Architekten-Entwürfe So soll der neue Bayerische Rundfunk aussehen

Rundfunk im Grünen: Der Siegerentwurf der Architekten Fritsch + Tschaidse (zusammen mit Jörg Stötzer, Landschaftsarchitekt Stuttgart). Weil es bei dem Wettbewerb zwei erste Sieger gibt, müssen die Büros ihre Entwürfe in den kommenden Monaten überarbeiten, erst dann entscheidet der BR, wer den Großauftrag erhält.

(Foto: Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH)
  • Der Bayerische Rundfunk rüstet sich auch räumlich für die Zukunft des Journalismus:
  • Damit Fernsehen, Radio und Online-Journalismus zusammenwachsen können, soll auf dem BR-Gelände in München-Freimann ein neuer Gebäudekomplex mit zentralem Newsroom entstehen.
  • BR-Intendant Ulrich Wilhelm stellte am Sonntag in München zwei Entwürfe für die Neubauten vor, die es in die letzte Runde des Architekturwettbewerbs geschafft haben.
Von Thomas Anlauf

Der Bayerische Rundfunk (BR) wird seinen Münchner Standort schwerpunktmäßig nach Freimann verlagern. Künftig sollen auf dem Gelände in den Isarauen die Sparten Fernsehen, Hörfunk und Online zusammengefasst werden. Für maximal 160 Millionen Euro soll dort ein Aktualitätenzentrum mit einem multimedialen Newsroom sowie ein "Wellenhaus" entstehen, in dem die Hörfunkprogramme ihren Sitz haben werden. Der Standort in Unterföhring, wo sich unter anderem die Studios für die Aufzeichnung von Fernsehspielen oder Unterhaltungssendungen befinden, wird aufgegeben und das Grundstück verkauft. Auf dem BR-Gelände zwischen Arnulf- und Marsstraße werden wohl mehrere Gebäude abgerissen und auch Teile des Grundstücks verkauft.

Bis 2021 sollen die geplanten Gebäude im Münchner Norden fertiggestellt sein. Am Sonntag stellte BR-Intendant Ulrich Wilhelm die Siegerentwürfe eines EU-weiten Ideen- und Realisierungswettbewerbs vor. Die 15-köpfige Jury hatte sich in einer neunstündigen Sitzung am Freitag nur auf zwei erste Preise einigen können. Sie gingen an das Münchner Büro Fritsch + Tschaidse Architekten mit Landschaftsarchitekt Jörg Störzer sowie an Kadawittfeldarchitektur aus Aachen mit Atelier Thomas Pucher und Greenbox Landschaftsarchitekten. Die Wettbewerbssieger müssen ihre Entwürfe in den kommenden Monaten überarbeiten, erst dann entscheidet der BR, wer den Großauftrag erhält.

Der zweite Siegerentwurf von kadawittfeldarchitektur, Aachen (zusammen mit Atelier Thomas Pucher, Graz/Österreich mit Greenbox, Landschaftsarchitekten Köln)

(Foto: kadawittfeldarchitektur, Aachen)

"Beide Siegerentwürfe sind sehr unterschiedlich und haben jeweils große Stärken", sagte BR-Intendant Wilhelm am Sonntag. Die einstimmige Entscheidung der Jury sei erst nach "intensivem leidenschaftlichen Ringen" gefallen. Die Aachener Architekten planen vom Eingang an der Floriansmühlstraße einen Boulevard, an den sich alte und neue Gebäude reihen. Das vom BR geforderte Aktualitätenzentrum und das Wellenhaus ist nach den Entwürfen von Kadawittfeldarchitektur ein polygonaler Gebäudekomplex mit einem großen Newsroom im Zentrum. Das bestehende Produktionszentrum soll in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Medienzentrums sein. Die Münchner Architekten Fritsch und Tschaidse haben sich für einen flachen Doppelriegel entschieden. Auch hier befindet sich das Wellenhaus und das Aktualitätenzentrum in einem Gebäudekomplex, der mit einer sogenannten Medientrasse zentral verbunden ist.

Beide Architekturbüros haben übrigens auch Bauprojekte in München: In Riem ist Kadawittfeldarchitektur am Bau des Brainlab Headquarters mit dem ehemaligen Flughafentower beteiligt. Fritsch und Tschaidse zeichnen unter anderem für das Zentrum für Energie und Information der TU München in Garching verantwortlich.

Hier soll der neue BR gebaut werden.

(Foto: )

Baubeginn für das Projekt, für das es einen Kostenrahmen von maximal 160 Millionen Euro gibt, ist für Ende 2017 vorgesehen. Ursprünglich sollte bereits im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden. Finanziert werden sollen das künftige Aktualitätenzentrum mit Wellenhaus vor allem aus langfristigen Krediten, die den aktuellen Etat bis 2018 nicht belasten, wie Wilhelm betonte. Die derzeit niedrigen Zinsen seien dabei von Vorteil. Die Baukosten "werden wir über 25 Jahre finanzieren", sagte BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel. Man setze jedoch alles daran, unter dem Finanzrahmen für die reinen Baukosten zu bleiben.

Auch die Grundstücke in Unterföhring und in der Münchner Innenstadt, die der BR verkaufen will, tragen wohl zur Finanzierung bei. Derzeit laufen Überlegungen, das Kantinengebäude in der Innenstadt abzureißen, auch ein älterer Studiobau könnte abgerissen werden, dieser sei "nicht flächeneffizient", so Wilhelm. Das historische Riemerschmid-Gebäude und das BR-Hochhaus an der Arnulfstraße seien von einem Abriss nicht betroffen, heißt es beim BR. Für die möglicherweise frei werdenden Grundstücke auf dem Innenstadt-Areal gibt es offenbar schon Interessenten.

Miteinander statt nebeneinander

Mit dem neuen Medienzentrum im Münchner Norden sollen die Sparten Hörfunk, Fernsehen und Online endgültig logistisch zusammengeführt werden. Dort sollen die verschiedenen Redaktionen statt nebeneinander künftig zusammen arbeiten. "Die medienübergreifende Zusammenführung unserer Redaktionen ist unerlässlich, wenn wir den sich rasant verändernden Mediennutzungsgewohnheiten Rechnung tragen wollen", so Wilhelm.

Die Entscheidung für den Standort Freimann fiel in eine Zeit, wo ohnehin massive Sanierungen an zahlreichen Gebäuden des Bayerischen Rundfunks anstanden. "Angesichts großer Sanierungslasten stand der BR vor der Alternative, entweder viele Millionen in die Sanierung des Altbestands zu investieren, oder gezielt für die digitale Zukunft zu bauen." Auch aus wirtschaftlichen Aspekten habe man sich für den Neubau entschieden. Den Standort in der Münchner Innenstadt auszubauen wäre laut Wilhelm erheblich teurer geworden. Dort sollen weiterhin Teile der Verwaltung, die Orchester, aber auch noch Teile der Redaktion verbleiben. Auch Veranstaltungen soll es auf dem Innenstadt-Gelände geben. Insgesamt wird sich der BR jedoch flächenmäßig verkleinern.

Die Fusion von Rundfunk, Fernsehen und Online beim BR zur sogenannten Trimedialität ist noch längst nicht abgeschlossen. Mit den Entwürfen für das neue Medienzentrum hat die Rundfunkanstalt aber nun die Möglichkeit, die Gebäude mit Rücksicht auf die künftige Organisationsstruktur zu entwickeln. Das ehrgeizige Projekt nennt sich stolz "BR hoch drei". BR-Mitarbeiter bezeichnen den Neubau dagegen intern als "Wilhelmsburg".