Berg am Laim "Gut gemeint und gut gemacht"

In einem Bürohaus an der Berg-am-Laim-Straße wurde eine Modell-Unterkunft mit 118 Appartements eröffnet. Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen haben, finden hier eine Bleibe - Betreuung inklusive

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Bürohaus für eine Pharma-Firma, dann sieben Jahre Leerstand, dazwischen im Gespräch für ein "Massen-Arbeiterheim" - nun ist der Gebäudekomplex Berg-am-Laim-Straße 127-129 von der Stadt zu einer Modellprojekt-Unterkunft mit 118 Appartements ausgebaut worden. Vom 10. April an sollen die Wohnungen nach und nach von jenen bezogen werden, die auf dem Münchner Wohnungsmarkt normalerweise keine Chance haben: Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis, große Familien oder alleinstehende Jugendliche, die zur Schule gehen, in der Ausbildung sind oder studieren; zur Zielgruppe gehören auch ehemalige Übersetzer für Afghanisch in Diensten der Bundeswehr und alte oder behinderte Flüchtlinge, die auf eine barrierefreie Umgebung angewiesen sind.

Zunächst hatte es Vorbehalte im Viertel gegeben. In Berg am Laim hatte man bereits über Jahrzehnte mit einer Unterkunft an der St.-Veit-Straße Erfahrungen gesammelt; zudem wohnen derzeit minderjährige Asylbewerber im ehemaligen Hotel Eisenreich, und es gibt eine große Unterkunft an der Neumarkter Straße, betrieben von der Regierung von Oberbayern. Um dem Bezirksausschuss und den Nachbarn das weitere Projekt schmackhaft zu machen, wurde es als Modell konzipiert: Man hofft, dass die Menschen sich gegenseitig unterstützen, dazu kommt für die maximal 331 Bewohner intensive Betreuung. Das Sozialreferat hat sechs Sozialpädagogen-Stellen geschaffen, ferner acht Pförtner und eineinhalb Planstellen für Erzieher.

Spielgeräte für die Kinder sind bereits geliefert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wichtig war den Verantwortlichen aber auch, das Haus für den Stadtteil zu öffnen, weshalb der rund 180 Quadratmeter große Veranstaltungsraum im Erdgeschoss auch extern genutzt werden kann. Die Berg-am-Laim-Schule von gegenüber will dort beispielsweise Deutschunterricht für die Vorläuferklassen geben, auch das Alten- und Service-Zentrum nebenan hat Interesse an Zusammenarbeit - so viel, dass es zum Personalpool zusätzlich eine halbe Stelle beisteuert. Auch Felix Breitling, Pfarrer der evangelischen Offenbarungskirche, schaute sich beim Tag der offenen Tür interessiert um. Mit dem SOS-Familienzentrum, mit Condrobs und dem Bildungslokal bestehen ebenfalls bereits erste Kontakte.

Derzeit kümmern sich Handwerker noch um letzte Mängel, im Innenhof entsteht ein großer Spielplatz, der Lärmschutzzaun zum direkt angrenzenden Hotel steht bereits. Die Wohnungen sind teilweise möbliert; erwartet wird aber, dass schon länger in Deutschland Lebende eigenes Mobiliar mitbringen. Die älteren Bewohner werden langfristig hier wohnen können, für die Jüngeren ist an eine Bleibedauer von etwa drei Jahren gedacht. Bevorzugt sollen Personen einziehen, die schon davor im Viertel untergebracht waren.

Verantwortlich für die neue Modell-Unterkunft: Bettina Pereira (links) und Anna-Maria Unger mit ihrem Abteilungsleiter Thomas Ascherl.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das alles berichten die beiden Sozialpädagoginnen Bettina Pereira und Anna-Maria Unger, die das Haus leiten werden. Bettina Pereira verfügt über große Erfahrung, sie war schon in vielen Unterkünften eingesetzt, etwa an der St.-Veit-, der Rosenheimer oder der Heinrich-Wieland-Straße. So kennt sie auch Günter Feldmann von der stark geschrumpften Initiative "Miteinander Leben in Berg am Laim" seit vielen Jahren; der ehrenamtliche Helfer, inzwischen 87 Jahre alt, betreut seit 1993 Asylberber im Viertel. Auch er machte sich ein Bild und überlegt, was er in diesem neuen Haus alles machen könnte.

Die Besucher beim Tag der offenen Tür bewegten andere Probleme. Sie stellten Fragen nach eventueller Dekoration für die noch kahlen Wände, nach Waschmaschinen und Trocknern, nach Aufenthaltsräumen und Sicherheitsdiensten. Unter den Gästen war auch Bernd Chittka, Verwaltungsbeirat der Eigentumsanlage in der Nachbarschaft. Er kritisierte erneut die schleppende Information der Nachbarn während der Planungsphase, kann sich aber vorstellen, dass der eine oder andere herüberkommt und bald mithilft.

Kahle Wände, nur wenige Möbel: Das Sozialreferat geht davon aus, dass es die neuen Bewohner dann nach ihrem eigenen Geschmack gemütlich machen werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Einige direkte Nachbarn zeigten sich ein wenig skeptisch: Warum neben den Flüchtlingen nicht auch Krankenschwestern einzögen, die auch dringend Wohnungen suchen? Das würde doch der Atmosphäre zuträglich sein. Auch die Frage, warum die Mitarbeiter keine Alarmknöpfe direkt am Schreibtisch haben, beschäftigte einige. Und eigentlich hätte doch gleich eine kleine Polizeiwache mit einziehen können. Eine Frau schließlich fürchtet um den Wert ihrer Eigentumswohnungen.

Rudolf Stummvoll aber, der Leiter des Amtes für Wohnen und Migration, ist stolz auf dieses Haus der vielen Möglichkeiten. Unter den Geflüchteten seien viele, die etwas beherrschen - vom Musizieren bis hin zu handwerklichem Können. In den großzügigen Räumen könne das alles endlich gelebt werden. Zudem stehen künftig für die Nachbarn rund um die Uhr Ansprechpartner zur Verfügung. Und die Erfahrung der Verantwortlichen, da ist sich Rudolf Stummvoll sicher, wird in kurzer Zeit für alle den Nachweis erbringen: "Das hier, das ist nicht nur gut gemeint, das ist auch gut gemacht."