Alfons Biedermann Vom Wilden Westen auf den Nockherberg

Alfons Biedermann schrieb mit Bully den "Schuh des Manitu" - nun soll er das Singspiel auf dem Nockherberg moderner machen.

Von Stephan Handel

Das Wichtigste lernt der Neue gleich am Anfang: "Immer schön das Logo nach vorne", sagt Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt, "und aufpassen, dass die Hand es nicht verdeckt." Der Neue tat, wie ihm geheißen, und reckte vorbildlich das Weißbierglas in die Kameras.

Der neue Autor Alfons Biedermann will seine Darsteller in einem Casting finden - und insgesamt moderner werden.

(Foto: Foto: dpa)

Alfons Biedermann wird das Singspiel für die Salvatorprobe 2010 auf dem Nockherberg schreiben - eine nicht geringe Überraschung, die die Brauerei und der Bayerische Rundfunk am Dienstagmittag präsentierten.

Das Singspiel auf dem Nockherberg und seine Qualität werden in München jedes Jahr mit ähnlicher Inbrunst diskutiert wie der Maßpreis auf der Wiesn und die Dauerkrise des TSV 1860. Deshalb auch waren in den letzten Tagen zahllose Namen durch die Stadt geschwirrt, denn klar war, dass bald eine Entscheidung fallen musste, damit alles noch fertig wird bis zum 4. März 2010: Ganz Verwegene waren sicher, dass das neue Team aus Markus H. Rosenmüller, Christian Stückl und Hannes Ringlstetter bestehen würde, auch Christian Tramitz wurde in der Gerüchteküche gehandelt.

Das zumindest ging in die richtige Richtung, denn Alfons Biedermann stammt wie Tramitz aus der Bully-Herbig-Entourage; er hat am "Schuh des Manitu" mitgearbeitet, am "(T)Raumschiff Surprise", an "Lissi und der wilde Kaiser" und zuletzt an "Wickie und die starken Männer" - allerdings eher im Hintergrund, als Drehbuchautor und Regisseur. Auch bei Herbigs Fernsehformaten war er dabei, nachdem er seine Karriere zunächst als Werbetexter begonnen hatte.

40 Jahre ist Biedermann alt, und laut Andreas Steinfatt die Gewähr dafür, dass das Singspiel "moderner und jünger" werden wird. Das kann durchaus auch als Spitze gegen das bisherige Autorenteam verstanden werden, Uli Bauer und Holger Paetz sowie die Regisseurin Eva Demmelhuber. Die drei hatten nach der Salvatorprobe 2009 bekanntgegeben, nicht mehr zur Verfügung zu stehen, der Vorwurf der Zensur, der politischen Einflussnahme durch die Brauerei stand im Raum.

Das wies Steinfatt erneut zurück: Am Text seien ein Satz und halber gestrichen worden, die nach seiner Meinung unter die Gürtellinie gingen, mehr, sagt Steinfatt, war nicht. Trotzdem: "Schade, dass das nach zwölf Jahren so enden musste."

Uli Bauer war seit vielen Jahren nicht nur als Autor am Singspiel beteiligt, sondern auch auf der Bühne, als Christian-Ude-Double, wo er in guten Momenten dem OB ähnlicher war als dieser sich selbst. Dennoch will Alfons Biedermann ihm keinen Freibrief ausstellen: Ein Casting will er veranstalten und so die besten Besetzungen für die jeweiligen Rollen finden. Ob Bauer sich bewerben will, ist nicht bekannt. Politiker-Doubles soll es auf jeden Fall weiter geben, welche Staatsmänner sich jedoch darauf einstellen müssen, derbleckt zu werden, konnte Biedermann noch nicht sagen: "Die Politiker sind alle so lustig momentan."

Leichter will er das Singspiel machen, nicht so "wahnsinnig politisch kompliziert" - ebenso ein kleiner Seitenhieb auf die Vorgänger wie der Hinweis, er möge keine "zusammengenagelten Bühnenbilder mit viel Pappmaché". Stattdessen will er technische Möglichkeiten mehr nutzen, auch die der Beleuchtung, was sich bei einer Fernsehübertragung ja grundsätzlich anbietet.

Die Salvatorprobe 2009 fand nicht, wie seit Jahren üblich, mittags statt mit Ausstrahlung der Aufzeichnung am selben Abend: Der zunächst vorgesehene Termin wurde abgesagt, weil einen Tag zuvor der Amoklauf von Winnenden das Land in Trauer gestürzt hatte und vor allem zahlreiche Politiker fanden, sie könnten sich in solchen Tagen schlecht fidel beim Starkbier zeigen.

Als zunächst kein Ausweichtermin gefunden werden konnte, entschlossen sich Brauerei und BR, am Abend einzuladen und live zu übertragen - eine gute Entscheidung, wie BR-Sprecher Rudi Küffner findet: 40 Prozent Einschaltquote in München, mehr als zwei Millionen Zuschauer bundesweit, solche Quoten hat das Bayerische Fernsehen auch nicht jeden Tag. Deshalb werde es beim Live-Modus auch in diesem Jahr bleiben - "da entsteht eine ganz andere Spannung", findet Andreas Steinfatt, womit er meint, dass er heuer seine Begrüßungsrede abbrechen musste, weil die Übertragung beginnen sollte.

Helfer aus dem Norden

Die Fastenpredigt wird auch 2010 Michael Lerchenberg als Bruder Barnabas halten, nachdem er als Stoiber-Double überflüssig geworden ist. Hier sieht Alfons Biedermann einen reizvollen Kontrast: Die harte Predigt, und dann das "unterhaltsame Aufatmen" beim Singspiel. "Was Junges, Spritziges, was ganz Außergewöhnliches", will Andreas Steinfatt sehen und glaubt, die Garantie dafür auch bei den beiden Mitstreitern Biedermanns zu finden: Mit dem Komponisten Martin Lingnau hat Biedermann zuletzt beim "Schuh das Manitu"-Musical zusammengearbeitet und er hört nicht auf, seine Qualitäten in den höchsten Tönen zu preisen.

Als Liedtexter und Co-Autor wird Heiko Wohlgemuth mitwirken, Schauspieler, Sänger und Regisseur. Er hat jedoch wie Lingnau ein Manko - beide stammen aus dem Norden, aus Wilhelmshaven der eine, aus Ostfriesland der andere. Das will der gebürtige Münchner Biedermann ausgleichen, der betont: "Ich kann auch Bairisch."

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