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Bayerische Staatsoper:Todesarie

Generalintendant Nikolaus Bachler verkündet vorläufige Betriebsschließung

Von Susanne Hermanski

Mit großer Leidenschaft, so wie es sich gehört für die Oper, hat Generalintendant Nikolaus Bachler darum gekämpft, die Bayerische Staatsoper auch in der Corona-Zeit nicht restlos schließen zu müssen. Jetzt ist es so weit. Die Schließung und damit auch das Ende der gestreamten "Montagskonzerte" ist trotzdem gekommen. "Leider sieht sich die Bayerische Staatsoper gezwungen, Marina Abramovićs Opernprojekt ,7 Deaths of Maria Callas', das in den letzten Wochen in Kleinstgruppen vorbereitet wurde, auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen", heißt es vonseiten der Oper. Grund dafür sei, dass "ab sofort die Beteiligung von Orchester und großer Bühnencrew notwendig wäre und Alternativen nicht verantwortbar sind". Im Zuge dessen wurden Teile der Belegschaft in Absprache mit dem Bundesministerium bis zum 19. April vom Dienst freigestellt. "Damit kann das Haus auch die live im Internet übertragenen Montagskonzerte nicht mehr fortsetzen." Ausnahmen bilden die Administration der Oper, die teilweise in Home-Office arbeite, und die Kostümabteilung, die nun, "natürlich nur auf freiwilliger Basis", Schutzmasken produziere.

Nikolaus Bachler bezieht im Schreiben der Oper auch persönlich Stellung: "Ich habe lange mit der Entscheidung gezögert, weil der unbedingte Wille und die bedingungslose Hingabe des Teams rund um Marina Abramović in den vergangenen Wochen eindrucksvoll waren." Was das Projekt bedeutet hätte, "in Zeiten, in denen Tod verdrängt wird", wäre von dringender Relevanz gewesen. Doch im Moment, "in dem es für viele ganz real um Leben und Tod geht, stellen sich andere Fragen - das ist mir innerhalb der letzten Tage besonders klar geworden", sagt Bachler.

Er wolle noch einmal festhalten, dass alle Aktivitäten der letzten Wochen in enger Absprache mit dem Ministerium erfolgt seien. Er habe Verständnis für die große Unsicherheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Dennoch brauchen wir Mut für die Zukunft. Viele positive Bilder der vergangenen Wochen sind von den Kreativen und Künstlern ausgegangen. Daher brauchen wir die Kunst mehr denn je." Dieser Überzeugung hatte Bachler jüngst auch mit einer umstrittenen Formulierung Ausdruck verliehen. Nach dem Bashing der Montagskonzerte im Netz, weil sich dabei vermeintlich Tänzer und Klavierbegleiter auf der weitläufigen Bühne des Nationaltheaters im Hinblick auf mögliche Virenübertragung doch zu nahe gekommen seien, hatte Bachler die "Blockwart"-Mentalität der Kritiker gescholten. Er wolle sich bei allen entschuldigen, "die sich durch die "scharfe Formulierung meinerseits, die ich im Eifer des Gefechts getätigt habe, verletzt gefühlt haben". Doch er mahnt auch: "Wir müssen aufpassen, dass die pandemische Krise keine Krise unserer Institutionen, unseres Charakters und unserer Gesellschaft wird."

© SZ vom 03.04.2020
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