Bogenhausen Insel der unbegrenzten Möglichkeiten

Die Pfennigparade feiert den Spatenstich für ihre neue "Inklusive Natur-, Sport- und Erlebnislandschaft" an der Mauerkircherstraße. Das 8000 Quadratmeter große Areal gilt als soziales und ökologisches Vorzeigeprojekt

Von Ellen Draxel, Bogenhausen

Die Stiftung Pfennigparade hat ein neues Domizil in Bogenhausen. Eines mitten im Grünen, ein Freizeitgelände. "Inklusive Natur-, Sport- und Erlebnis-Landschaft" nennt das Münchner Rehabilitationszentrum für körperbehinderte Menschen das 8000 Quadratmeter große Areal im Eck zwischen Isar und Mittlerem Isarkanal am Oberföhringer Wehr. Oder einfach nur "Insel". Denn genau das will der idyllische Ort an der Mauerkircherstraße für all diejenigen sein, die hierher finden: eine Insel für ein buntes Miteinander. Für Menschen mit und ohne körperliche Einschränkungen. Für Kinder, Erwachsene, Familien, Schulen und Firmen. Eine Insel, wo erlebnispädagogische Naturerfahrungen ebenso möglich sind wie Sport- und Kooperationsspiele oder Teambuilding-Events. Eine Insel, wo Inklusion gelebt wird.

Aufgereiht zum Spatenstich für die Insel (v. li. n. re.):ChristophGattermann, Schüler Moses, Markus Mair, Ernst-August von Moreau, Diana Stachowitz, Angelika Pilz-Strasser, Mathias Wesinger und Oswald Utz.

(Foto: Catherina Hess)

Bespielt wird das ehemalige Eon-Betriebssportgelände, das der Stromanbieter der Pfennigparade per Schenkung übertragen hat, zwar schon seit vier Jahren. Ein fünfköpfiges Team aus Trainern, Erlebnispädagogen und Sportlehrern veranstaltet dort regelmäßig Workshops und Events, organisiert Ferienprogramme und Spiele. Jetzt aber soll die Nutzung ausgebaut und das Areal für insgesamt 1,5 Millionen Euro barrierefrei saniert werden. Denn für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf gibt es außerhalb von Spezialeinrichtungen oft nur wenige Sport-, Freizeit- und Fördermöglichkeiten.

Markus Mair, Leiter der Insel, mit der Auszeichnung für die biologische Vielfalt.

(Foto: Catherina Hess)

"Für uns ist heute ein wirklich großer Tag", sagte Pfennigparaden-Vorstand Ernst-August von Moreau daher beim Spatenstich am vergangenen Freitag. Viele Hindernisse hätten bis zu diesem "Meilenstein" aus dem Weg geräumt werden müssen - komplizierte Grundstücksverhältnisse, Zufahrtsrechte -, und viele Interessen wie das Recht der Nachbarn auf Ruhe oder die Tatsache, dass die Insel im Landschaftsschutzgebiet liegt, beachtet werden müssen. Doch das sei nun geschafft und an diesem besonderen Platz künftig "Großartiges möglich".

Musikalische Einlage beim Spatenstich.

(Foto: Catherina Hess)

Einen naturnahen Sportplatz samt Fußballfeld und Flutlichtanlage gibt es auf dem Gelände bereits, auch ein Vereinsheim und eine kleine Werkstatt für Gerätschaften sind vorhanden. Inklusion erfordert aber mehr. Deshalb sollen auf dem Areal ein barrierefreier Zugang gebaut sowie barrierefreie Umkleide- und Sanitärräume in ausreichender Anzahl geschaffen werden. Das Vereinsheim bekommt eine Küchenzeile, um Essen zubereiten zu können. Besonders Kinder und Jugendliche mit vegetativen Störungen müssen regelmäßig Nahrung zu sich nehmen. Zu klein ist auch der bestehende Aufwärmraum für die Sportler: Pro Person sind mindestens vier Quadratmeter nötig, damit der Aktionsradius auch für Rollstuhlfahrer groß genug ist.

Neugierig verfolgen die Kinder des Waldorfkindergartens das Treiben.

(Foto: Catherina Hess)

Der Sportplatz selbst wird um einige Anlagen ergänzt: Künftig soll man auf der Insel Leichtathletik und Ballsportarten ausüben können, Basketball, Volleyball und Rollstuhlkegelstoßen etwa. Dafür will Landschaftsarchitekt Manfred Schachenmayr eine Rundlaufbahn mit einem Hartplatzbereich in der Mitte errichten - als Trainingsanfangsstation für Paralympics und Special Olympics. Denkbar ist außerdem Bogenschießen als Wettkampf-Disziplin. Ein Jahr, rechnet der Architekt vom Büro Brugger Landschaftsarchitekten, wird die Sanierung des Geländes in Anspruch nehmen.

Die Pfennigparade und der TSV 1860 München möchten auf der Insel außerdem ein Race-Running-Wettkampfteam aufbauen. "Gemeinsam wollen wir uns um optimale Trainingsbedingungen für Leistungssportler bemühen", sagt von Moreau. Beim Race-Running dient Menschen mit einer Cerebralparese, die aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung in ihren Bewegungen eingeschränkt sind, ein Dreirad ohne Pedale als Hilfsmittel der sicheren und schnellen Fortbewegung.

Die Insel ist aber nicht nur ein soziales Vorzeigeprojekt, sie ist auch ein ökologisches Refugium. Nicht umsonst dient das Grundstück dem inklusiven Waldkindergarten der Pfennigparade Phoenix Schulen und Kitas GmbH als Stützpunkt. Im nördlichen Teil des Geländes steht ein Bauwagen mit Materialen, von dem aus die Kinder mit ihren Erzieherinnen ihre täglichen Wanderungen durch den Englischen Garten starten. Auf der Insel werden Permakultur-Kurse angeboten, die den Teilnehmern einen naturnahen, ökologischen Gartenbau vermitteln. Und es gibt Bienen auf dem Areal: zehn bis 15 Bienenvölker, die Honig produzieren.

Für diese Kombination inklusiver Angebote in der Natur ist die Insel am Freitag auch als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs "Soziale Natur - Natur für alle" ausgezeichnet worden.