Ausstellung:Typologie der Leere

(Foto: Susanne Görtz)

Die Fotografin Susanne Görtz spürt der Ästhetik von U-Bahn-Plakatwänden nach.

Plakatwände sind etwas Alltägliches - auf den Straßen, an den Wänden der Rolltreppen und den Bahnsteigen der U-Bahnstationen. Besser gesagt: Sie waren etwas Alltägliches. Denn die auf Papier gedruckten Wandeinlassungen verschwinden zusehens aus dem öffentlichen Raum. Das analoge Bildmedium wird nach und nach durch digitale Displays mit Bewegtbildern ersetzt. Und wenn früher der Blick auf die Plakatwand ohne viele Worte von einer einfahrenden U-Bahn verstellt wurde, so wird die nahende Ankunft des Zuges nun auf dem Display rechtzeitig angekündigt. Die Münchner Fotografin Susanne Görtz hat diese Entwicklung einer fotografischen Diagnose unterzogen. Mit der Kamera ist sie durch die Münchner U-Bahnstationen gestreift und hat den Prozess des Entschwindens dokumentiert. Dabei setzt sie nicht auf den Effekt des Vorher und Nachher, sondern richtet den Blick auf einen Zustand, in dem die alten Plakate bereits entfernt, die digitalen Displays aber noch nicht montiert sind. Eine Art Typologie unbespielter Werbeflächen ist so entstanden, die eine subtile Ästhetik strukturierter Leere offenbart - Beton- und Aluplatten, abgeschabte, angemoderte Flächen und manchmal noch ein Plakatrest. Zu sehen sind diese Bilder nun unter dem Titel "dis/play" im CoMA, Container of Modern Art, Atelierstraße 4, im Werksviertel. Die Vernissage ist an diesem Freitag, 22. Februar, 18 Uhr. Danach ist die Ausstellung am Samstag, 23. Februar, von 16 bis 20 Uhr sowie am Sonntag, 24. Februar, von 16 bis 19 Uhr zu besichtigen. Die Künstlerin wird an allen Ausstellungstagen anwesend sein.

© SZ vom 22.02.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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