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Anklage wegen fahrlässiger Tötung:Wie K. zum Waffenhändler wurde

Offenbar lagen K. und S. ideologisch auf einer Wellenlänge: Der Amokläufer hinterließ vor der Tat ein Manifest mit dem Titel "Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer" auf seinem Rechner. In anderen Botschaften machte er deutlich, dass er Migranten als Tiere und wertlos betrachte. Sprüche, wie sie auch von K. zu hören waren.

Es gibt ein Youtube-Video, in dem ein Mann das Computerspiel Battlefield 4 spielt und brüllt: "Wer hat diese Judenkacke erfunden? (...) Nigger! Das kann nur 'n Kack-Nigger sein!" Viel spricht dafür, dass es K.s Stimme ist. Ein Mitspieler kommentiert amüsiert: "Es gibt nichts Besseres als Philipp, der sich aufregt." Auf K.s Handy sollen Ermittler ein Foto von Hitler, die Abbildung eines Hakenkreuzes und ein Video gefunden haben, in dem K. den Hitlergruß zeigt. Mit dem grüßte er auch gerne im Whats-App-Chat mit seinem besten Freund.

Amoklauf in München "Wir hätten es nicht besser machen können" Video
Polizei München

"Wir hätten es nicht besser machen können"

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins zieht ein Jahr nach der Münchner Amoknacht Bilanz: Über einige Abläufe ärgern sich die Polizisten aber heute noch.

Auch diesen Freund, einen Nachbarn aus den gemeinsamen Kindertagen in Köln, haben die Ermittler vernommen. Wie er aussagte, fiel ihm auf, wie K. sich über die Jahre veränderte. Als junge Erwachsene spielten sie gemeinsam Paintball und Airsoft - Gefechtsspiele mit weitgehend ungefährlicher Munition. Doch K. wollte mehr. Mit Mitte 20 sprach er davon, echte Waffen zu besorgen. Damit lässt sich Geld machen.

Und Geld war bei K. knapp. Er hat einen Hauptschulabschluss, arbeitete mal als Staplerfahrer, mal als Paketkurier, oft hatte er gar keine Arbeit. Zwischenzeitlich war er ein Jahr lang obdachlos. Manchmal musste er sich bei Freunden Geld leihen.

Aber die Waffen, die waren sein Ding - und das Darknet der richtige Raum. Wie jeder dort gab er sich einen Tarnnamen: Rico. Er fuhr in die Schweiz, nach Tschechien, in die Slowakei. Nach einem Jahr fuhr er von dort aus zum ersten Mal mit einer Schusswaffe heim nach Köln. Seinen wichtigsten Kontakt baute er in Tschechien auf. Ein Mann, den er nur unter dem Pseudonym "Hyena" kennt, verkaufte ihm bei mehreren Treffen zehn Pistolen verschiedener Marken. Seinem Freund fiel auf, dass Philipp K. plötzlich immer viel Bargeld bei sich hatte, obwohl er mal wieder arbeitslos war. Den Ermittlern teilte K. mit, dass er sich persönlich mit seinen Kunden traf und bar kassierte - entweder in Köln oder in Marburg.

Anfang August 2016 ist K. noch ein freier Mann. Doch die Zollfahnder haben die Dokumente aus dem Fundus von David S. gesichtet und dabei herausgefunden, dass sie nach einem Darknet-Händler suchen müssen, der sich Rico nennt und Käufer nach Marburg einlädt. Ihnen gehen Kunden von Rico ins Netz - darunter ein 17-jähriger Schüler aus dem Großraum Kassel. Oder Sectorplantone, im echten Leben ein 61-jähriger Unternehmensberater aus einer Stadt am Rande des Sauerlands. Er gestattet der Polizei, seinen Zugang für verdeckte Ermittlungen zu nutzen.

Für die Beamten ist es die Chance, ein Treffen zu arrangieren, um den Verkäufer festzunehmen. Doch sie wissen nicht: Wird Philipp K. wirklich so verblendet oder geldgierig sein, sich wieder auf einen Handel einzulassen? Unter dem Tarnnamen des Ertappten schreiben sie ihm eine Nachricht und fragen nach einer Maschinenpistole. K. antwortet am selben Abend und erzählt freimütig von dem Amoklauf: Der Täter habe die Waffe von ihm, er habe große Angst bekommen. Ob er denn nun noch eine Pistole verkaufen könne, fragen die Ermittler zum Schein. Die Antwort kommt am nächsten Morgen. K. schreibt: Für 5000 Euro wäre die Waffe zu haben.

Seit fast einem Jahr sitzt der mutmaßliche Waffenhändler nun in Untersuchungshaft. In seiner ersten Vernehmung sagt er ganz am Ende, er wolle während der zu erwartenden Gefängnisstrafe vielleicht eine Ausbildung machen und neu starten. Und danach vielleicht wieder ein normales Leben führen.

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