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Arabellapark:Vertikale Alibi-Gärten

Bürgerinitiative kritisiert Pläne für Wohnturm an der Arabellastraße

Die Arabella 26 Liegenschaftsverwaltung plant an der Arabellastraße 26-28 einen 52 Meter hohen, 16-stöckigen Wohnturm mit begrünten Fassaden, für den gerade der Bebauungsplan erarbeitet wird. Experten lobten schon vorab natürliches Bauen und vertikale Gärten, manche Nachbarn aber sind äußerst skeptisch. Klaus Pflüger, Sprecher der Initiative contra BbP3h neu, einer Bürgerinitiative, die Nachverdichtung kritisch begleitet, erhebt in seiner Stellungnahme Einwände gegen die hohe Baudichte, die komplette Versiegelung des Grundstücks und die "totale Baumfällung", die nicht mehr zu akzeptieren sei, weil gerade erst für den benachbarten Neubau Arabeska zahlreiche Bäume gerodet worden seien. "Bioklimatisch ist der Arabellapark wegen seiner Baudichte bereits heute als sehr prekär einzustufen", heißt es weiter. Auch an der aus seiner Sicht "zaghaft begrünten Fassade" lässt Pflüger kein gutes Haar. Sie diene "lediglich Alibizwecken", im Norden und an der Westseite im Schatten des HVB-Hochhauses werde "kaum etwas wachsen".

In einem Brief an Stadtbaurätin Elisabeth Merk kritisiert Pflüger außerdem, dass die Öffentlichkeit nicht ausreichend beteiligt werde. "Eine so fundamentale und massive Änderung" des Bebauungsplans dürfe nicht im beschleunigten Verfahren durchgeführt werden, 14 Tage seien zu wenig für die öffentliche Auslegung der Pläne in der Stadtbücherei - "noch dazu, wenn sie nur auf Verlangen aus dem verschlossenen Schrank geholt werden". Er vermutet hinter dem Verzicht auf eine öffentliche Vorstellung den Versuch, "möglichem Ärger auszuweichen". Sein Fazit: "Großen Beifall wird dieses ortsfremde Turmbauprojekt bei der Bevölkerung ohnehin nicht gewinnen können, da erfahrungsgemäß wieder nur exklusive Luxus-Wohnungen entstehen werden."

© SZ vom 27.09.2017 / ust

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