Bayernpartei:Bekannte Gesichter

Bei der Bayernpartei treten gleich vier amtierende Stadträte an

Von Heiner Effern

Richard Progl hat gerade wieder eine Nachtschicht hinter sich. Wenn sich andere von der Couch ins Bett schleppen, ist er mit Plakaten und Kleister draußen auf der Straße und bringt seine Werbeständer auf Vordermann. Wahlkampf ist gerade bei kleinen Parteien und ihren Kandidaten die Zeit, in der Schlaf auf ein Minimum dosiert wird. Progl und seinen Kollegen von der Bayernpartei fällt ihr Pensum diesmal allerdings nicht schwer, denn sie spürten fast nur Aufwind an den Infoständen, wie Progl sagt, der im Stimmkreis Ramersdorf antritt. "Es ist noch deutlich besser als noch vor fünf Jahren bei der letzten Wahl. Und damals haben wir unsere Stimmen verdoppelt."

Johann Altmann bei Stadtratshearing zum Thema "Wohnungsbau" in München, 2017

Johann Altmann bei einer Rede im Rathaus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In München kam die Bayernpartei 2013 auf zwei Prozent, im Landesschnitt war es noch ein Zehntelpunkt mehr. Wenn sie das Ergebnis nochmals in dieser Dimension nach oben treiben könnte, wäre die Fünfprozentmarke und der Einzug in den Landtag nicht mehr weit, sagt auch Johann Altmann, der in Giesing kandidiert. "Die Chance ist da." Um in München viele Stimmen zu sammeln, setzt die Partei voll auf die Fraktion im Rathaus. Die wuchs auch zur eigenen Überraschung in den vergangenen Jahren durch Überläufer von einem auf fünf Stadträte an, vier bewerben sich jetzt als Direktkandidat für die Landtagswahl. "Natürlich wollen wir unsere Bekanntheit aus dem Stadtrat nutzen", sagt Fraktionschef Altmann. Allerdings kandidiere keiner nur deshalb. "Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig."

Wahlplakate kleiner Parteien für die Landtagswahl 2018 in Bayern.

Foto: Jan Staiger, oh

Wie sich die kommunale Ebene und die Landespolitik verbinden lassen, macht die Bayernpartei bei der geplanten Tram durch den Englischen Garten vor. Die baut zwar die Stadt, der Freistaat muss ihr als Eigentümer des Parks aber zustimmen. Was er keinesfalls tun sollte, findet die Bayernpartei. Neue U-Bahnen statt Trambahnen, Ausbau des Glasfasernetzes, mehr Polizeipräsenz gerade in der Stadt, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken, damit will die Regionalpartei punkten. Auch müsste der Freistaat die Kommunen "deutlich besser finanziell unterstützen", damit diese ihre Infrastruktur ausbauen und unterhalten könnten, sagt Richard Progl.

Bei der momentanen Schwäche der CSU schielt auch die Bayernpartei auf konservative Wähler, die mit der Regierung unzufrieden sind. Theater im Bund könne es mit ihr nicht geben, sie beschränke ihre Arbeit wirklich auf den Freistaat, sagt Kandidat Progl. Gerade in Städten wie München will die Bayernpartei auch die bairische Sprache weiter fördern. Das habe nun zwar auch die CSU entdeckt, nur wenig glaubhaft, sagt er. "Alles, was sie jetzt fordert, hätte sie die letzten 40 Jahre umsetzen können."

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