Abschaffung der Autozüge:Der Zug ist abgefahren

Münchner Rangierbahnhof

Bequem in den Urlaub mit dem Autozug: Die Deutsche Bahn will dieses Angebot streichen.

(Foto: DPA-ZB SPECIAL)

Die Deutsche Bahn will ihre Autoreisezüge aufgeben. Auch die Nachtverbindung von München nach Paris wird gestrichen - aus Kostengründen. Nicht nur im Netz gibt es dagegen erheblichen Widerstand.

Von Marco Völklein

Nein, so einfach aufgeben und den Beschluss des Bahnvorstands schlucken - das kommt für Thomas Stock nicht infrage. Der Berliner will sich nicht damit abfinden, dass künftig keine Autoreisezüge mehr auf deutschen Schienen rollen werden. Und auch deutlich weniger Nachtzüge als bislang. Im Internet hat Stock zusammen mit Mitstreitern Ende August eine Petition gegen die Pläne der Bahn gestartet. 10 000 Stimmen sollen bis Jahresende zusammenkommen und die Bahnvorstände doch noch umstimmen. Aktuell steht der Zähler bei mehr als 1600 Unterzeichnern.

Etwa jede achte Stimme kommt aus Bayern, ein Großteil davon wiederum aus dem Großraum München. Hier erinnern sich viele noch daran, wie früher ihr Auto oder Motorrad an der Verladerampe hinter dem Ostbahnhof in der Friedenstraße huckepack genommen wurde - und sie entspannt ans Ziel rollten. "Abends in München locker eingecheckt, Abteil bezogen und dann ab die Post nach Hamburg", schreibt einer der Fans, die sich hier organisiert haben. "Autozüge leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus", sagt ein anderer Unterstützer. Und: "Der Autozug ist es, der uns entspannt über Nacht in den Urlaub starten lässt."

Die Entscheidung ist gefallen

Das sieht zwar im Grundsatz auch die Deutsche Bahn so, dennoch ist die Entscheidung gefallen: Vom Jahr 2017 an wird es keine Autoreisezüge mehr geben. Das Auto am Ostbahnhof auf einen Waggon laden - das wird es so nicht mehr geben. "Das Angebot ist nicht mehr rentabel zu betreiben", sagt ein Bahnsprecher. Zwar seien die Züge in den Sommermonaten und "an einigen Tagen rund um Weihnachten und Ostern" gut ausgelastet gewesen - oft sind die Züge schon weit im Voraus reserviert. An den restlichen Tagen des Jahres sehe es aber ganz anders aus. Habe der Konzern 2005 noch gut 400 000 Autoreisezug-Nutzer gezählt, so seien es im Jahr 2013 nur noch etwa halb so viele gewesen.

Ganz ähnlich sieht es bei den Nachtzügen aus - auch da fährt die Bahn ihr Angebot zurück und streicht beispielsweise zum Fahrplanwechsel im Dezember die Nachtzugverbindung München-Paris. Die wachsende Konkurrenz der Billigflieger, die vielen neuen Fernbusanbieter und nicht zuletzt schnellere Zugverbindungen in den frühen Morgenstunden sowie am Abend hätten dem klassischen Nachtzug zuletzt immer mehr zugesetzt, sagt der Bahnsprecher. Von München über Stuttgart nach Paris nutzten viele, die bisher über Nacht in die französische Hauptstadt rollten, nun die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge. Nachtzug wie Autoreisezug steckten eben in "einem schwierigen Marktumfeld", sagt der Sprecher. So hätten allein die Nachtzüge 2013 einen Verlust von insgesamt 18 Millionen Euro eingefahren.

Immerhin: Die Nachtzugverbindungen von München nach Amsterdam, Mailand, Rom, Berlin und Hamburg will die Bahn zunächst mal nicht antasten - zumindest bis zum Jahr 2016. Bis dahin will der Konzern ein Gesamtkonzept vorlegen, wie das Nachtzugnetz künftig aussehen wird. Klar ist bislang nur, dass es voraussichtlich ausgedünnt wird gegenüber dem heutigen Angebot. Und dass die Autoverladung auf Waggons am Ostbahnhof von 2017 an endgültig Geschichte sein wird. Grund dafür ist zudem noch der veraltete Wagenpark bei den Autoreisezügen: Die Bahn müsste eigentlich viel Geld in die Hand nehmen, um die sehr in die Jahre gekommenen alten Transportwaggons für die Autos und Motorräder durch neue zu ersetzen.

Bundesweit einzigartiger Pilotversuch

Diese Investitionen allerdings will sich der Konzern sparen - und kommt auf leicht skurrile Ideen: So lässt die Bahn seit April auf der Strecke München-Berlin jeden Abend die Autos und Motorräder am Ostbahnhof nicht mehr auf Waggons, sondern auf Lastwagen verladen. Diese bringen die Fahrzeuge dann auf der A 9 zum Zielbahnhof, während die Fahrgäste im Nachtzug in die Bundeshauptstadt rollen.

Das Ganze ist ein bundesweit bislang einzigartiger Pilotversuch. Bewährt sich das Modell auf der Strecke München-Berlin, könnte es auch auf andere Städteverbindungen ausgeweitet werden. Autoreisezug-Fan Stock hält davon allerdings überhaupt nichts. Statt den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, wie es umweltpolitisch sinnvoll wäre, passiere jetzt das genaue Gegenteil: Auf den ohnehin schon überlasteten Autobahnen seien nun auch noch zusätzlich die Kfz-Transporter der Deutschen Bahn unterwegs.

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