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Asylbewerber in der Bayernkaserne:Catering statt Essenspaket

Statt mit Essenspakten werden die Flüchtlinge in der Bayernkaserne mit fertigen Mahlzeiten versorgt.

(Foto: Catherina Hess)

Die Bezirksregierung von Oberbayern stellt die Versorgung von Asylbewerbern in der Bayernkaserne auf Catering um. Kritik kommt von der SPD: Als Reaktion auf die Forderung, die Essenspakete abzuschaffen, den Flüchtlingen jetzt das Kochen zu nehmen, sei an Zynismus nicht zu überbieten.

Von Thomas Kronewiter

Drei Mahlzeiten am Tag, mindestens eine davon warm - das sind die Pläne für den Ausbau des Caterings in der Bayernkaserne. Die Unterkünfte, die die Regierung von Oberbayern und die Stadt München für Flüchtlinge, Wohnungslose sowie als Kälte-Notquartier nutzen, werden bis zum Jahresende auf eine Kapazität von bis zu 1600 Menschen ausgebaut. Bis dahin will man die Ausgabe von Essenspaketen an Flüchtlinge ganz aufgeben - zu Gunsten der Bewirtung.

Diese Art der Verköstigung wird nicht nur in den Dependancen an der St.-Veit-Straße in Berg am Laim und im Flüchtlings-Hotel Pollinger in Aubing bereits praktiziert, auch in der Bayernkaserne gibt es Catering für einzelne Häuser schon seit Monaten. Stefan Frey, Sprecher der Regierung von Oberbayern, konstatiert "gute Erfahrungen" - eine Einschätzung, die Elisabeth Ramzews bestätigt.

Die Leiterin des Sozialdienstes für Asylbewerber der Inneren Mission sieht in einer Kantine angesichts des Ansturms von Flüchtlingen die "einzige logistische Möglichkeit". Das Catering komme gut an, man gehe auf die unterschiedlichen Kulturen ein. Es gebe beispielsweise kein Schweinefleisch, auch im Fastenmonat Ramadan habe sich der Betreiber auf die Ernährungsgewohnheiten der Muslime eingestellt: "Es wurde nachts ein Essen angeboten und vor Sonnenaufgang ein Frühstück." Ramzews hält sich mit Kritik auch deshalb zurück, weil erwachsene Asylbewerber kaum noch länger als vier bis fünf Wochen in der Erstaufnahme verweilen.

Regierungssprecher Frey sieht zur Bewirtung kaum Alternativen: Das Asylbewerberleistungsgesetz schreibe bundeseinheitlich für Erstaufnahmeeinrichtungen vor, "dass Asylbewerber mit Nahrungsmitteln in Form von Sachleistungen versorgt werden". Bei der anschließenden Unterbringung in staatlichen Unterkünften, in Landkreisen oder Städten will die Regierung von Oberbayern die Verpflegung künftig flexibel handhaben.

"Derzeit berichten uns Kreisverwaltungsbehörden, welche Erfahrungen sie im Rahmen der dezentralen Unterbringung mit Gutschein-System, Shop-System oder Barauszahlung gemacht haben." Danach will die Regierung entscheiden.

Einen Laden auf dem Kasernengelände sähe auch die Innere Mission langfristig als richtige Lösung für Freimann. Kritik am Catering übt die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias: Als Reaktion auf die Forderung, die Essenspakete abzuschaffen, den Flüchtlingen jetzt das Kochen zu nehmen und ihnen "auch noch vorzuschreiben, wann sie essen sollen, ist an Zynismus nicht zu überbieten", sagte sie am Freitag.

© SZ vom 26.10.2013

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