Batterie-Tram Mit der Akku-Tram durch den Englischen Garten

Betrieben mit einem Akku, könnte schon bald eine Tram durch den Englischen Garten fahren. Gelingen die Tests, beantragt MVG-Chef König ein neues Genehmigungsverfahren.

Von D. Hutter

Auf Schienen zum Chinesischen Turm: Die MVG will möglichst noch in diesem Jahr einen zweiten Vorstoß für eine Straßenbahn durch den Englischen Garten starten. Sollten die in den nächsten Wochen anstehenden Tests mit der neuen Batterie-Tram erfolgreich sein, plant Unternehmenschef Herbert König eine zügige Aktualisierung der teilweise veralteten Gutachten und Pläne, um alsbald ein neues Genehmigungsverfahren beantragen zu können.

Bald schon könnte eine Tram durch den Englischen Garten fahren.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Anders als im ersten Anlauf, der 1991 an einem Veto der Regierung von Oberbayern scheiterte, sind diesmal keine Fahrleitungsmasten auf dem heiklen Abschnitt durch Münchens berühmtesten Park eingeplant. Stattdessen soll ein moderner Hochleistungsakku die Züge antreiben. Dass nun nach jahrelangem Stillstand alles ganz schnell gehen könnte, liegt an der Fahrzeugindustrie. Die hat inzwischen auch den vierten neuen Trambahnzug des Typs Vario, im MVG-Jargon: S-Wagen, ausgeliefert - das Modell, das später mit einer Lithium-Ionen-Batterie auf Münchner Schienen geschickt werden soll.

Dieser Akku, der im Laufe des ersten Quartals 2010 nachträglich montiert wird (der Zug müssen dafür nochmals kurz zurück ins Werk), soll in der Lage sein, die knapp einen Kilometer lange Lücke im Stromnetz zu überbrücken - zweimal sogar, da der östliche Streckenabschnitt bis zum Effnerplatz nicht ausreicht, um die Batterie wieder voll aufzuladen. "Natürlich ist ein Puffer einberechnet", versichert König. Falls die Tour durchs Grüne, aus welchen Gründen auch immer, etwas länger dauert.

Keine Science-Fiction

Ob der Akku hält, was der Hersteller verspricht, will die MVG mit ausgiebigen Testfahrten überprüfen. "Sobald wir demonstrieren können, dass alle Anforderungen erfüllt sind, leiten wir die nächsten Schritte ein", berichtet König. Die insgesamt 2,2Kilometer lange Strecke, die vom Elisabethplatz durch die Franz-Joseph- und Martiusstraße zum Englischen Garten und dort auf der bestehenden Bustrasse zur Montgelas- und Bülowstraße führen soll, ist nach wie vor Bestandteil des Nahverkehrsplans.

Sie könnte als Nordtangente eine Direktverbindung zwischen Bogenhausen, Schwabing und Neuhausen schaffen, die Fahrgäste müssten dann nicht mehr durchs Zentrum fahren. Ein genaues Betriebskonzept steht allerdings noch nicht fest. Wer die Batterie-Tram für Science-Fiction hält: Im südfranzösischen Nizza funktioniert das Ganze schon. Da man die zentrale Place Massena, die ganz in der Nähe der berühmten Promenade des Anglais liegt, nicht mit Fahrleitungsmasten verschandeln wollte, ziehen alle Tramzüge rechtzeitig die Stromabnehmer ein und queren im Batteriebetrieb die weite Fläche.

Erst an der nächsten Haltestelle wird die Oberleitung wieder angezapft. Die stromlose Distanz ist allerdings deutlich kürzer als die Trasse durch den Englischen Garten. Übrigens hat es auch in München schon einmal einen Batteriebetrieb bei der Trambahn gegeben - von 1900 bis 1906. Damals zogen Akkuloks die Züge durch die südliche Ludwigstraße, weil an der städtebaulich imposanten Stelle "auf allerhöchste Veranlassung" des Prinzregenten auf eine Fahrleitung verzichtet werden musste.

Akku-Tram als Hintertürchen

Auch bei der Verweigerung der Baugenehmigung 1991 haben die Fahrleitungsmasten eine wesentliche Rolle gespielt, rund 50 sollten zwischen den Bäumen aufgestellt werden. Die Regierung von Oberbayern bezeichnete die Trambahn damals als "unverträglichen Fremdkörper" im Gartendenkmal des Architekten Friedrich Ludwig von Sckell - obgleich an derselben Stelle bereits eine asphaltierte Straße durch den Park führt. Weitere Kritikpunkte waren die Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern sowie, außerhalb des Englischen Gartens, die Störung des Autoverkehrs an den Kreuzungen der Franz-Joseph- mit der Leopold- und Kurfürstenstraße sowie am Elisabethplatz.

Zudem zweifelte die Behörde die verkehrliche Notwendigkeit der Linie an. Versuche der Verkehrsbetriebe, gerichtlich gegen das Veto der Regierung vorzugehen, scheiterten. Das Hintertürchen Akku-Tram stand jedoch damals noch nicht zur Verfügung. Die entsprechend leistungsfähigen Batterien wurden erst in den vergangenen Jahren bis zur Einsatzreife entwickelt - und haben so noch eine andere Diskussion aus der Vergangenheit neu angeheizt: die ums Elektroauto.