Bauvorhaben Nicht auf Kosten von Grünflächen

Die Siedlung am Cosimapark soll nachverdichtet werden. Der Bezirksausschuss hat einige Einwände und Forderungen

Von Nicole Graner, Englschalking

Die Form ist schwer zu beschreiben, die die Wohnsiedlung gegenüber dem Ökologischen Bildungszentrum - dem Areal zwischen Englschalkinger-, Stolzing-, Ortlindestraße und dem Wilhelm-Dieß-Weg - auf dem Plan des Büros " Architekten Stadtplaner" ausmacht. Vielleicht ein bisschen wie ein zu groß geratenes, verzerrtes Wohnmobil mit futuristischer Spitze. In ihrer städtebaulichen Studie analysieren die Architekten den Bestand der Wohnbauten aus den Sechzigerjahren, loten die Einbettung der Atriums- und Punkthochhäuser in die Grünfläche aus und beschäftigen sich mit der Erschließung und der landschaftlichen sowie verkehrlichen Einbindung. Und sie zeigen bereits Varianten auf, wie die "Siedlung am Cosimapark", die von Architekt Ernst Barth konzipiert und erbaut wurde, aufgewertet und nachverdichtet werden könnte.

Wunsch des Eigentümers und Verwalters des nördlichen Siedlungsteils, so heißt es in einem Schreiben der Planer an den Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen, sei eine Modernisierung des Bestands und auch Neubauten. Zum Beispiel durch eine Zeilenbebauung im nordwestlichen Planungsbereich, eine Punktbebauung an der Stolzingerstraße oder eine Atriums-Bebauung an der Ortlindenstraße. Auch zeigt die Planung, dass durch eine neue Tiefgaragenkonzeption mehr Stellplätze geschaffen werden sollen.

Besonders in den Mittelpunkt rückt die seit 1990 öffentliche Grünfläche, die laut der Planer das Quartier zwar räumlich gliedere, aber für die Öffentlichkeit weder im Ganzen zugänglich noch nutzbar sei. In einer Neuplanung könnten "Chancen für Verbesserungen" liegen. Immer wieder weist die Studie auf die "unbebaute öffentliche Grünfläche" hin. Genau an diesem Punkt aber setzt die Kritik der CSU im Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen an. Sie formuliert in einem Antrag, die Stadt München solle dafür Sorge tragen, dass die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen allgemeinen Grünflächen auch als öffentliche Grünanlagen erhalten bleiben müssten. Grünflächen, heißt es im Antrag weiter, dürften unter dem Deckmantel des "dringend benötigten Wohnbedarfs" nicht verbaut werden. "Eine Nachverdichtung im Hau-Ruck-Verfahren lehnen wir ab", sagt Xaver Finkenzeller (CSU). "Wir brauchen eine Nachverdichtung, aber nicht auf Kosten der Grünflächen."

Zum Vorstoß der CSU muss man wissen, dass es im Stadtbezirk immer wieder Begehrlichkeiten gibt, die darauf hinauslaufen, dass Grünflächen Stück für Stück angeknapst werden. Da ist zum Beispiel der Wunsch der Deutschen Plasser Bahnbaumaschinen GmbH, ihre Zentrale in der Frischluftschneise westlich des Zamilaparks zu erweitern, statt an einen anderen Standort zu ziehen. Oder der Beschluss des Stadtrats, den Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums im Klimapark am Salzsenderweg zu errichten.

Mit ihrem Antrag meint die CSU aber auch die Studie zum Areal "Cosimapark". Natürlich gibt es dort keinen schönen Fuß- und Radweg, weiß auch Xaver Finkenzeller. Und natürlich würde man in der Anlage nicht unbedingt einen Spaziergang machen. Zumal der kleine, schmale Weg an der Ortlindenstraße, der durch die Grünanlage führt, nicht attraktiv sei. Aber, und das macht CSU-Fraktionssprecher Finkenzeller deutlich, es handle sich hier nicht um irgendeinen Grünzug, sondern um eine "übergeordnete Frischluftschneise".

Der BA nimmt daher die Studie und die Varianten einer möglichen Bebauung zur Kenntnis, hält aber das Verfahren für nicht akzeptabel und fordert ein Bebauungsplanverfahren sowie eine Infrastruktur- Untersuchung. Auch sei nicht klar, wie es mit Verschattung und Abstandsflächen aussehe. "Ich glaube", sagt Finkenzeller, hier sollte mal ausgelotet werden, wie weit der Bezirksausschuss geht." Das Gremium stimmte auch dem Antrag der CSU zu, der generell eine Verdichtung auf Kosten der Grünflächen ablehnt. "Es werden immer mehr Grün- und Freizeitflächen geopfert. Die sind aber so wichtig für den Erholungswert. Es reicht jetzt." Das städtische Planungsreferat signalisierte Ende Oktober, dass es die Anregungen, Bedenken und Vorschläge des Bezirksausschusses in die Untersuchungen einbeziehen werde. Auch würden Planungsbedarf, Infrastruktur und Grünvernetzungen geprüft.