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Bogenhausen:Nur nach unseren Regeln

SEM Stammtisch

Zu schön: Weite Flächen im Osten der Stadt werden bebaut.

(Foto: Winfried Eckardt/oh)

Die Stadt will im Münchner Nordosten ein neues Viertel bauen und dafür die Bahngleise tieferlegen.Der Bezirksausschuss Bogenhausen präsentiert dazu nun einen Katalog mit klaren Forderungen

Straßen, Kitas, Schulen, Altenheime, Radwege, Turnhallen, Schwimmhallen, Orte für Kultur, Grün: Ein Stadtteilpolitiker kann - und muss - vieles bedenken, wenn sein Viertel wachsen soll um Tausende Wohnungen und Arbeitsplätze wie bei der SEM, der geplanten Siedlungsmaßnahme für den Münchner Nordosten. So umfassten denn die ersten Stellungnahmen der Fraktionen im Bogenhauser Bezirksausschuss zu den drei städtebaulichen Konzepten aus dem Planungsreferat anfangs viele Seiten. Nun haben sich die Fraktionssprecher und der Vorstand auf eine kompakte erste Stellungnahme geeinigt, die sich noch nicht in Details verzettelt, sondern nur wenige Eckpfeiler setzt und sonst vor allem Fragen stellt.

Angelika Pilz-Strasser (Grüne), die Vorsitzende des Gremiums, will diese Zurückhaltung auch explizit verstanden wissen als eine Art von "Respekt vor den Bürgern", deren Reaktionen dem Gremium sehr wichtig seien. So stimmt der Bezirksausschuss zwar formal der Eröffnung des Verfahrens der Öffentlichkeitsbeteiligung mit den drei Varianten als "Arbeitsmodelle"zu. Er betont aber ausdrücklich, sich damit nicht auf die Zahl von Wohnungen oder Arbeitsplätzen festzulegen. Auch weitere Varianten dürften nicht ausgeschlossen werden, so das Gremium.

Ansonsten geht es den Stadtteilpolitikern erst einmal um die Spielregeln: Sie wollen detailliert wissen, wie die Bürgerbeteiligung aussehen soll und wie sich aus den Varianten das spätere Strukturkonzept konkretisiert. Sie wollen zudem selbst jedes Mal beteiligt werden, wenn eine Veränderung oder Präzisierung der Varianten ansteht, also bei jedem Zwischenergebnis. Die Ergebnisse der Bürgeranhörung will das Gremium erfahren, "bevor sie im Internet, in der Presse oder auf Flyern veröffentlicht werden". Neue Workshop-Termine müssten frühzeitabgestimmt werden.

Bevor sie weiter diskutieren, verlangen die Mitglieder Fakten zur Zahl von Einwohnern und Arbeitsplätzen: Worauf basieren die zugrunde gelegten Zahlen? Warum wurden sie erhöht, obwohl in den bisherigen Workshops von "verträglicher Dichte" und einem "sensiblen Übergang" zur bestehenden Bebauung die Rede war? Die Stadt solle ferner das zugrunde liegende Verkehrsgutachten genau erklären, "vorzugsweise vor dem Beteiligungsverfahren, noch in diesem Jahr". Kosten der U-Bahn-Stationen, die nötige Einwohnerdichte, die Zeitschiene für die Verlegung der Bahngleise in einen Tunnel - darüber wollen sie Auskunft. Ferner über die Frage, welchen überörtlichen Durchgangsverkehr eine Verbindung zwischen Autobahn 94 und der Kreisstraße M 3 bringen werde. Und, ganz wichtig: "Inwieweit ist gesichert, dass die Bebauung erst erfolgen wird, wenn die entsprechenden infrastrukturellen Maßnahmen vorhanden sind?" Der BA stellt auch die Frage nach einer möglichen Stadt-Umland-Bahn. Er will zudem erfahren, wann die Stadt mit den Eigentümern der nicht-städtischen Flächen verhandelt.

Einziger inhaltlicher Wunsch: Der Pferdesport und das Gut Riem werden von den Bürgern zurecht als "identitätsstiftend" angesehen und müssten erhalten bleiben. Aufgenommen wurde noch die konkrete Frage Robert Brannekämpers (CSU), wo wohl bereits gebaut werden solle, ehe die S-Bahn, realistischerweise erst nach der zweiten Stammstrecke in etwa zwei Jahrzehnten, in einen Tunnel gelegt sei.

Der Vorstoß der Vertreter von David contra Goliath/ÖDP, Andreas Nagel und Nicola Holtmann, jetzt Radschnellwege als Grundvoraussetzung festzuschreiben, fand jedoch keine Mehrheit. Pilz-Straßer erklärte, der BA könne solche Details gerne auch in einem zweitägigen Intensivworkshop diskutieren. Das Gremium halte sich momentan bewusst zurück - "aber man wird noch sehr, sehr viel von uns hören".

Der nächste SEM-Stammtisch beginnt am Mittwoch, 19. Oktober, um 18 Uhr in der Gaststätte Pyrsos, Englschalkinger Straße 206. Auch bei der Bürgerversammlung am 27. Oktober, 19 Uhr, im Hausenstein-Gymnasium ist die SEM ein Thema.

© SZ vom 14.10.2016