingsbruder Michael in der Nähe von Altötting. Nach einem kurzen Spaziergang stiegen sie gemeinsam in die Alz, einen Abfluss des Chiemsees, in dem sie sich flussabwärts treiben ließen. Kurz vor einem Wehr hörten sie dann verzweifelte Schreie. Ein siebenjähriger Junge mit Surfbrett wurde vom Wasserstrudel an der Schleuse minutenlang nach unten gedrückt und drohte zu ertrinken. Josef Ostermair befreite ihn. Von drei weiteren Helfern, darunter Zwillingsbruder Michael, wurde der Bub reanimiert - und überlebte.

Am kommenden Mittwoch erhalten die vier Lebensretter und damit auch der Tanderner Josef Ostermair im Münchner Maximilianeum eine Urkunde von der oberbayerischen Regierungspräsidentin Brigitta Brunner - als "Öffentliche Anerkennung für eine Rettungstat", so heißt es offiziell. Josef Ostermair wird im Maximilianeum das erste Mal wieder auf den Jungen treffen, dessen Leben er gerettet hat. Von der Mutter des mittlerweile Achtjährigen bekommt der 41-Jährige hin und wieder Nachrichten auf seinem Smartphone. Vor einigen Wochen schrieb die Frau, dass die Familie Davids "zweiten" Geburtstag gefeiert habe. "Sie hat mir gesagt, dass es dem Jungen gut geht", erzählt Ostermair.

"Ich wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein muss"

Es ging um jede Sekunde an jenem heißen Augusttag vergangenen Jahres. Ostermair hörte eine Frau um Hilfe schreien. "Ich wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein muss", erinnert er sich. Obwohl ein Schild auf die Lebensgefahr für Badende im Bereich der Schleuse hinweist, schwamm Ostermair darauf zu und erklomm die etwa ein Meter hohe Sperrplatte des Wehrs. Er sah unter Wasser den Jungen, der sich nicht aus dem Strudel befreien konnte. Normalerweise hätte es den Siebenjährigen durch das Wehr hindurchgespült und er wäre auf der anderen Seite wieder aufgetaucht. Das Surfbrett, das der Junge an seinem Handgelenkt mit einer Schnur befestigt hatte, stellte sich aber auf und drückte gegen die Sperrplatte, sodass der Bub unter Wasser festgesetzt war. Josef Ostermair erkannte die Situation und riss mit aller Kraft an dem Surfbrett, um das Kind aus dem Wasser zu ziehen. Dabei riss die Schnur und der Siebenjährige wurde endlich auf die andere Seite des Wehrs gespült.

Ein anderer Ersthelfer tauchte sofort nach dem Jungen und holte ihn aus dem Wasser. "Er war bewusstlos und am ganzen Körper blau, er hatte keinen Puls mehr", erinnert sich Ostermair. "Alle dachten, er ist tot." Zwillingsbruder Michael und ein vierter Helfer reanimierten den Jungen. Schließlich begann dieser wieder zu atmen und schrie laut auf. "Ich war erst fix und fertig", blickt Ostermair zurück. "Aber als der Junge dann geschrien hat, ist uns ein riesen Stein vom Herzen gefallen." Wie durch ein Wunder erholte sich der Siebenjährige im Krankenhaus innerhalb weniger Tage. Dank dem couragierten Einsatz seiner Retter hat er keine bleibenden Schäden davongetragen.

Ostermair musste nach dem Vorfall oft an seine Söhne denken, die neun und zwölf Jahre alt sind. "Man kann nicht vorsichtig genug sein", zog er für sich eine Lehre. Sein Zwillingsbruder Michael bekam die Bilder des leblosen Jungen wochenlang nicht aus dem Kopf und litt unter Schlaflosigkeit. Das Wiedersehen mit dem Buben und seiner Familie soll für beide nun eine Art Schlussstrich unter die Geschichte ziehen, sagt Ostermair. Die Ehrung an sich sei ihm persönlich nicht so wichtig. "Hauptsache der Bub lebt."

© SZ vom 08.11.2016/gsl
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