Spanner in München Bürgermeister fotografiert Frauen unter den Rock

Er soll sich auf der Rolltreppe dicht hinter Frauen gestellt und immer wieder auf den Auslöser gedrückt haben. Als ein Passant ihn bemerkte und die Polizei rief, schlug der Spanner um sich und verletzte einen Beamten. Bei dem Mann handelt es sich um den Bürgermeister einer oberbayerischen Gemeinde.

Von Susi Wimmer und Bernd Kastner

Was am Freitag im polizeilichen Pressebericht trocken als "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nach Beleidigung auf sexueller Grundlage" zu lesen war, dürfte in einer oberbayerischen Gemeinde für Wirbel sorgen: Nach SZ-Informationen steht ihr Bürgermeister in Verdacht, am Donnerstagmittag auf der Rolltreppe am Stachus über längere Zeit mit einer Kamera Frauen unter die Röcke fotografiert zu haben. Bei der Festnahme habe er derart um sich geschlagen, dass ein Beamter leicht verletzt worden sei, berichtet die Polizei. Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass der Bürgermeister als Spanner verdächtigt wird.

Am Donnerstag gegen 12.20 Uhr muss sich der 55-Jährige am Münchner Stachus so merkwürdig verhalten haben, dass er einem Passanten auffiel: Immer wieder soll er am Karlsplatz mit einer der Rolltreppen gefahren sein, sich dicht hinter Frauen in Röcken gestellt und dann Fotos geschossen haben. Der Zeuge alarmierte sofort die Polizei. Die Beamten rückten an und nahmen den 55-jährigen Bürgermeister fest.

Das allerdings habe sich der Mann nicht gefallen lassen. Er habe um sich geschlagen und getreten und einem 35-jährigen Polizeibeamten einen Schlag mit dem Ellenbogen in die Rippen versetzt, so berichtet die Polizei. Der Beamte sei leicht verletzt worden, habe aber seinen Dienst fortgesetzt. Zudem habe der 55-Jährige versucht, seine Kamera zu zerstören. Die Polizei habe jedoch die Speicherkarte unversehrt sichergestellt. Als Geschädigte gibt die Polizei eine 25-jährige Frau an. Am Freitagnachmittag war das Gemeindeoberhaupt für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Heimliche Aufnahmen von einer Frau, die sich auszieht

Der 55-jährige Bürgermeister sah sich bereits in den vergangenen Jahren dem Verdacht ausgesetzt, ein Spanner zu sein. Am Ende aber blieb juristisch nichts übrig, er wurde nicht verurteilt: Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen ein, und der Verwaltungsgerichtshof entschied Ende 2012 nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten".

In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht dem Bürgermeister die Bezüge für drei Jahre um ein Fünftel gekürzt. Es ging um einen Vorfall im Januar 2009 auf einem Autobahnparkplatz. Eine Studentin hatte bei der Polizei ausgesagt, dass ein Unbekannter sie in der Toilette belästigt habe. Der Mann habe mit Hilfe eines Spiegels, den er unter der Klotür durchgeschobene habe, versucht, die Frau zu beobachten.

Später will die Frau auf dem Parkplatz einen Mann beobachtet haben, der mit einer blonden Perücke aus der Damentoilette gekommen sei. Ein Freund der Frau notierte sich die Nummer des Autos, in das der angebliche Perücken-Mann stieg. Es gehörte einem Bürgermeister aus einer oberbayerischen Gemeinde.

Als Polizisten wenig später bei ihm klingelten, fanden sie eine Videokamera und zwei CDs. Diese zeigen eine heimlich gefilmte Frau, die sich gerade auszieht. Der Bürgermeister erklärte den Fund dieser Aufnahmen in seiner Wohnung damit, dass sie wohl sein Bruder gemacht habe, dem er die Kamera einmal geliehen habe. Der Bruder aber sei mittlerweile verstorben. Der Bürgermeister bestritt stets die Vorwürfe, ein Spanner zu sein. Obwohl der VGH Zweifel an den Erklärungen des Mannes hatte, entschied er schließlich zu seinen Gunsten, so dass er sein volles Gehalt bekommt.