bedeckt München
vgwortpixel

Ausstellung:Der Stenz und seine Stadt

Dietls Thema waren die Siebziger und Achtziger des vorigen Jahrhunderts.

(Foto: Robert Haas)

Das Literaturhaus widmet sich dem Leben und Werk von Helmut Dietl

Wenn man böse wäre, könnte man sagen: Jetzt lasst ihn halt mal in Ruhe, oder, in dem ihm eigenen Idiom: Jiatz lasstzn hoid amoi in Rua. Aber zu reizvoll ist das sich Erinnern an den Mann und sein Werk, besser: an diese höchst symbiotische Kombination, aus der - in summa - köstlichste filmische Autobiografie entstand.

Kein Wunder, dass man nun Helmut Dietl auch im Literaturhaus Referenz erweist. Bilder und Texte, zur Verfügung gestellt von des Regisseurs Witwe Tamara Dietl, erklären vielleicht, wie dem frankophilen Bayern TV-Figuren erwuchsen, die als Klischee "Der ewige Stenz" in tausend Wiederholungen ewig weiterleben werden. Und wie viel ein solcher Stenz Dietl selber gewesen sein mag.

Kuratiert hat die Ausstellung Claudius Seidl, Feuilletonchef der FAS und in der Kunst der Selbstinszenierung Helmut Dietl immer dicht auf den Fersen. Der gebürtige Franke und über viele Jahre hin Wahlmünchner pflegt also eine gewisse Seelenverwandtschaft zu seinem Helden, was der Inszenierung der Dietl-Devotionalien sicher nicht geschadet hat. Dietls Thema waren die Siebziger und Achtziger des vorigen Jahrhunderts. Die Schicki-Mickis von damals leben heute, im besten Falle, in Seniorenresidenzen.

Trotzdem ist die Begeisterung vor allem für die TV-Serien Münchner Geschichten, Der ganz normale Wahnsinn und Kir Royal auch bei den Nachfolgegenerationen ungebrochen. So werden sich die Kinder und Kindeskinder der Ur-Dietl-Fans an hier gezeigten Kuriosika wie der gelben Chinalackdose aus dem "Wahnsinn" erbauen und in den Augen der Dietl-Porträts jene Mischung aus Listigkeit, Liebe und Traurigkeit lesen können, die der Monaco-Franze-Erfinder seiner zentralen Figur in die Seele schrieb und zeichnete.

Er selbst hatte ja nicht viel Aufhebens um sein Leben und seinen Tod gemacht, nur so viel, dass er irgendwie immer präsent blieb. Insofern hätte er wohl schon ein bisschen Freude an dieser Schau.

A Riesenidee is des!, Eröffnung: Donnerstag, 13. Oktober, 19.30 Uhr (ausverkauft), Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 089 29 19 34 27