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Berg am Laim:Ein Mann, ein Plan

Tatkräftig: Sascha Freitag ist einer der Initiatoren des Vereins.

(Foto: Hess)

Sascha Freitag organisiert praktische Hilfe an der Balkan-Route

Sascha Freitag staunt selbst, wie gut es schon klappt. Und wie viel Lob von Fachleuten der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) der von ihm mitinitiierte Verein "Intereuropean Human Aid Association" (IHA) bereits bekommen hat: "Es klingt ja überheblich. Da kommen wir paar Jungs aus Deutschland und sagen sogar den großen Organisationen, was sie besser machen können." Aber Hilfe für die Flüchtlinge auf der Balkanroute und vor allem die Koordination dieser Hilfe und das effiziente Zusammenspiel der vielen Freiwilligen und der Profis sei dringend nötig. Nicht weniger als das will IHA leisten.

Vor ein paar Wochen fuhren Freunde von Sascha Freitag nach Röszke, um spontan zu helfen; er aber hatte Termine für den Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim, dem er damals noch angehörte. Sie kamen zurück und berichteten von großem Chaos und viel verpuffter Energie. Das Rote Kreuz habe Decken, Ärzte ohne Grenzen Medikamente, andere Wasser, aber: Die Organisationen seien nicht verzahnt, nicht überall präsent, nicht immer gelange das Benötigte an die richtige Stelle. Die Organisationen könnten aus rechtlichen Gründen Freiwillige nicht direkt einspannen. Die machen die Erfahrung, was wirklich nötig ist und wo sie effektiv hinlangen können - fahren heim. Andere zahlen dasselbe Lehrgeld. Schnell war die Idee geboren, eine Plattform zur Verfügung zu stellen.

Organisieren und Koordinieren liegt dem 42-jährigen Projektmanager Sascha Freitag aus Berg am Laim schon von Berufs wegen. Er kümmerte sich sofort um die Vereinsgründung, wurde Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für die Kasse, treibt die Erlangung der Gemeinnützigkeit voran, hat mit seinen Mitstreitern den Internetauftritt gestaltet.

Jetzt geht es bereits darum, Helfer zu registrieren, via Facebook und Internet in ganz Europa Gleichgesinnte zu finden, die Berichte, die von Freiwilligen zurückkommen, auszuwerten, Hilfsgüter und Lager für diese Güter zu sammeln . Auch mit der internationalen Bürokratie muss Freitag kämpfen: "Der serbische Zoll lässt keine Lieferungen mit Gebrauchtwaren rein. Sowas ändert sich täglich." Als Selbständiger hat Freitag sein berufliches Arbeitspensum zu Gunsten dieses Engagements reduziert. Und er hat seinen Sitz im Bezirksausschuss der Nachrückerin überlassen.

Freitag, dessen Eltern in der Friedensbewegung aktiv waren, war von Jugend an politisch interessiert und in Umweltschutzorganisationen aktiv. "Man muss in die Politik, um was zu bewegen", dachte sich der Vater zweier Töchter, merkte als Vertreter der Freien Wähler im Bezirkausschuss aber schnell, dass man zwar mit Einzelnen gute Gespräche führen könne, diese dann aber an der Parteidisziplin nicht vorbeikämen. Aus Protest gegen die Ausschussgemeinschaft, die die Freien Wähler im Rathaus ausgerechnet mit Vertretern der Alternative für Deutschland (AfD) gebildet hatten, trat er aus. Eine neue politische Heimat fand er nicht. Aber eine neue Aufgabe mit der IHA.

Inzwischen war auch er bei einem privaten Hilfskonvoi dabei, machte dabei prägende Erfahrungen. Da gab es zum Beispiel sehr einschüchternde ungarische Polizisten. Als die Ehrenamtlichen merkten, dass die Beamten nach langem Dienst hungrig waren, versorgten sie auch die Polizei mit Essen - schon war die Lage deutlich entspannter. Dann kam der Regen, das Rote Kreuz aber hatte Zelte für eine Medikamentenlieferung reserviert: "Wir haben versprochen, dass wir die Zelte am nächsten Tag mit zehn Freiwilligen putzen. Da erst haben sie Frauen für die Nacht reingelassen."

Derzeit habe IHA Freiwilligen-Teams in Preševo in Serbien, in Opatovac in Kroatien und nun auch in Rigonce in Slowenien. Aufgaben, sagt Freitag, gebe es dort wie auch hier genug, auch für Menschen mit wenig oder unregelmäßig freier Zeit. Manchem müsse er vielleicht die Illusion nehmen, dort nur medienwirksam Babys umherzutragen. Er will auch darauf achten, dass keiner sich überfordert, dass Helfer, die lange am Treck bleiben wollen, Auszeiten nehmen und auch ein Gespräch mit einem Therapeuten. 300 Mitstreiter haben sich binnen kurzem auf der Plattform registriert. Freitag glaubt, dass deren Engagement, dass die IHA noch lange gebraucht wird.