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Band der Woche:Saibou

Über das Tanzen fand der Münchner in die Hip-Hop-Szene. Nun will er sich als Musiker international einen Namen machen - und dabei an die Wurzeln des Hip-Hop erinnern

Von Anastasia Trenkler

Das München-Bashing muss aufhören. Das ständige Kleinreden - Sinan Saibou hat genug davon. Für den Erfolg müsse ein Rapper nicht erst nach Berlin oder Frankfurt ziehen. "Ich will meine Base hier unterstützen und München auf die Karte packen", sagt der Hip-Hop-Künstler.

Saibou hat große Ziele: Er möchte ganz nach oben, sich nicht nur deutschlandweit, sondern auch international einen Namen machen. Ob ihm das auch gelingen wird? Seine Debüt-Single im vergangenen November war jedenfalls erfolgreich: "Hands Up" zählt auf YouTube etwa 94 000 Klicks - keine schlechte Bilanz für einen Newcomer. Rund zwei Monate später legt der Münchner nach: Am vergangenen Freitag veröffentlichte er seinen zweiten Song "Run It Up". Im Musikvideo joggt Saibou nachts durch das Schlachthofviertel, posiert auf der Tumblingerstraße. "Mit dem Track möchte ich Menschen zum Sport motivieren", sagt der Künstler. Seine visuelle Performance ist Saibou ebenso wichtig wie die Musik. Verantwortlich für den Film war erneut die Münchner Firma "OFF Films". Die Beats lieferte sein Produzent Lehviboy, den Text dazu der Rapper selbst: "Alle Mann, zusammen zieh'n wir an 'nem Strang. Tanzen, rappen, singen: Sie fragen mich, was ich alles kann."

Saibou ist ein Tausendsassa: Der Münchner ist nicht nur Musiker, sondern auch Tänzer, Model, Influencer, Unternehmer und Fitnesscoach - das erklärt auch den sportlichen Motivationstrack. "Ich habe als Kind Fußball gespielt und später mit Box- und Tanztraining begonnen", erzählt der Rapper. Letzteres sollte sein Sprungbrett in die Hip-Hop-Szene werden: Saibou gewann in der Vergangenheit mehrere nationale Tanzwettbewerbe. So wurden Rapper und Produzenten auf ihn aufmerksam. Im Jahr 2018 tanzte er in den Videos von Genre-Größen wie Shirin David und Sido.

Beides waren große Erfolge, doch Saibou wollte mehr: "Als Tänzer spielt du immer nur die zweite Geige", sagt er. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete er deshalb an seiner Karriere als Musiker.

Saibou orientiert sich vor allem an US-amerikanischen Rappern: "Als ich noch ein Kind war, habe ich Tupac und Biggie im Fernsehen gesehen", sagt er. Beide Künstler wurden für den gebürtigen Togolesen zu Vorbildern. Heutzutage vergäßen viele Menschen, wo Rap ursprünglich herkommt. "Hip-Hop ist schwarz. Hip-Hop kommt aus Amerika, eine Kultur, die aus Leid entstanden ist", sagt Saibou. Im Video zu "Hands Up" posiert er mit erhobener Faust - dem Symbol der Black-Lives-Matter-Bewegung.

© SZ vom 25.01.2021
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