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Bogenhausen:In der Schwebe

Eine Veranstaltung zu den Plänen für den Klimapark in Bogenhausen gerät zum Spießrutenlauf für die Stadtverwaltung: Die Bürger wollen nicht über die Grünanlage, sondern über das geplante Gymnasium reden

Man nehme: ein fertig geplantes Parkprojekt, kombiniere es mit dem Neubau eines Gymnasiums für 1200 Schüler - und fertig ist die Mischung für Zündstoff im Stadtviertel. Das Konfliktpotenzial war abzusehen, als die Stadt am Donnerstagabend einen Infoabend abhielt, um die Bürger aufzuklären, wie sich der Klimapark am Salzsenderweg durch den Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (WHG) auf dem Gelände verändert. "Wir sind hier, um die Grünanlage vorzustellen. Auf die Schule wollen wir nur eingehen, wenn Fragen kommen", legte Ulrich Rauh, der für den Klimapark zuständige Abteilungsleiter im Baureferat dar, wie er sich den Verlauf des Abends vorstellte. Die Fragen kamen, und zwar viele. Am Ende drehte sich alles um die Schule.

140 Besucher waren gekommen; die Veranstaltung war ursprünglich für 90 Personen ausgelegt gewesen. Zehn Minuten vor Beginn waren alle Plätze besetzt. Schon während die Vertreter der Stadt mit einer Präsentation an den bisherigen Projektverlauf erinnerten, war die Stimmung angespannt. Immer wieder gab es laute Zwischenrufe.

Im Detail halten sich die offensichtlichen Veränderungen in Grenzen, die durch den Wegfall von zwei Hektar Parkfläche entstehen. Der in diesem Bereich eingeplante Fitness-Parcours wird nach Osten in die Nähe des jetzigen Spielplatzes verlegt, ebenso der angedachte Jugendunterstand. Außerdem liegt das Übungsgelände des Radsportvereins Tretlager auf dem für das WHG einkalkulierten Gebiet. "Wir gehen zur Hand und suchen Flächen", erklärte die zuständige Behördenmitarbeiterin, Uta Gehrhardt. Ob nach dem Bau der Schule eine Integration der Dirtbike-Anlage möglich oder ein neuer Standort erforderlich sei, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Dazu hatten sich am selben Tag die Stadtratsfraktionen von SPD und CSU mit einem Antrag an die Stadtverwaltung gewandt. Es solle geprüft werden, welche Alternativen es für die Radstrecke gibt.

Dirtbike-Parcours in Englschalking, 2014

Auf dem Sprung: Noch können Radsportler auf dem Dirtpark-Gelände des Vereins Tretlager am Salzsenderweg ihre Kunststücke üben. Doch bald muss das Areal verlegt werden: In der Parkanlage fallen gut zwei Hektar Fläche für den Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums weg.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Als Rauh für Beiträge zum Klimapark das Wort an die Bürger übergab, wurde er schnell enttäuscht - für die Anwesenden war das neue Gymnasium das wichtigste Thema. Die Besucher löcherten ihn und Hans-Jürgen Stein, den Vertreter des Referats für Bildung und Sport, fast ausschließlich mit Fragen zu dem Schulbau.

"Bleibt der Salzsenderweg erhalten oder wird daraus eine Salzsenderstraße, die verbreitert wird?", lautete eine Frage, die an diesem Abend viele der Anwesenden umtrieb. Rauh versicherte den Bürgern, dass der Salzsenderweg in westlicher Richtung nicht zur Straße ausgebaut werde. Was die Zubringerfahrten zum Gymnasium betrifft, so sei es nicht so, "dass eine Schule großen zusätzlichen Verkehr hervorruft". Das hatte wütende Empörung im Publikum zur Folge. Er habe sich wohl noch nie zur Mittagszeit an einer Schule umgesehen, sagte ein aufgebrachter Bürger.

"Sie schließen den Bereich, auf dem das Gymnasium geplant ist, völlig aus Ihrer Planung aus. Aber das ist ja keine Insel, die völlig für sich selbst existiert", brachte ein anderer Teilnehmer vor. "Wenn wir einen neuen Spielplatz einrichten, einen neuen Spazierweg herstellen, hat das doch nichts mit der Schule zu tun", entgegnete Rauh; Hans-Jürgen Stein ergänzte: Man habe nicht vor, "eine Berliner Mauer um unsere Grenzen zu bauen". Die Stadt wolle den Bau möglichst ökologisch in den Park eingliedern. Wie genau, stehe noch nicht fest, sagte Stein. Dazu würden derzeit eine Vielzahl an Gutachten erarbeitet, zum Beispiel zum Verkehr.

SZ Grafik

Ob man sich mit dem Einfluss des Baukörpers auf die Frischluftschneise befasst habe, wollten Besucher daraufhin wissen. Die Antwort: Die Stadt stelle kleinräumige, mikroklimatische Untersuchungen an. Unabhängig davon sei die Entscheidung für den Umzug des WHG längst gefallen, betonte Stein, "da lässt sich nicht dran rütteln". Xaver Finkenzeller, CSU-Mitglied im örtlichen Bezirksausschuss (BA), warf den städtischen Emissären vor, diese präsentierten den Neubau als alternativlos, "weil Sie es im Referat verschlampt haben, einen gescheiten Standort zu finden". Stein konterte: Der BA selbst habe dem Vorhaben zugestimmt.