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Bogenhausen:Scheiben für die Schulen

Max-Planck-Gymnasium in München bereitet Teilöffnung nach Corona-Zwangspause vor, 2020

Auf Corona-Betrieb umgestellt: Plexiglas-Trennscheiben im Sekretariat des Max-Planck-Gymnasiums.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Nachdem die Helen-Keller-Realschule zu Lasten ihres Etats Plexiglaswände einbauen ließ, fordern Politiker jetzt Finanzhilfen. Das Bildungsreferat verspricht: Wer Infektionsschutz-Teile braucht, bekomme sie auf Kosten der Stadt

Ute Kauschka hat nicht lange gezögert. Die Realschuldirektorin der Helen-Keller-Realschule hat noch in den Osterferien einen Schreiner beauftragt, Infektionsschutzwände anfertigen zu lassen. Für das Sekretariat - einen der meist frequentierten Orte an der Schule. Hier gehen nicht nur die Schüler, Lehrer und Eltern ein und aus. Auch von der Schule beauftragte Firmen kommen erst einmal in das Sekretariat. "Mir war es ganz wichtig, dass dieser Ort mit viel Durchgangsverkehr geschützt ist", sagt Kauschka. "Und ich wollte keine Zeit verlieren."

Finanziert hat sie das alles aus dem Schul-Etat. Die Weitsicht hat sich gelohnt. Denn die Acrylglas- oder Plexiglaswände haben jetzt lange Lieferzeiten und sind oft gar nicht mehr lieferbar. Nun steht der Spuckschutz im Sekretariat, schützt Personal und alle, die in den Raum kommen. Gerade sind es vor allem die Schüler der vier zehnten Klassen, die momentan unterrichtet werden dürfen.

Doch nicht alle Schulen haben Infektionsschutzwände. "Gerade die kleineren haben oft noch keine, weil es für sie schwer ist den Schul-Etat zu belasten", wie Florian Ring (CSU), Vorsitzender des Unterausschusses für Bildung, Kultur, Sport und Soziales, in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) sagte. "An vielen Schulen seien außerdem Masken und Desinfektionsmittel selbst organisiert worden. Auch die Helen-Keller-Realschule greift in Sachen Desinfektionsmittel auf eigene Reserven zurück, den Bestellungen dauerten derzeit sehr lange. "Die Sicherheit ist also bei uns gewährleistet", sagt Kauschka, für die die Gesundheit ihrer Schüler und Lehrer ein Herzensanliegen ist.

Florian Ring hat nun in einem Dringlichkeitsantrag gefordert, dass es in alle Schulen im Stadtbezirk Bogenhausen Schutzscheiben geben müsse. Sie seien ein "wichtiger Beitrag, um die Infektionsrate nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs zu verlangsamen". Gerade auch im Hinblick auf die angedachten Schulöffnungen und den kommenden Schul-Einschreibungen. "Wenn ich möchte, dass die Schulen wieder öffnen, dann muss ich auch Verantwortung für die Schüler, Lehrer und Eltern übernehmen", sagt Ring und appelliert an die Verantwortung der Stadt München. Maßnahmen dazu seien "dringend geboten". Denn wenn es die nicht gebe, sei die Kritik schnell groß. Ring fordert eine zentrale Organisation durch das Referat für Bildung und Sport (RBS) und eine mit dem Baureferat und Firmen abgesprochene, schnelle Umsetzung. Im Antrag heißt es dazu: "Mit Durchhalteparolen der betreffenden Fachabteilungen des RBS allein wird man die Pandemie nicht erfolgreich bekämpfen können." Der BA Bogenhausen stimmte dem Antrag zu.

Wie das Referat für Bildung und Sport auf Anfrage der SZ mitteilt, sollen entsprechend der Vorgaben und Empfehlungen von Bund und Land Hygiene- und Arbeitsschutzrichtlinien natürlich auch in den Schulgebäuden zur Anwendung kommen. "Demnach", so erklärt das RBS, "können Trennscheiben oder Trennfolien als ,Spuckschutz' aufgestellt werden, wenn die 1,5 Meter-Abstandsregel nicht eingehalten werden kann." Ob dieser Abstand an den einzelnen Schulen möglich sei, entscheide die Schulleitung. Wenn der 1,5 Meter-Abstand nicht durch organisatorische, technische oder persönliche Maßnahmen möglich sei, könnten "Trennscheiben bestellt" werden. Die Kosten, so erklärt das Referat, trage die Landeshauptstadt.

Auch liefert das RBS gleich den Preis für eine Plexiglasscheibe mit dem Standardmaß 70 Zentimeter auf 85 Zentimeter mit Durchreiche: zwischen 90 bis 100 Euro. Die Scheiben seien Dank mitgelieferter "Füße" selbst stehend und müssten nicht eingebaut werden. Eine gute Nachricht für die Schulen, die noch keine Schutzwände haben: Die Stadt, so teilt das RBS mit, kaufe die Trennscheiben für die Schulen ein. Diese müssten nur den Bedarf anmelden.

© SZ vom 11.05.2020

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