Allach/Untermenzing:Aus einem Guss

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Allach/Untermenzing: Wohngebiet mit Industriedenkmälern: Das Diamalt-Projekt ist derzeit das größte Bauvorhaben im Stadtbezirk Allach-Untermenzing.

Wohngebiet mit Industriedenkmälern: Das Diamalt-Projekt ist derzeit das größte Bauvorhaben im Stadtbezirk Allach-Untermenzing.

(Foto: Robert Haas)

Das Wohnungsbauprojekt "Diamaltpark" startet, es ist für bis zu 2000 Bewohner geplant

Von Anita Naujokat, Allach/Untermenzing

Eine Park Avenue werde es nicht werden, hat der Vorstand der Isaria Wohnbau AG, Michael Haupt, gleich eingangs eingeschränkt. Doch das Wort Park spielt dennoch eine Rolle: Diamaltpark wird das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Gelände des Backmittel-Herstellers heißen, wie sich bei der Enthüllung der Bautafel zeigte. Es soll zugleich eine Reminiszenz an die historischen Diamalt-Werke sein, die sich dort schon vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt und 1994 endgültig die Tore geschlossen hatten - und zugleich auf den 10 000 Quadratmeter großen Park in der Mitte des Wohnviertels verweisen.

750 Wohnungen für bis zu 2000 Menschen, drei Kindertagesstätten mit 260 Plätzen und 2600 Quadratmeter Freifläche, Gastronomie, Büros, ein Nachbarschaftstreff sollen in Abschnitten, aber aus einem Guss entstehen: Denn die Isaria hat inzwischen das Areal im Süden vom einstigen Co-Partner Münchenbau übernommen, sie ist nun alleiniger Bauherr.

Begonnen wird im Sommer kommendes Jahres mit den ersten zwei Bauabschnitten an der nordöstlichen Ecke der Ludwigsfelder Straße und entlang der Bahn. Sie sehen 160 Wohnungen im geförderten sozialen Wohnungsbau vor, realisiert von Bogevischs Architekten und Stadtplaner aus München, sowie 190 Eigentumswohnungen entlang der Bahnstrecke von der Münchner Niederlassung von msm-Architekten. Danach geht es im dritten Abschnitt entlang der Georg-Reismüller-Straße weiter, ganz zum Schluss soll der südliche Teil mit der ehemaligen Siemens-Halle bebaut werden. "Es wird kein Einheitsbrei werden, wir wollen architektonisch Vielfalt, auch durch verschiedene Architekturbüros", versicherte Isaria-Vorstand Michael Haupt.

Über die Nutzung der beiden noch erhaltenen und unter Denkmalschutz stehenden Komplexe der Suppenwürze-Fabrik und des Werkstättengebäudes wird ein Architektenwettbewerb aus sechs geladenen Büros entscheiden. Beide historische Gebäude sollen durch einen Neubau verbunden werden und den neuen Quartiersplatz einrahmen. Anfang kommenden Jahres soll die Jury tagen. Als "Pionierbau" schmückt das bereits von privat restaurierte und bewohnte frühere Kesselhaus des Werks das Gelände. Auch die historische Mauer entlang der Georg-Reismüller-Straße soll erhalten bleiben. 10 000 Quadratmeter Biotop bekommen die Zauneidechsen entlang der Bahn. Derzeit läuft die Altlastensanierung, von der ganze Berge aus Erde, Schutt und Kies in unterschiedlicher Qualität auf dem Gelände zeugen. Auch das Werkstattgebäude wird provisorisch für eine Musterwohnung und das Vertriebsbüro saniert.

Die CSU-Stadträtin und Vorsitzende des örtlichen Bezirksausschusses, Heike Kainz, verspricht sich von dem Vorhaben ein Quartier mit hoher Wohnqualität. Die Industriedenkmäler machten aus dem Gebiet etwas ganz Besonderes in einer Stadt, die in der Vergangenheit eher von Beamten- und Bürgerhäusern geprägt gewesen sei. Bei so einem Projekt müsse auch die Infrastruktur mithalten. Insofern sei es erfreulich, neue Kitas, eine neue Schule und vielleicht auch ein Kulturbürgerhaus zu bekommen. Letzteres allerdings an anderer Stelle.

200 Millionen Euro an reinen Baukosten investiert die Isaria laut Projektentwickler Michael Dinkel. Nach seinen Schätzungen dürfte es derzeit eines der größten Bauvorhaben in der Stadt sein, im Stadtbezirk Allach-Untermenzing ist es definitiv das bisher größte. Komplett fertiggestellt sein soll es 2021/22. Seit 2011 sei überlegt, geplant, diskutiert, wieder getüftelt, debattiert und geplant worden, erinnerten sich Haupt und Kainz. Insofern sei er ausgesprochen froh, so Michael Haupt, "nach sechs Jahren geistiger Arbeit" endlich den Spaten packen und sagen zu können, jetzt gehe es los.

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