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Aubing:Menschen am Kanal

Venedig

Kaffeepause im Cannaregio: Abseits der touristischen Trampelpfade findet man auch ruhige Ecken in Venedig.

(Foto: Klaus Bichlmayer/oh)

Klaus Bichlmayer erkundet Venedig mit der Kamera

Von Ellen Draxel, Aubing

Sein Herz an Venedig zu verlieren, ist leicht. "La Serenissima", die "Durchlauchtigste", wie die einstige Republik noch heute genannt wird, verfügt über einen Zauber, dem man sich als Besucher weder entziehen kann, noch will. Das liegt zum einen an den charmanten Kanälen und Brücken, die die Lagunenstadt wie ein Netz durchziehen. Zum anderen liegt es an den historischen Gebäuden, von denen viele ihre eigene, wechselvolle Geschichte erzählen.

Vor allem aber ist es diese besondere Atmosphäre, die in Venedig zu spüren ist, und die den Reiz der Weltkulturerbe-Stadt ausmacht. Ein Flair, das transportiert wird von den Menschen, das seinen Ausdruck aber auch in vielen kleinen Details findet, an Hauswänden enger Gässchen oder auf den belebten, meist von einer Kirche dominierten Plätzen.

Diesen speziellen Charme hat Klaus Bichlmayer mit seiner Kamera einzufangen versucht. Seit er Venedig Anfang der Achtzigerjahre zum ersten Mal mit seiner Gattin besucht hat, ist der Aubinger fasziniert von dieser einmaligen Stadt. In den Wintern 2019 und 2020, noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, machte er sich deshalb zu seinen Fotoreisen nach Venedig auf. Eine Ausstellung im Ubo 9, die noch bis zum Sommer zu sehen ist, sobald die Türen des Kulturzentrums an der Ubostraße 9 wieder geöffnet werden dürfen, zeigt in 21 Bildern so etwas wie die Quintessenz aus einer Sammlung von 500 bis 600 Exemplaren.

Hochglanzaufnahmen vom Markusplatz, der Rialtobrücke oder Szenerien mit üppig geschmückten Gondeln im Canal Grande werden Besucher in der Ausstellung vergeblich suchen. "Diese Motive", erklärt Bichlmayer, "machen alle Touristen". Der heute 70-Jährige wollte etwas anderes: Sein Ziel war es, "ein Venedig zu zeigen, wie man es sonst nicht sieht". Mit Charakterköpfen in dicken Winterklamotten. Mit Ecken, die sich bei genauerem Hinschauen überall in der Stadt finden, im Gewusel der Massen aber leicht übersehen werden. Den Hinweis "Fire Exit" etwa, der mit schwarzer Farbe an viele Wände gemalt ist, die an eine Wasserstraße grenzen. Ein Pfeil legt nahe, dass Fliehende, wenn es brennt, doch bitte einfach in den Kanal springen sollen. Oder die kuriosen Sitzgelegenheiten, die in den weniger stark frequentierten Vierteln Venedigs zum Pausieren einladen: barocke Sessel, einfache Holzhocker oder auch eine komplett aus uralten Folianten gebaute Treppe samt Plattform.

Es gibt Bilder in der Ausstellung, auf denen sieht man Menschen flanieren, im Vaporetto durch die Kanäle fahren, im Restaurant am Rand eines Kanals einen Kaffee nehmen oder für ein Fotoshooting posieren. Auch Porträts zeigt Klaus Bichlmayer: Auf einem seiner Lieblingsbilder ist eine Frau zu sehen, die am Bootsanleger auf ein Schiff wartet - und ganz offensichtlich nicht weiß, dass die Kamera auf sie gerichtet ist. Die Aufnahme wirkt geheimnisvoll und magisch, besonders neben der Ansicht der bei Nacht angestrahlten Kirche San Giorgio Maggiore. Ein anderes Gesicht ist das eines bekannten Masken-Herstellers, in dessen Atelier der Aubinger eingeladen wurde. Bichlmayer hat ins Visier genommen, was nicht nur in der Lagunenstadt, aber dort vielleicht mehr als in anderen italienischen Städten zu erleben ist: Die Kunst der Italiener, das Schöne und den Genuss mit dem Pragmatischen zu verbinden. Dabei hat dem passionierten Fotografen geholfen, dass er nicht alleine unterwegs war: Bei allen drei Reisen wurde er von renommierten Profis unterstützt. Entweder war Sportfotograf Rainer Martini mit von der Partie - oder John McDermott.

Ein Teaser auf Youtube (https://kurzelinks.de/n69p) ermöglicht einen ersten Vorgeschmack auf die Ausstellung "La Serenissima". Die Vernissage konnte coronabedingt bislang nicht stattfinden, wird aber bei nächstbester Gelegenheit nachgeholt.

© SZ vom 13.02.2021
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