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Verkehrsunfälle in München:Schon drei tote Radler

Polizist stoppt Fahrradfahrer in München.

Von Montag an wird die Polizei wieder verstärkt Radfahrer, aber auch Autofahrer und Fußgänger im Straßenverkehr kontrollieren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Lkw-Fahrer übersieht einen 82-jährigen Radfahrer - für den Mann kommt jede Hilfe zu spät. Er ist das dritte Opfer, das in diesem Jahr bei einem Radunfall in München stirbt. Jetzt will die Polizei verschärft kontrollieren.

Von Florian Fuchs

Es war 6.40 Uhr am Donnerstagmorgen, als der Lkw-Fahrer den 82 Jahre alten Radfahrer offenbar übersah. Der 62 Jahre alte Kraftfahrer wollte von der Ingolstädter Straße in den Frankfurter Ring abbiegen, der 82-Jährige wollte geradeaus auf der Ingolstädter Straße weiterfahren. Jede Hilfe für den Rentner kam zu spät - er geriet unter die Hinterräder des 26-Tonners und starb noch am Unfallort.

Dass das Thema Radsicherheit an diesem Tag derart aktuell sein würde, "das konnte niemand ahnen", sagte Polizeivizepräsident Robert Kopp nach dem Unfall. Er war zusammen mit Norbert Bieling, Leiter der Verkehrsabteilung im Kreisverwaltungsreferat (KVR), ins Polizeipräsidium gekommen, um die nächste Schwerpunktaktion "Gscheid radln - aufeinander achten" vorzustellen. Von Montag an wird die Polizei wieder verstärkt Radfahrer, aber auch Autofahrer und Fußgänger im Straßenverkehr kontrollieren. "Vielleicht können wir so weitere Unfälle vermeiden", sagte Kopp.

Radfahren ist in den vergangenen Jahren insgesamt sicherer geworden in München, wenn man die Unfallzahlen als Maßstab nimmt. So ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent auf knapp 2400 zurückgegangen. Allerdings war 2013 noch immer beinahe jeder zweite Schwerverletzte im Straßenverkehr ein Radfahrer.

In diesem Jahr gab es bereits drei tödlich verunglückte Radler, so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Das hauptsächliche Unfallursache seien noch immer die Geisterradler, sagte Kopp. Viele Unfälle passierten auch, weil die Radler das Rotlicht an Ampeln missachten. Bei den Kontrollen sollen Autofahrer beispielsweise verstärkt sensibilisiert werden, nicht auf Radwegen zu parken und die Autotüren vorsichtig zu öffnen.

Polizisten auf Streife sollen Fußgänger ansprechen, wenn diese etwa bei Rot über die Straße gehen. In der ersten Woche soll es bei mündlichen Verwarnungen bleiben. "Allerdings nur, wenn sich die Verkehrsteilnehmer einsichtig zeigen", sagte Kopp. In der zweiten Woche der Kontrollaktion sollen die Vergehen dann in jedem Fall geahndet werden.

Die Kommunale Verkehrsüberwachung der Stadt, sagte Bieling, wird vor allem in der Fußgängerzone überwachen, dass dort niemand Rad fährt. Die Mitarbeiter dort sollen auch darauf achten, dass Radwege nicht von Lastwagen als Lieferzonen missbraucht werden.

Das KVR konzentriere sich außerdem darauf, die Infrastruktur für Radfahrer weiter zu verbessern, um die Sicherheit zu erhöhen. So würden unter anderem immer mehr Radfahrstreifen und Schutzstreifen markiert, zuletzt in der Kapuzinerstraße. Maßnahmen etwa in der Schleißheimer Straße seien geplant.

Zudem gebe es immer mehr Fahrradstraßen, und im Stadtgebiet seien inzwischen mehr als 40 Prozent der 700 Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet. Dies entzerre den Verkehr, sagte Bieling. Unfallstatistiken zeigten, dass diese Maßnahmen sinnvoll seien.

© SZ vom 13.06.2014/amm

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