bedeckt München 11°

Berg am Laim:Soziales Netz geknüpft

Das Werksviertel erhält einen eigenen Nachbarschaftstreff

Von Thomas Kronewiter, Berg am Laim

Alte Industriehallen und Neubauten, Wohnungen, Büros, Hotels und ein Konzertsaal - das Münchner Werksviertel unweit des Ostbahnhofs verspricht, ein spannendes Quartier zu werden. Dort entstehen 1150 Apartments, davon 340 im geförderten Wohnungsbau, und etwa 7000 neue Arbeitsplätze. Damit diese Menschen auch ein soziales Netz vorfinden, wenn sie das Werksviertel einmal ihr Zuhause nennen können, soll es einen neuen Nachbarschaftstreff geben. Das hat der Sozialausschuss des Stadtrats am Donnerstag beschlossen.

Auf einer Nutzfläche von 200 Quadratmetern wird nach bewährtem Münchner Muster ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen die Entwicklung einer stabilen Nachbarschaft unterstützen. Immerhin rechnet Sozialreferentin Dorothee Schiwy aufgrund der sozialen Struktur des neuen Viertels mit "sozialen Herausforderungen". Schon jetzt sei dort das Förderprogramm "Soziale Stadt" aktiviert, überwiege der Geschosswohnungsbau, nicht von ungefähr gebe es schon an der Westerhamer und der Gotteszeller Straße weitere Nachbarschaftstreffs.

"Diese beiden Einrichtungen", führt sie in der Beschlussvorlage aus, "sind zwar nur einen Kilometer vom Werksviertel entfernt, haben jedoch nicht die Kapazitäten, die im angrenzenden Neubaugebiet entstehenden Bedarfe vollständig abzudecken". Die Bezirkssozialarbeit betreue doppelt so viele Haushalte wie im städtischen Durchschnitt, doppelt so viele Erwerbstätige wie im Vergleich zur Gesamtstadt bekämen Arbeitslosengeld II, es gebe dort auch überdurchschnittlich viele Alleinerziehende und Senioren, die Grundsicherung erhielten. Im Quartier gebe es überhaupt doppelt so viele Familien mit Kindern sowie Menschen im Alter, die von Armut wenigstens bedroht seien.

Das Team im Nachbarschaftstreff soll deshalb die Bewohner aktivieren, sie zur Mitwirkung motivieren, Ressourcen fördern, Sprach-, Sport- und Informationsangebote machen, außerdem Räume für private Feiern und Veranstaltungen vorhalten. Zur erhofften Vernetzung der Nachbarschaft werden größere und kleinere Gruppenräume, ein Musikübungsraum, eine Küchenzeile, ein Foyer und Lagerräume errichtet. Dies wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG im Zuge der Wohnbebauung realisieren. Den Träger der Einrichtung soll schließlich ein Ausschreibungsverfahren ermitteln.

Vorgesehen ist zur Betreuung eine halbe Vollzeitstelle, außerdem gibt es ein Budget für Honorar- und Verwaltungskosten sowie für Aufwandsentschädigungen. Der Nachbarschaftstreff im Werksviertel wird angemietet.

© SZ vom 12.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema