Prozess BMW Bank zahlt geschädigter Kundin 150 000 Euro

Die Frau hatte einem Mitarbeiter der Bank mehr als eine Million Euro überlassen - und sie nie wieder gesehen. Er baute mit dem Geld mehrerer Kunden ein Schneeballsystem auf.

Die Kundin Iris Thiemann und die Anwälte der BMW Bank haben sich am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München auf einen Vergleich geeinigt: Thiemann hatte die Bank verklagt, weil sie einem leitenden Angestellten des Unternehmens im Vertrauen darauf, dass er das Geld in rentable Anlagen investieren würde, mehr als eine Million Euro überlassen hatte - und das Geld nie wiedersah.

Der Angestellte Heinz N. hatte sich mit dem Geld mehrerer Kunden ein sogenanntes Schneeballsystem aufgebaut, an dem am Ende niemand verdiente, sondern alle verloren. Die Geschäfte liefen zwar über sein privates Konto, allerdings hatte Heinz N. durchaus von seiner Stellung in der Bank Gebrauch gemacht, wie sich in der Verhandlung in zweiter Instanz noch einmal zeigte: Thiemann hatte ihr Vermögen auf Rat von Heinz N. auf ein Sparkonto gelegt. Als sie seinen Anlageangeboten dann zustimmte, marschierte er mit einem Fax seiner Kundin in eine benachbarte Abteilung und bat Kollegen, Hunderttausende Euro von Thiemanns Sparkonto auf sein privates Konto zu überweisen.

"Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Mitarbeiter da nicht stutzig wird", sagte der zuständige Richter. Allerdings treffe die Klägerin eine Mitschuld. Die Anwälte der BMW Bank wiederum wiesen jede Verantwortung von sich und argumentierten unter anderem mit Verjährung. Am Ende einigten sich beide Seiten darauf, dass BMW der Klägerin 150 000 Euro zahlt - und im Gegenzug 100 000 Euro aus der Betriebsrente von Heinz N. erhält, die der verurteilte Banker an Iris Thiemann abgetreten hatte. Beide Seiten teilen sich die Kosten des Verfahrens.

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