Aus dem Erbe Sigi Sommers Der Cowboy-Club lässt Federn

Gruppenbild mit Hüten und Federschmuck: Fred Sommer fertigte die Haube vor knapp 90 Jahren, nun hat sie der Cowboy-Club im Stadtmuseum an Direktorin Isabella Fehle (mit Handschuh) übergeben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Verein schenkt dem Stadtmuseum einen Kopfschmuck - er erzählt ein besonderes Kapitel Münchner Geschichte

Von Anna Hoben

Sie erinnert sich noch gut an die geheimnisvollen Ausflüge von Vater und Onkel. Hinter dem Mathäser gebe es Federn zu kaufen, so viel bekam sie mit. Helga Lauterbach-Sommer war damals noch ein Kind: die Tochter von Hermann Sommer, die Nichte von Fred Sommer. Die beiden hatten zusammen mit Martin Fromberger den Münchner Cowboy-Club gegründet, der mittlerweile seit 105 Jahren besteht. Das ist zwar ein etwas unrunder Geburtstag, aber was macht das schon, wenn man es zum Anlass für eine schöne Geste nehmen kann? Und deshalb haben die Western-Enthusiasten am Donnerstag dem Stadtmuseum ein besonderes Geschenk gemacht: eine Kriegsfederhaube, gefertigt von Fred Sommer.

Irgendwann Ende der Zwanziger- oder Anfang der Dreißigerjahre ist sie wohl entstanden, vermutet Herbert Köpf. Er zögert kurz, wenn man ihn nach seinem Namen fragt, denn "eigentlich" sei er Billy, "als Herbert kennt mich keiner". Billy also, Billy Cherokee, so heißt der 73-Jährige in seiner Funktion als Vorstand des Cowboy-Clubs. Zum 100. Geburtstag des Vereins hat es im Stadtmuseum eine Ausstellung gegeben, "Sehnsucht nach dem Wilden Westen" hieß sie. Damals schenkte der Verein dem Museum das Indianerkostüm von Fred Sommer: Lederjacke, Hose, Mokassins, Gürtel, Halsketten. Die Haube mit den Adlerfedern, aus dem Nachlass von Fred Sommers Sohn Sigi, dem bekannten Münchner Journalisten, lieh er nur aus, dann kam sie wieder ins eigene kleine Museum auf dem Gelände des Clubs an der Floßlände in Thalkirchen. Dort haben sie ihre Ranch, mit Saloon und Pferden und allem, was dazu gehört. Dort verkleiden sich die ungefähr 100 Mitglieder als Cowboys und Indianer, dort leben sie ihre Sehnsucht nach einer lange vergangenen Zeit.

Was kümmert es sie, dass manche Wissenschaftler das, was sie tun, kritisch sehen: die sogenannte "kulturelle Aneignung", das Übernehmen von Elementen einer Minderheitenkultur durch eine Mehrheit? Ist es nicht auch so, dass dies zu einem kulturellen Austausch beitragen kann? Und außerdem, wer wollte ihnen ihren Traum nehmen, den Traum von grenzenloser Freiheit, welche die Gründer des Clubs einst in Nordamerika vermuteten, wie so viele ihrer Zeitgenossen?

Nach der Ausstellung im Stadtmuseum 2013 gab es immer wieder Diskussionen über einen möglichen Verkauf der Sommerschen Federhaube ans Stadtmuseum; allein, man konnte sich nicht einigen über den Preis für das wertvolle Stück mit den 30 Adlerfedern. Mit der Schenkung haben sie es nun anders gelöst. Schließlich sei das Bild erst mit Federschmuck komplett, erklärt Billy alias Herbert Köpf. "Eine noble Geste", findet Helga Lauterbach-Sommer, im Club ist sie Ehrenmitglied.

Die Museumsdirektorin freut sich jedenfalls kolossal darüber: "Die Haube hat einen ganz eigenen, hohen Erinnerungswert", sagt Isabella Fehle, die am Donnerstag gleich auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde, Indianername "Guardian of the War Bonet", Hüterin der Kriegshaube. Vereinsgeschichte sei auch Stadtgeschichte, "das ist für uns ganz wichtig". Für die Ausstellung war der Federschmuck bereits aufwendig restauriert worden, nun kommt er erst einmal ins Depot, "und dann schauen wir, wann es einen Anlass gibt, das ganze Kostüm auszustellen".

Das Original übrigens, nach dem Sommer, der Hobby-Indianer, vor 90 Jahren seinen Kopfschmuck fertigte, ist immer noch im Besitz des Vereins. Es gehörte einem Sioux-Indianer, der in München im Zirkus auftrat. Helga Lauterbach-Sommer erinnert sich noch genau, wie es war, wenn ihr Onkel die Schachtel holte. Wie es roch, wie das rosa Seidenpapier raschelte, welches Ereignis es war für die Cousinen und Cousins, wenn sie die Federhaube aufgesetzt bekamen. Wer nicht zum Zug kam, musste bis zu den nächsten Ferien warten. Oder er bekam dafür die Friedenspfeife.