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Band der Woche:Elena Rud

Die Münchnerin macht gefühlsvolle und dramatische Musik, die sie selbstironisch als "Melancholic Love Shit" bezeichnet

Was einmal gesagt ist, lässt sich nicht zurücknehmen. Eine Aussage auf offener Bühne erst recht nicht. Manch ein Musiker zerstört sich so seinen Ruf, andere erschaffen ihren eigenen Mythos. Und die Münchner Musikerin Elena Rud? Bei einem ihrer ersten Auftritte sollte sie ihre Musik beschreiben. Ganz spontan antwortete sie: "Melancholic Love Shit" - und traf damit dem Anschein nach einen Nerv. Kaum eine Konzertbeschreibung kommt ohne diese Phrase aus. Sie selbst sieht das gelassen: "Wenn man so dramatische Musik macht wie ich, dann sollte man auch eine gewisse Selbstironie besitzen", sagt sie. Als Künstler dürfe man sich nicht zu ernst nehmen.

Elena Rud, eigentlich Elena Rudolph, hat sich 2016 zu ihrem Solo-Auftritt entschlossen. Schon als Jugendliche hat sie Songs geschrieben. Durch alte Songtexte zu blättern, sei wie ein altes Tagebuch zu lesen. Vielleicht wird es ihr in 20 Jahren ähnlich gehen, wenn die heute 25-Jährige auf ihre Songs zurückblickt. "Songs begleiten einen durch Lebensphasen", sagt sie. "Melancholic Love" ist vermutlich ein Teil davon, auch wenn sie ihre eigenen Texte nicht als traurig, sondern eher als dramatisch beschreiben würde. In "I am right here" thematisiert sie die Gefühle nach einer Trennung, ihr Gitarrenspiel gibt dem Song Tiefe, die Melodie entfaltet eine eigene Dramatik. Ihre Stimme sticht in all ihren Songs hervor: rauchig, vielleicht auch kratzig. Hört man sie singen, meint man, auch etwas Liebevolles in ihrem Gesang zu entdecken.

Songs kann Elena nicht unter Zwang schreiben: "Ein Song gelingt mir nur, wenn mir viel durch den Kopf geht und es irgendwie raus muss", sagt Elena. Sie lässt sich durch vieles inspirieren: Poesie, Musiker wie Alt-J oder Soko, Konzerte. "Du musst dir viel anhören, um viel zu schreiben." Bei Keaton Henson gefallen ihr etwa die Texte: "Eine gute Metapher ist wie ein richtig schöner Kuss", sagt sie. Sich einer Stilrichtung zuzuordnen, fällt ihr schwer. Sie selbst nennt ihre Musik Soft-Grunge, aber auch das sei problematisch, denn: "Mit den blondierten Haaren sehe ich aus wie eine billige Kopie von Kurt Cobain", sagt sie selbstironisch.

Mit Monaco Sessions konnte Elena ein Video zu ihrem Song "Mayhem" aufnehmen. Der Drehort war ein Antiquariat in Schwabing, ein Raum voll mit dekorierten Spiegeln, an der Decke hängen alte Lampen und Kronleuchter. Passend, zumindest aus ihrer Sicht: "In Mayhem geht es ja auch darum, dass du viel reflektierst", sagt sie. Wo also, wenn nicht in einem Laden mit Spiegeln? Michael Wolf von den Monaco Sessions zählt Elena inzwischen zu ihren Freunden, mit ihm plant die Musikerin auch schon etwas Neues. Was genau, darf sie allerdings noch nicht sagen.

Um die Münchner Musikszene zu beschreiben, nutzt sie Adjektive wie "dankbar", "multikulturell" und "offen". Elena nahm beim diesjährigen Sprungbrett-Wettbewerb im Feierwerk teil, aber den Wettbewerbscharakter hat sie nur am Rande wahrgenommen. "Wir haben uns immer gegenseitig gefeiert", sagt sie. Die Singer-Songwriterin Victoryaz steht ihr sehr nahe: "Sie stand einfach mal in der Wohnung, und ein paar Wochen später waren wir beste Freunde", sagt Elena. Sie sind schon öfter am selben Abend aufgetreten, eine Bühne geteilt haben sie aber noch nicht. Vielleicht sind dafür die Stile zu verschieden. Für die Zukunft schließt Elena eine Zusammenarbeit allerdings nicht aus.

Bald wird Elena mit Band auftreten, für sie wird das ungewohnt sein. "Es ist ein bisschen wie auf dem Rummel zu sein und Achterbahn fahren zu wollen. Du weißt, es wird Spaß machen, aber trotzdem hast du Angst." Sie wird weniger Gitarre spielen, muss auf andere Aspekte bei den Auftritten achten. Gerade schreibt sie an neuen Songs. "Ich bin gespannt, wie die nächsten Monate für mich werden." Am 18. Juli tritt sie in der Glockenbachwerkstatt auf, das erste Mal mit Band.