Bogenhausen Ganz große Lösung

Dauerbrenner: Während in Oberföhring eine Entscheidung gefallen ist, kommt die Sanierung am Hausenstein-Gymnasium nicht recht voran.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Grundschule Oberföhring wird abgerissen. An ihrer Stelle entsteht ein Neubau mit Tagesheim, Ganztagszug und Sporthalle. Auch beim Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium besteht dringender Handlungsbedarf

Von Ulrike Steinbacher, Bogenhausen

Die Grundschule Oberföhring wird abgerissen und bis 2018 durch einen größeren Neubau ersetzt. Der Stadtrat muss dazu Anfang 2016 zwar noch sein Plazet geben, aber grundsätzlich ist die Entscheidung über die Zukunft des maroden Schulgebäudes, die jahrelang in der Schwebe war, jetzt gefallen. Erzielt wurde sie bei einer Zusammenkunft von Stadtviertel-Vertretern und Mitarbeitern der Verwaltung. Diesen runden Tisch hatte der Bezirksausschuss Bogenhausen gefordert.

Das Schulhaus besteht aus zwei baugleichen Hälften mit je sechs Klassenzimmern, der eine Teil 1958 errichtet, der andere 1965. Saniert wurde der Komplex noch nie, und das bekommen Schüler und Lehrer zu spüren: Wasserschäden, undichte Fenster, nicht isolierte Dächer, verheerende Energiebilanz. Außerdem steigen in Oberföhring die Schülerzahlen. Derzeit werden 14 Klassen unterrichtet.

Das Referat für Bildung und Sport tat sich aber bisher schwer mit der Entscheidung, ob das Schulhaus saniert oder abgerissen werden soll. Dass sie jetzt getroffen wurde, ist einem völlig anderen Projekt zu verdanken, das dadurch aber auf der Strecke blieb: Es war geplant, im September 2016 in Oberföhring endlich den gebundenen Ganztagszug zu starten, den Schulleiterin Mathilde Rohm schon seit fünf Jahren einführen will. Wegen der Platzprobleme sollten dafür auf dem Rasenspielfeld Container mit drei Klassenzimmern aufgestellt werden. Diese Anlage, so der Plan, sollte dann später erweitert werden, wenn einmal Sanierung oder Abriss anstünden.

Doch das Baureferat musste feststellen, dass auf dem leer gefegten Markt für 2016 kein Container-Angebot zu finden war, das auch nur halbwegs bezahlbar gewesen wäre. Daraus ergab sich am runden Tisch dann die Entscheidung, lieber gleich Nägel mit Köpfen zu machen: Auf dem Gelände an der Oberföhringer Straße entstehen jetzt laut Referat für Bildung und Sport "eine vierzügige Grundschule, ein viergruppiges Tagesheim, ein Ganztagszug, ein Haus für Kinder, eine Sporthalle". 2017 würden die Klassen in Container ausgelagert, 2018 sei das neue Schulhaus fertig, dann werde das alte abgebrochen.

Der Wermutstropfen in diesem Zusammenhang: Die Einführung des gebundenen Ganztagszuges wird erneut verschoben, diesmal bis der Neubau fertig ist. "Bis dahin wird es eng an der Schule", sagt Petra Cockrell (CSU), die Kinderbeauftragte des Bezirksausschusses Bogenhausen. Trotzdem müssten auch die Hortplätze dort unbedingt erhalten bleiben. "Da hängen Existenzen dran."

Während es in Oberföhring erstmals vorangeht, stagniert ein anderes Bogenhauser Schulbauprojekt: Der Altbau des Wilhelm-Hausentein-Gymnasiums soll seit sechs Jahren saniert werden, geschehen ist bisher nichts. Die eigentlich vierzügige Schule - mit knapp 1300 Schülern in je sechs Parallelklassen seit Jahren überbelegt - hat zwar seit 2012 eine sanierte Dreifachturnhalle und seit 2013 einen Erweiterungsbau. Doch das Hauptgebäude aus den Siebzigerjahren blieb unverändert. Geplant wird dessen Sanierung aber schon seit 2009 - in immer wieder neuen Variationen. Noch im Juli kündigte die Stadtverwaltung umfangreiche Arbeiten an: Vier zusätzliche Kassenzimmer sollten entstehen, zwei Verwaltungsräume, 200 Quadratmeter Aula, 140 Quadratmeter Bibliothek. Im September allerdings wurden davon 1000 Quadratmeter gestrichen. Das Referat begründet sein Umschwenken auf die "kleinere Variante" damit, dass es jetzt "die umfassenden Sanierungspläne als unwirtschaftlich und zu teuer eingestuft" hat. Die Neuplanung werde erarbeitet, zu Zeitplan und Kosten lasse sich noch nichts sagen. Aber: "Die Sanierung und gegebenenfalls Neugestaltung der Räume werden so erfolgen, dass der Bedarf für das sechszügige Gymnasium ausreicht."

Dem Elternbeirat ist das zu dürftig. Anfang Oktober bat er in einem Brandbrief an Stadtspitze, Kultusminister und Bezirksausschuss um Hilfe, "da die bestehende Raumnot an unserer Schule zu eskalieren droht, wenn nicht endlich, wie seit Jahren in Planung, eine umfassende Sanierung und Erweiterung der Schulräume stattfindet". Der Elternbeirat fordert, die große Variante zu verwirklichen, also die vier zusätzlichen Klassenzimmer plus Aula- und Bibliotheksflächen zu bauen. Angesichts stetig steigender Schülerzahlen stelle schon dies "nur eine Minimallösung" dar.

Das sieht auch die CSU im Bezirksausschuss Bogenhausen so. Für die November-Sitzung hat sie einen Antrag formuliert, der Informationen über den Sachstand fordert, aber auch über die "Kriterien, die Einfluss auf die Priorisierung von schulischen Bau- und Sanierungsmaßnahmen haben". Im Neubaugebiet Prinz-Eugen-Park entstünden in den kommenden Jahren 1500 Wohnungen: "Verzögerungen bei Sanierung und Erweiterung des einzigen Gymnasiums im Stadtteil sind aufgrund des zu erwartenden Zuzugs definitiv nicht hinnehmbar."